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29.10.2019

Jetzt nicht mehr geheim: BND-Zentrale deutlich teurer

BND-Neubau 50 Prozent teurer als geplant

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Was ist passiert?

Bund. Dass Geheimdienste nicht nur im Verborgenen agieren, zeigt der Neubau der BND-Zentrale in Berlin. In der Mitte der Bundeshauptstadt hat sich der Auslandsnachrichtendienst seinen neuen Dienstsitz aus 20.000 Tonnen Stahl und 135.000 Kubikmetern Beton errichten lassen. Damit ist die Geheimdienstzentrale das zweitgrößte Gebäude Berlins – nach dem Flughafen Tempelhof.

Schon während des Baus machte die neue BND-Zentrale von sich reden: Immer wieder erschütterten Skandale das Neubauprojekt. So sind beispielsweise vertrauliche Bauunterlagen abhandengekommen, zudem entstand ein Millionenschaden, als Wasserhähne entwendet und infolgedessen Teile des Neubaus geflutet wurden.

Mehr als zwölf Jahre nach dem ersten Spatenstich und mit mehreren Jahren Bauverzögerung wurde der Neubau schließlich im Februar 2019 eröffnet. Noch steht die Endabrechnung aus. Doch bereits heute ist klar, dass die Baukosten gegenüber der ursprünglichen Planung erheblich gestiegen sind. 2006 hatte das zuständige „Vertrauensgremium“ des Bundestags die Baumaßnahme genehmigt; als Kostendeckel wurden 720 Mio. Euro für den Neubau festgelegt. Immer wieder musste das Gremium jedoch weiteres Geld genehmigen. Nach sechs Nachträgen lagen die Gesamtkosten für den Bau zuletzt bei 1,086 Mrd. Euro – das sind rund 50 Prozent mehr als ursprünglich geplant.

Zu den Kosten für den Neubau kommen weitere hinzu: für die Erstausstattung des Gebäudes, den Umzug und weitere Dienstleistungen. So wurden zum Beispiel rund 8,6 Mio. Euro für die Bewachung der Baustelle während der Bauzeit ausgegeben. Der Erwerb des Baugrunds vom Land Berlin – eine gute Lage in Berlin-Mitte – hat rund 66,7 Mio. Euro gekostet. Die bisher absehbaren Gesamtkosten für die Verlagerung der BND-Zentrale nach Berlin einschließlich der geplanten Verkleinerung des Standorts Pullach belaufen sich nach aktuellen Schätzungen auf rund 1,57 Mrd. Euro.

Der Blick auf die Gründe für die Kostensteigerungen lässt typische Fehler erkennen, die allzu häufig beim öffentlichen Bauen gemacht werden. Der Architekt räumt in einem Interview ein, dass Umplanungen deshalb zu Kostensteigerungen geführt hätten, weil der BND teils in Pullach bleibt. Auch der Eigentümer des Gebäudes, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, gibt auf Nachfrage des Bundes der Steuerzahler an, dass die Erweiterung des Bauprogramms im Zusammenhang mit einem Aus- und Fortbildungszentrum ein wesentlicher Grund für die Kostensteigerung gewesen sei. Als weitere Gründe nennt die Bundesanstalt Baukostensteigerungen, Insolvenzen und Kündigungen aufgrund von Minderleistung.

Richtig ist, dass diese Faktoren nicht immer in der Hand des Bauherrn liegen, gleichwohl muss für solche Risiken vorgesorgt werden. Auch ein fehlendes proaktives Risikomanagement ist ein weiterer Grund für Baukostensteigerungen der öffentlichen Hand, wie wir bereits im Schwerpunkt unseres Schwarzbuchs 2018/19 herausgearbeitet hatten. Nicht zuletzt haben auch die Verzögerungen im Baufortschritt selbst die Kosten weiter steigen lassen – ein weiterer typischer Grund für Baukostensteigerungen.

(Foto: Philipp Behm)

Der Bund der Steuerzahler meint

Auch der Neubau der BND-Zentrale zeigt: Die öffentliche Hand ist allzu oft ein schlechter Bauherr. Steuergeld wurde verschwendet, weil vermeidbare Fehler begangen wurden. Dabei sind die Fehler bekannt – auch unsere konkreten Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch der Politik. Es ist an der Zeit, diese konsequent umzusetzen.

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Philipp Behm

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