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29.10.2019

Ist das Kunst oder kann das weg?

Hat die Stadt Bremen versehentlich ein Kunstwerk entsorgt?

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Was ist passiert?

Bremen. Im Jahr 1994 stellte ein Münsteraner Künstler der Stadt Bremen für die Ausstellung „Im Strom“ am Bremer Weserwehr leihweise ein Kunstwerk namens „Semizirkel“ zur Verfügung – eine Bodenskulptur, bestehend aus sechs einzelnen Stahlsegmenten mit einem Gesamtgewicht von fünf Tonnen. Nach Ablauf des einjährigen Leihzeitraums blieb die Arbeit auf Wunsch des Künstlers jedoch weiterhin am Weserwehr. Eine monetäre Gegenleistung verlangte er hierfür nicht.

Ab dem Jahr 2008 fanden am Weserwehr umfangreiche Baumaßnahmen statt. Als der Künstler im Jahr 2010 die Baustelle besuchte, um sein Werk zu besichtigen, musste er feststellen, dass die tonnenschwere Skulptur verschwunden war. Auf Nachfrage teilte die Stadt Bremen dem Künstler mit, dass die beauftragte Firma ihren Angaben zufolge die Skulptur gesichert und eingelagert habe. Im Dezember 2013 musste die Stadt zur „eigenen Überraschung feststellen, dass die Skulptur nicht mehr auffindbar war“. Wann, wo und wie die Skulptur verschwunden ist, ließ sich trotz intensiver Nachforschungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht aufklären.

Seit August 2017 standen sich Künstler und Stadt vor dem Landgericht gegenüber. Der Künstler forderte 60.000 Euro Schadenersatz von der Hansestadt. Die Kammer gab dabei zeitig zu erkennen, dass sie den Schadenersatzanspruch des Klägers grundsätzlich bejaht. Angesichts der Großbaustelle habe die Stadt für die Sicherung der Skulptur Sorge tragen müssen. Dies scheint nicht erfolgt zu sein: Ein in der Presse veröffentlichtes Foto legt nahe, dass Arbeiter das Stahlkunstwerk während der Bauarbeiten sogar als Ablagefläche für Metallschrott genutzt haben. Wurde etwa das Kunstwerk bei der Entsorgung des Schrotts versehentlich gleich mitentsorgt? Beide Prozessparteien hielten dieses Szenario für wahrscheinlich.

Die Stadt hielt es jedenfalls für ratsam, den Rechtsstreit im Juni 2019 durch einen Vergleich zu beenden: Der Künstler erhält 30.000 Euro Schadenersatz, und die Stadt trägt anteilig die Prozesskosten in Höhe von 10.000 Euro. Auf BdSt-Nachfrage teilte die Stadt mit, man halte es für „sehr schwierig bis unmöglich“, die Schadenersatzforderung an die seinerzeit beteiligten Baufirmen weiterzuleiten. Am Ende kommt also der Steuerzahler für den Schaden auf.

Foto (Symbolbild): takis politis on Unsplash

Der Bund der Steuerzahler meint

Auf wertvolle Dinge gibt man besonders Acht. Das gilt erst recht, wenn man sich diese nur geliehen hat. Weil die Stadt bei der Sicherung des Kunstwerks einfach zu sorglos war, fehlen im Bremer Kulturetat nun 40.000 Euro für kulturelle Zwecke.

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Autor des Artikels

Jan Vermöhlen

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