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01.10.2026

„Gläserne Werkstatt“ für die Klingenstadt

Gläserne Werkstatt: Hohe Kosten und geringe Resonanz im Solinger Zentrum

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Was ist passiert?

Solingen (NRW). Solinger Messer und Scheren finden sich in vielen Haushalten. Als regionales Produkt sind sie auch perfekt für das Projekt „Gläserne Werkstatt“ der Klingenstadt. So soll die Werkstatt ein seit zehn Jahren leer stehendes Modehaus zu neuem Leben erwecken und wieder Menschen in die Innenstadt bringen. Eine „Markthalle“ im Erdgeschoss des Gebäudes soll das Herzstück sein und zum Bummeln, Erkunden und Einkaufen einladen. In der Schleifwerkstatt können Bürger donnerstags den Schleifservice in Anspruch nehmen und in der Kreativwerkstatt aktiv werden. Alles kann man mieten, auch eine Kochstelle, einen kahlen, großen Raum im Untergeschoss – Innovationsraum genannt – und einen Podcast-Raum. Es gibt hauseigene Veranstaltungen wie z. B. Kreativ- und Handwerkstage, einen Genusstag, ein Demokratiecafé und einen Repariertreff.

105 solcher Veranstaltungen gab es 2025, außerdem knapp 50 Workshops und ebenso viele städtische Veranstaltungen, für die die Stadt der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Miete zahlen musste. Mehr als 60 externe Vermietungen spülten etwas Geld in die Kasse.

Rund 1,55 Mio. Euro EU- und Landesförderung machen dieses Projekt der SEG – eine Tochter der Stadt – möglich. Die Solinger Steuerzahler sollten zehn Prozent von zunächst rund 1,7 Mio. Euro Kosten finanzieren. Doch laut SEG flossen zudem 445.000 Euro Mehrkosten in die Werkstatt. Bis zum Ende der Zweckbindungsphase der Förderung rechnet die SEG mit einer Unterstützung von rund 466.000 Euro pro Jahr.

„Seit der Eröffnung hat sich die Gläserne Werkstatt zu einem lebendigen Veranstaltungs-, Erlebnis- und Lernort entwickelt, der Menschen einlädt, in die Innenstadt zu kommen“, so die SEG in einer Antwort an den Bund der Steuerzahler am 19.3.2025.

Die Anzahl der jährlichen Besucher nannte die SEG dem Bund der Steuerzahler am 30.4.2026 auf Anfrage. 2024 haben 3.904 Gäste an Veranstaltungen teilgenommen, 1.246 Menschen wurden als „Laufkundschaft“ gezählt; 2025 waren es 6.442 Veranstaltungsgäste und 3.701 Laufkunden. Dazu muss man aber wissen, dass die Stadt im vergangenen Jahr die Wahlpartys zur Bundestagswahl, Kommunalwahl und deren Stichwahl dorthin verlegt hat, sodass Interessierte dort die Stimmauszählung mitverfolgen konnten.

Rechnerisch bedeuten diese Zahlen: Bei angenommen rund 250 Öffnungstagen waren 2025 durchschnittlich keine 15 Besucher als Laufkundschaft in dem großen Haus, 2024 waren es sogar nur knapp fünf. Auch die Veranstaltungsgäste machen das Missverhältnis nicht wett. Angesichts der Höhe der jährlichen Zuschüsse kostete 2025 ein Besucher rechnerisch 46 Euro, 2024 waren es sogar 90 Euro.

Übrigens: Bei einem Besuch an einem gewöhnlichen Donnerstagnachmittag waren nur noch eine Mitarbeiterin und deren Bekannte auf den insgesamt drei Etagen anzutreffen. Die Frage, ob man ein Messer aus einer der Vitrinen kaufen könne, konnte nicht so einfach beantwortet werden. Es komme darauf an – einige ja, andere nicht. Allerdings sei die Dame, die meist den Shop betreue, heute nicht da. Anscheinend wird diese Frage nicht so oft gestellt.

Foto: Jens Ammann

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Der zwanghafte Versuch, mit viel Geld viele Menschen in eine trostlose Innenstadt zu locken, ist wenig erfolgreich und viel zu teuer. Die Kosten pro Besucher der „Gläsernen Werkstatt“ sind zu hoch, die Anzahl der Besucher zu gering, um die Innenstadt spürbar zu beleben.

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Autor des Artikels

Jens Ammann

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