
Geplante Hesse-Bahn immer teurer und später
Wenn die Fledermaus am längeren Hebel sitzt
Was ist passiert?
Calw (BW). Seit 1978 fuhr kein Personenzug mehr auf der Strecke der früheren Württembergischen Schwarzwaldbahn, die von Stuttgart über Leonberg, Renningen und Weil der Stadt bis nach Calw führt. Zu Beginn der 2000er-Jahre gab es erstmalig Ideen, diese Strecke als „Hermann-Hesse-Bahn“ wiederzubeleben, 2006 kamen dann erste Überlegungen für eine Verlängerung der Stuttgarter S-Bahn Linie 6 über Weil der Stadt bis nach Calw auf. Neun Jahre später einigten sich die Projektpartner Landesverkehrsministerium, die Region Stuttgart, die Landkreise Böblingen und Calw sowie fünf Anrainerkommunen auf die stufenweise Realisierung dieses Bahnprojekts.
Das Land wollte sich mit 50 Prozent an den im Jahr 2015 geplanten Baukosten von rund 49 Mio. Euro beteiligen. Im Sommer 2024 schrillten die Alarmglocken: Jetzt war von Gesamtkosten in Höhe von rund 160 Mio. Euro die Rede, von denen offenbar allein rund ein Drittel für den Artenschutz aufgewendet werden muss. Und inzwischen liegen die Schätzungen für das gesamte Projekt schon bei 207 Mio. Euro, von denen nun insgesamt rund 80 Mio. Euro für den Artenschutz anfallen sollen. Mittlerweile hat sich aber das Land bereit erklärt, rund 75 Prozent der Baukosten zu tragen. Die restlichen 25 Prozent übernimmt der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn, der aus dem Landkreis Calw und mehreren Kommunen besteht.
Als Problem stellte sich u. a. heraus, dass rund 1.000 Fledermäuse zwei Tunnelröhren, die für den Betrieb der Hesse-Bahn benötigt werden, bevölkern. Zunächst sollten die Tiere durch Vergrämung umgesiedelt werden, doch diese Bemühungen durften nicht weiterverfolgt werden. Schließlich wurde beschlossen, dass in die beiden betroffenen Tunnelröhren eine Trennwand eingezogen wird – quasi ein Tunnel im Tunnel. Mit Hilfe von Ultraschall und Licht sollen die Fledermäuse davon abgehalten werden, in die falsche Röhrenhälfte einzufliegen. Zwei der 18 Fledermausarten taten sich allerdings zunächst schwer damit. Vor Ort hofft man, dass auch diese endlich den passenden Weg finden und das Projekt nicht weiter gebremst wird. Aus Steuerzahlersicht ist der gesamte Vorgang schwer nachvollziehbar: Die Reaktivierung der Bahnstrecke, für die seit 2001 Untersuchungen verschiedenster Art durchgeführt wurden und auf der ab 2018 Züge fahren sollten, dürfte voraussichtlich nicht vor Ende 2025 abgeschlossen sein. Außerdem werden sich die Kosten von ursprünglich geplanten 49 Mio. auf mutmaßlich 207 Mio. Euro erhöht haben. Ein weiteres Großprojekt also, das die meisten Bürger nur noch kopfschüttelnd zurücklässt.
Foto: viarami / pixabay
Der Bund der Steuerzahler meint
Mehrjährige Verzögerung und um ein Vielfaches teurer: Die Hesse-Bahn ist ein trauriges Beispiel für ein Infrastrukturvorhaben, bei dem vieles – auch wegen des Artenschutzes – aus dem Ruder läuft.
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Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wir hätten das Projekt damals doch verhindern sollen (was zweifelsohne erfolgreich gewesen wäre und auch uns weniger Arbeit gekostet hätte). Jetzt haben wir seitens des Naturschutzes die Bahn ermöglicht und ernten nur Häme. Von den Planungsfehlern des Zweckverbandes kein Wort. Schade!