
Hesse-Bahn: Politik zieht ihre Lehren
Fledermäuse sorgen für Umdenken bei künftigen Projekten
Was ist passiert?
Baden-Württemberg. Das Projekt Hermann-Hesse-Bahn sorgte über viele Jahre hinweg für Schlagzeilen. Der Betrieb der Bahn hätte ursprünglich im Jahr 2018 starten sollen. Schließlich wurde es Februar 2026, bis die Züge auf der Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt wieder regulär fuhren.
Erste Überlegungen, die 1978 stillgelegte Strecke wiederzubeleben, gab es bereits zu Beginn der 2000er-Jahre. Doch erst im Jahr 2015 einigten sich das Landesverkehrsministerium, die Region Stuttgart, die Landkreise Böblingen und Calw sowie fünf Anrainerkommunen auf die stufenweise Realisierung des Bahnprojekts.
Im Jahr 2015 war noch von geplanten Baukosten in Höhe von 49 Mio. Euro die Rede. Als das vorige Schwarzbuch erschien, lagen die Schätzungen für das gesamte Projekt schon bei 207 Mio. Euro, von denen rund 80 Mio. Euro auf den Artenschutz entfallen sollten. Vor der feierlichen Eröffnung Anfang 2026 wurde dann bekannt gegeben, dass sich die voraussichtlichen Gesamtkosten auf rund 240 Mio. Euro belaufen würden, wovon 85 Mio. Euro auf den Artenschutz zurückzuführen sind. Begründet wurden die erneuten Mehrkosten mit der Verzögerung der Bauarbeiten aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse, dem Anstieg der allgemeinen Preise in der Baubranche und der notwendigen Baubeschleunigung, um rechtzeitig fertig zu werden. Übrigens: 90 Prozent der Investitionskosten werden aus dem Bundes-GVFG-Programm gefördert, hinzu kommen ca. fünf Prozent aus dem Landes-GVFG. Den Rest übernehmen der Landkreis Calw, die Stadt Calw und die Gemeinden Althengstett und Ostelsheim. Verantwortlich für die lange Dauer sowie die hohen Kosten des Projekts sind u. a. die Aufwendungen für den Artenschutz – speziell für Fledermäuse. Diese hatten zwei Tunnelröhren, die für den Betrieb der Hesse-Bahn benötigt werden, bevölkert. Zum Schutz der Tiere war dann entschieden worden, in die beiden Tunnelröhren eine Trennwand einzuziehen – ein Tunnel im Tunnel. Mit Hilfe von Ultraschall und Licht sollten die Fledermäuse davon abgehalten werden, in die falsche Röhrenhälfte zu fliegen. Anfangs taten sich einige Exemplare noch schwer damit, sodass die Züge nach Inbetriebnahme der Strecke zunächst mit verminderter Geschwindigkeit und daher nur im Stundentakt fuhren. Seit Juni 2026 besteht bei der Hesse-Bahn nun eine Verbindung im Halbstundentakt, die außerhalb der Berufsverkehrszeit sogar bis nach Renningen und somit noch näher an die Landeshauptstadt Stuttgart heranführt.
Die jahrelangen Verzögerungen und massiven Kostensteigerungen rund um die „Wiederbelebung“ der Hermann-Hesse-Bahn haben in der baden-württembergischen Landespolitik hohe Wellen geschlagen. So findet sich nun im aktuellen Koalitionsvertrag, der im Mai 2026 vorgestellt wurde, folgende Passage: „Wir stärken vor allem bei Unternehmensansiedlungen und Infrastrukturprojekten eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Behörden, mit dem Ziel, die erforderlichen Genehmigungsverfahren deutlich zu verkürzen. Wir wenden die Beschleunigung von Planungen durch den Grundsatz ‚Populationsschutz vor Individuenschutz‘ an.“
Foto: Manuel Kamuf / Lightworkart.de
Der Bund der Steuerzahler meint
Aus Steuerzahlersicht ist es zu begrüßen, dass bei künftigen Infrastrukturprojekten in Baden-Württemberg die Genehmigungsverfahren schneller über die Bühne gehen sollen und die Vorgaben des Artenschutzes großzügiger ausgelegt werden. Das dürfte sich auch positiv auf die Kosten auswirken.
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