News Bild 264
  • Hessen
  • Richtig skurril!
29.10.2019

Im Asbacher Backhaus ist der Ofen aus

Ein kleines Backhaus wurde teuer saniert – und endete als Geräteschuppen

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Bad Hersfeld. Da im Stadtteil Asbach ein historisches Backhaus aus Kostengründen abgerissen wurde, legte die Stadt aus denkmalpflegerischen und stadtplanerischen Gründen sehr viel Wert auf den Erhalt eines weiteren sanierungsbedürftigen Backhauses. Obwohl dort zuvor nur gelegentlich alle zwei bis vier Jahre gebacken wurde und die Stadtteilbürger eine Alternative bevorzugten, wurde das historische Backhaus in der Ringstraße für 78.000 Euro aufwendig saniert. Das Land bezuschusste das Projekt mit 32.000 Euro, der Rest kam von der Stadt Bad Hersfeld.

Als Asbach 2011 seine Dorfentwicklung im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms des Landes Hessen startete, erwartete man, mit dem Backhaus ein verhältnismäßig bescheidenes Projekt rasch realisieren zu können. Allerdings stellte sich heraus, dass die Bausubstanz viel mehr Mängel aufwies als gedacht. Die Kosten explodierten: von zunächst 40.000 Euro auf am Ende fast das Doppelte. Zwischenzeitlich standen für die Gesamtkosten sogar Schätzungen von 96.000 Euro im Raum, doch diese Summe wurde schließlich noch reduziert.

Nach Angaben der Stadt hätte der Planer dies alles genauer untersuchen sollen. Die Hiobsbotschaften kamen jedoch nur sukzessive ans Licht, die Förderanträge waren bereits eingereicht. Die Denkmalbehörde drang darauf, zumindest die Hülle des Backhauses zu erhalten, doch beim Komplettabbau musste man erkennen, dass nur noch wenig Altmaterial für die Wiedererrichtung verwendet werden konnte. Das Haus erweckt also nur den Anschein eines Originals, tatsächlich ist es aber neuartig.

Auf den Einbau eines für ein Backhaus essenziellen Ofens verzichtete man. Die Stadt Bad Hersfeld macht dafür die Asbacher Bürger verantwortlich, die sich nicht wie gewünscht am betroffenen Backhaus engagieren wollten. Darum entbrannte ein erbitterter Streit, der sogar medial ausgetragen wurde. So ist der Ofen sprichwörtlich aus und die leere, fensterlose Fachwerkhülle wird seit der Fertigstellung lediglich von Vereinen und Ortsbeirat als Lagerschuppen genutzt.

Wer wie viel Schuld hat, ist umstritten: Laut örtlicher Presse könne man darüber diskutieren, ob der Arbeitskreis Dorfentwicklung und der Ortsbeirat angesichts wachsender Probleme zu unentschlossen gewesen seien, ob der Planer bei den (Vor-)Untersuchungen nicht genau genug hingeschaut habe oder ob der städtische Denkmalpfleger zu sehr auf dem Erhalt des Gebäudes beharrt habe.

Der Bund der Steuerzahler meint

Stadterhaltungsmaßnahmen müssen sorgfältig geplant und die Baumaßnahmen aufmerksam begleitet werden. Entscheidend für den Erfolg einer Maßnahme ist auch, nicht am Willen der ortsansässigen Bürger vorbeizubauen.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Clemens Knobloch

Sag uns deine Meinung

Teil uns mit, was du
denkst!

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert