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29.10.2019

Hannover rüstet ab

Hannover zahlt monatelang Miete für ungenutztes Baugerüst

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Was ist passiert?

Hannover. Calders „Hellebardier“ ist eine Schenkung des Kunstmäzens Bernhard Sprengel an die Landeshauptstadt Hannover. Seit Oktober 1978 steht die rund 8 m hohe Stahlplastik vor dem nach ihm benannten Sprengel Museum am Nordufer des Maschsees. Neben ihrer Größe ist es vor allem die markante rote Farbe, die die Blicke der Passanten anzieht. Unter Experten gilt genau dieses Rot als besonders empfindlich gegenüber den täglichen Belastungen, denen Kunst im öffentlichen Raum ausgesetzt ist – wie Sonne, Abgase oder Graffitis. Daher bedarf es hin und wieder einer Frischekur mit Farbe. Seinen letzten Anstrich erhielt der „Hellebardier“ im Jahr 2006.

Im März 2019 gab die Stadt schließlich den Auftrag, den „Hellebardier“ vollständig einzurüsten, um die Farbe und eine schützende Klarlackschicht aufzutragen. Am selben Tag kontaktierte die Stadt die Calder-Foundation, die den künstlerischen Nachlass des 1976 verstorbenen Bildhauers betreut. Die New Yorker Stiftung muss jede Änderung an den Kunstwerken Alexander Calders genehmigen, das gilt auch für einen neuen Anstrich. Während das Baugerüst bereits nach wenigen Tagen errichtet war, ließ die erhoffte Genehmigung der Stiftung auf sich warten. Diese bestand darauf, dass der von der Stadt bestellte Restaurator die Arbeiten zunächst mit einer von der New Yorker Stiftung benannten Restauratorin abstimmt. Erst im Mai 2019 konnte der Stiftung eine erste Beprobung zur Begutachtung bereitgestellt werden.

Hannover stand inzwischen unter Zeitdruck, stand doch ab Ende Juli das alljährliche mehrwöchige Maschseefest an. Ein eingerüstetes Kunstwerk mitten auf der Partymeile? Das war selbst für die Sparwilligsten im Rathaus der Landeshauptstadt keine Option. Also ließ die Stadt das Baugerüst in der zweiten Juliwoche abbauen. Für die dreieinhalbmonatige Standzeit des Gerüsts waren inzwischen Kosten in Höhe von 14.000 Euro angefallen – ohne dass auch nur ein einziger Pinselstrich erfolgt ist.

Um ähnliche weitere Pannen zu vermeiden, versprach die Stadt, Aufträge für die künftige Instandsetzung von Kunstwerken ausnahmslos erst dann zu erteilen, wenn die jeweiligen Rechteinhaber der Kunstwerke ihr Einverständnis erteilt haben. Das gelte bereits für die Wiedereinrüstung des „Hellebardiers“, denn der dringend benötigte Anstrich steht nach wie vor aus.

 

(Foto: ChristianSchd, CC BY-SA 4.0)

 

Der Bund der Steuerzahler meint

Schön zu wissen, dass künftig auch in der Landeshauptstadt Hannover Aufträge erst dann erteilt werden, wenn alle benötigten Genehmigungen vorliegen. Das muss eine Selbstverständlichkeit sein!

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Autor des Artikels

Jan Vermöhlen

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Bemerkungen :

  • user
    Striezel Werner 30/10/2019 um 17:54

    Abbauen,einpacken und dem Eigentümer schicken !


    Hannover wird sicherlich auch schönere Gebilde finden.