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29.10.2019

Hamburger Schildbürgerstreich

Kreislaufbaggerung im Hamburger Hafen geht weiter – aber für etliche Millionen Euro weniger

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Was ist passiert?

Hamburg. Im Schwarzbuch 2016 haben wir über die Kreislaufbaggerung im Hamburger Hafen berichtet. Da der Hafen von Schiffen mit immer mehr Tiefgang angelaufen wird, wurde die Fahrrinne der Unterelbe in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter vertieft. Das Problem: Vom Hamburger Hafen bis zur Nordseemündung unterliegt die Elbe dem Gezeitenwechsel. Bei Flut strömt das Wasser kräftig in Richtung Hafen, bei Ebbe aber weniger kräftig zurück. Damit gelangt mehr Schlick in Richtung Hafen, als wieder zurückgespült wird. Mit jeder Elbvertiefung nahm die Kraft der Strömung zu, sodass heute noch mehr Sedimente in Richtung Hamburg gelangen als früher. Damit der Hafen für große Schiffe nutzbar bleibt, muss dieser also ständig ausgebaggert werden. Doch wohin mit dem Schlick?

Bereits seit vielen Jahren wird ein Teil des Schlicks vor der Insel Neßsand, an der Grenze zum nördlichen Nachbarn Schleswig-Holstein, wieder in den Elbstrom gekippt − keine 20 Kilometer vor dem Hafen. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Schlick wieder im Hafen landet und erneut gehoben werden muss. Solch ein Verfahren ist dann wohl eine Kreislaufbaggerung.

Doch zumindest hat sich die Lage für den Steuerzahler in den vergangenen Jahren verbessert. Wurden 2015 dafür noch 13 Mio. Euro ausgegeben, waren es 2016 noch 11,8 Mio. Euro, im Jahr 2017 waren es 11 Mio. Euro und 2018 „nur“ noch 5,4 Mio. Euro.

Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen. Bereits 2008 stand im „Strombauund Sedimentmanagementkonzept“ des Bundes und des Landes Hamburg, dass die bei der Insel Neßsand umgelagerten Schlickmengen „mit dem Flutstrom faktisch sofort“ wieder zurückkämen und sie nur zu einem eher geringen Teil aus dem System entfernt würden. Daher sollte diese Stelle aufgegeben werden. Die für die Schlickbaggerung zuständige Hamburg Port Authority (HPA) teilte dem Bund der Steuerzahler nun jedoch mit, dass die Umlagerung von Sedimenten aus dem Hafen bei der Insel Neßsand ein fester Bestandteil des Unterhaltungskonzepts der HPA und daher auch künftig erforderlich sei. Die Kreislaufbaggerung geht also weiter.

(Foto: Maren Winter / istockphoto.com)

Der Bund der Steuerzahler meint

Auch wenn der Hamburger Hafen für die Wirtschaftskraft Norddeutschlands von immenser Bedeutung ist, darf es nicht sein, dass durch eine Kreislaufbaggerung Jahr für Jahr Millionen Euro in die Elbe versenkt werden. Nachhaltige Lösungen − wie zum Beispiel die Verbringung in die Nordsee, die Verarbeitung an Land oder Maßnahmen, die die Sedimentmenge langfristig reduzieren, beispielsweise durch strombauliche Maßnahmen − müssen die Kreislaufbaggerung nach Möglichkeit komplett ersetzen.

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Autor des Artikels

Christoph Metzner

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