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01.10.2026

Gartenschau-Attraktion geht baden

Ausbau statt Sanierung: Badprojekt gerät finanziell aus dem Ruder

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Was ist passiert?

Bad Gandersheim (NI). Das im Jahr 1975 hergerichtete Sole-Waldschwimmbad in der Stadt Bad Gandersheim (Landkreis Northeim) befand sich nach 40-jähriger Nutzungsdauer im Jahr 2017 in einem so maroden Zustand, dass es geschlossen werden musste. Bis dahin hat sich das Freibad einer großen Beliebtheit erfreut und konnte im Schnitt fast 25.000 Besucher pro Jahr begrüßen. Vor diesem Hintergrund entschied der Stadtrat im August 2018, das Freibad unter Beibehaltung der bisherigen Becken und Verkürzung des Schwimmerbeckens grundlegend zu sanieren. Doch zu einer Umsetzung dieses Beschlusses sollte es nicht kommen.

Denn bei den Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2023 in Bad Gandersheim hat die Stadt das Freibad nochmals vollständig umplanen lassen. Anstelle einer „einfachen“ Sanierung („blaues Bad“), war nun die Umgestaltung in ein Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung („grünes Bad“) vorgesehen. Für die Ausgestaltung als Natur-Solefreibad wurden der Stadt Fördermittel in Höhe von einer Mio. Euro in Aussicht gestellt – bei seinerzeit geschätzten Gesamtkosten von rund zwei Mio. Euro. Beherzt griff die Stadt zu, da sie die Auffassung vertrat, sich ein Freibad ohne die in Aussicht gestellte Förderung nicht leisten zu können. Im September 2020 beschloss der Stadtrat mehrheitlich den Bau des Natur-Solefreibads.

Im Zuge der im Frühjahr 2021 durchgeführten Ausschreibung rechnete die Stadt bereits mit Kosten von 2,2 Mio. Euro. Bis zur Fertigstellung im Frühjahr 2023 stiegen die Kosten dann allerdings auf 4,8 Mio. Euro. Und unter Berücksichtigung der Planungskosten sowie der zusätzlichen Ausgaben für die Herrichtung von Sanitäranlagen beläuft sich die Gesamtsumme für das Natur-Solefreibad am Ende sogar auf sechs Mio. Euro. Nur ein Teil der Mehrkosten konnte durch die Umwidmung von Fördergeldern im Rahmen der Landesgartenschau gedeckt werden, der Rest ging zulasten der ohnehin klammen Stadtkasse.

Wie ist der enorme Kostensprung zu erklären? Hierzu führt das Rechnungsprüfungsamt (RPA) des Landkreises in einer Sonderbetrachtung des Natur-Solefreibads aus, dass die Kosten aufgrund umfänglicher zusätzlicher und von der ursprünglichen Planung abweichender Leistungen gestiegen sind. So wurden im Anschluss an den Ratsbeschluss von 2020 u. a. noch eine Rutsche und ein Nebengebäude in das Gesamtprojekt integriert. Bei all diesen Änderungen scheint zwischenzeitlich auch die Stadtverwaltung den Überblick verloren zu haben, weshalb das RPA der Stadt eine mangelhafte Kostenübersicht bei der Baumaßnahme attestierte.

Auch im laufenden Betrieb schneidet das Natursole-Freibad deutlich schlechter ab als erwartet. Prognostizierten die im Jahr 2020 beschlossenen Planungen noch mindestens 40.000 Freibad-Besucher pro Jahr, kamen in den ersten beiden Saisons nach der Landesgartenschau insgesamt gerade einmal 20.000 zahlende Besucher. Damit erhöhte sich zwangsläufig das jährliche Defizit des Freibadbetriebs auf 200.000 Euro im Jahr – ungefähr das Doppelte von dem, was einst geplant war.

Foto: Nico Steinert

Alternative Investition

Mit dem Geld für den Ausbau als Natur-Solefreibad könnte die Stadt Bad Gandersheim ca. zwölf Jahre lang die Pflege der eigenen öffentlichen Grünflächen finanzieren.

Der Bund der Steuerzahler fordert

Landesgartenschauen sollten sich auf das beschränken, was sie eigentlich sind – nämlich Gartenschauen. Leider werden sie regelmäßig zur Realisierung teurer Prestigeprojekte genutzt, die mit einer Gartenschau nichts zu tun haben. Und sobald die letzten Blumen der Ausstellung verblüht sind, entpuppen sich diese Projekte aufgrund hoher Folgekosten häufig als langfristige Belastung für den kommunalen Haushalt.

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Autor des Artikels

Nico Steinert

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