
Goslarer Geisterbus verbrennt 577.000 Euro
Völlig am Bedarf vorbeigeplant
Was ist passiert?
Goslar (NI). Im September 2021 startete in der Stadt Goslar ein zusätzliches Busangebot zur besseren Erschließung der dortigen UNESCO-Weltkulturerbestätten Kaiserpfalz und Rammelsberg. Seitdem verkehrte auf der Ring-Buslinie 809 das „Welterbeshuttle“. Mit seinem 30-Minuten-Takt zielte es besonders auf Übernachtungsgäste und Tagestouristen ab.
Erst eine großzügige Förderung des Regionalverbandes Region Braunschweig hatte die neue Linie überhaupt möglich gemacht, denn für einen dreijährigen Pilotzeitraum erklärte sich der Regionalverband bereit, bis zu 75 Prozent der anfallenden Verluste zu übernehmen, höchstens jedoch 100.000 Euro jährlich. Den Rest sollte die städtische Nahverkehrsgesellschaft tragen. Die setzte darauf, die Eigenbeteiligung durch zusätzliche Fahrkartenverkäufe gering zu halten und ging von 20.000 bis 40.000 Shuttle-Nutzern pro Jahr aus.
Tatsächlich hatte die Welterbe-Linie ca. 40.000 Fahrgäste – allerdings nicht pro Jahr, sondern während des gesamten Pilotzeitraums, der im August 2024 endete. Das sind umgerechnet rund 36 Fahrgäste pro Tag, bei – laut Fahrplan – bis zu 18 Fahrten täglich! Die meiste Zeit dürften die Busfahrer der Welterbe-Linie 809 ihre Runden also allein durch Goslar gedreht haben.
Dass mit solch spärlichen Fahrgastzahlen kaum Einnahmen zu erzielen sind, kann nicht überraschen: Gerade einmal rund 9.000 Euro sollen laut Auskunft der Stadt in dem Dreijahreszeitraum zusammengekommen sein. Viel zu wenig, um die insgesamt 600.000 Euro Kosten, die im gleichen Zeitraum entstanden sind, auch nur ansatzweise aufzuwiegen. Abzüglich kleinerer Spenden, die Stiftungen zugunsten des „Welterbeshuttles“ geleistet hatten, beläuft sich der von den Steuerzahlern auszugleichende Verlust für den dreijährigen Pilotzeitraum auf ca. 577.000 Euro. Wenig überraschend entschied sich die Stadtpolitik daher einstimmig gegen eine Verlängerung der Welterbe-Linie über den geförderten Pilotzeitraum hinaus.
Dabei war schon frühzeitig absehbar, dass das „Welterbeshuttle“ zum Flop werden würde. Schließlich gibt es mit der Buslinie 803 in Goslar bereits eine etablierte Direktverbindung im 30-Minuten-Takt zwischen Innenstadt und Rammelsberg. Und im Gegensatz zu der Welterbe-Linie 809 hält diese sogar am Goslarer Bahnhof – wohl der Ort, wo die meisten Tagestouristen ankommen, die die Welterbestätten mithilfe des ÖPNV erkunden möchten. Und die Touristen, die mit dem Pkw nach Goslar kamen? Die nutzten, wenig überraschend, weiterhin die zahlreichen, großenteils kostenfreien Parkmöglichkeiten direkt am Rammelsberg. Das ist auch naheliegender, als den Pkw erst kostenpflichtig in der Innenstadt abzustellen, um dann anschließend einen Busfahrschein für das „Welterbeshuttle“ zu lösen.
Foto: Jan Vermöhlen
Alternative Investition
Mit 577.000 Euro könnten in der Stadt Goslar mindestens fünf Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Es ist legitim, sich Gedanken darüber zu machen, wie touristische Hotspots attraktiv an den ÖPNV angebunden werden können. Allerdings sollte sich ein neues Angebot dann auch an den Bedürfnissen und dem Verhalten potenzieller Nutzer orientieren. In Goslar hat man stattdessen einfach drauflos „geshuttlet“ und aufs Beste gehofft.
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