
Hitzeaktionsplan sorgt für erhitzte Gemüter
Sonnenschirm direkt unterm Baum
Was ist passiert?
Stuttgart (BW). Um der Stuttgarter Bevölkerung von Juni bis September 2025 an öffentlichen Plätzen mehr Schutz gegen die Sonneneinstrahlung zu bieten, hatte sich die Stadtverwaltung für eine breit angelegte Schutzkampagne entschieden. Insgesamt 29 Schirme mit Durchmessern bzw. Kantenlängen von 3,50 bis 4,50 Metern sowie ein großflächiges Sonnensegel mit einer Fläche von 180 Quadratmetern wurden an elf Standorten installiert. Schirme und Segel sowie 26 Sitzblöcke ließ sich die Stadt Stuttgart rund 350.000 Euro kosten.
Finanziert wurde das Projekt aus den Haushaltsmitteln für verschiedene Hitzeschutzmaßnahmen, die der Gemeinderat für 2025 in Höhe von insgesamt 1,5 Mio. Euro beschlossen hatte. Weil die finanziellen Mittel für die Sonnenschutzmaßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans nur im Doppelhaushalt 2024/2025 und ohne Fortführung vorgesehen waren, hatte sich die Verwaltung dazu entschlossen, Schirme und Segel nicht zu kaufen, sondern nur zu leihen.
Ein Teil der 350.000 Euro entfiel dabei nicht nur auf Anmietung, Installation und Wartung der Sonnenschutzmaterialien, sondern auch auf die Leistungen eines beauftragten Ingenieurbüros, das zusammen mit der Stadtverwaltung die vorgeschlagenen Standorte mit Blick auf einen möglichen und sinnvollen Sonnenschutz prüfte. Diese Dienstleistung ließ sich die Stadt 20.000 Euro kosten. Diese Prüfung mit externer Hilfe hätte zumindest an zwei Standorten aufzeigen müssen, dass der Einsatz von Sonnenschirm und Sonnensegel dort keinen oder zumindest nur eingeschränkt Sinn hat. Dieser Überzeugung sind neben dem Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg auch viele Stuttgarter Bürger, die sich während der Sommermonate verärgert an den BdSt wandten.
Für die größte Verwunderung im Sommer 2025 sorgte dabei ein Sonnenschirm auf dem Botnanger Marktplatz: Dort wurde einer der beiden Schirme direkt unter einer Platane installiert, die großflächig Schatten spendet. Auf BdSt-Anfrage bei der Stadt Stuttgart hieß es, nach einem Kompromiss mit den Marktbeschickern sei für den Schirm ein Standort am Rande des Platzes gewählt worden. „Dort befindet er sich teilweise unter der Krone einer Platane und spendet vor allem nachmittags zusätzlichen Schatten – mit reduziertem, aber vorhandenem Nutzen. […] Sollte sich vor Ort ein besserer Standort abzeichnen, ist eine Umsetzung grundsätzlich möglich“, so die Auskunft aus dem Rathaus.
Ebenfalls für Diskussionen sorgte das Aufstellen eines riesigen Sonnensegels über der Betonfläche des Südheimer Platzes, das, bei Gesamtkosten von 350.000 Euro, allein mit 110.000 Euro zu Buche schlug. Zwar sei der durch das Segel gewonnene Schatten hin und wieder genutzt worden, oftmals sei aber niemand darunter gewesen, so die Beobachtungen von Anwohnern. Denn wer an den Südheimer Platz gehe, setze sich schließlich eher auf die Wiese oder auf eine der Bänke am Rand. Warum man also mitten über die Betonfläche des Platzes – übrigens für nur wenige Wochen – eine so teure Konstruktion aufgebaut hatte, ist aus Sicht des Bundes der Steuerzahler nicht nachvollziehbar.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Konzept gegen die Sommerhitze im Stuttgarter „Kessel“ eine sinnvolle Idee ist, dessen Umsetzung im Sommer 2025 allerdings fragwürdig war. Denn alle ausgewählten Standorte sollten geeignet sein, um für eine wirkliche Verbesserung zu sorgen. Das war dort offensichtlich nicht der Fall. Unverständlich ist auch, dass die Stadt externe Hilfe für die Standortwahl beauftragt hat. Das sollten die städtischen Mitarbeiter selbst leisten können! Hinzu kommt: Teuer geliehene Schirme für punktuellen Schatten an vereinzelten Stellen wirken eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Foto: Daniel Bilaniuk
Der Bund der Steuerzahler meint
Das gesamte Schirmkonzept wirkt wie Stückwerk. Es wäre sinnvoller, ein längerfristiges Konzept gegen die jährliche Sommerhitze im Stuttgarter Stadtgebiet zu entwickeln.
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