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  • Hessen
  • Richtig skurril!
01.10.2026

Frankfurter Wachdienst-Treppenwitz wegen sieben Zentimetern

Schul-Treppengeländer nach mehr als 100 Jahren plötzlich nicht mehr hoch genug?

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Was ist passiert?

Frankfurt am Main (HE). Schon 1920 gingen die ersten Kinder in die Frankfurter Theobald-Ziegler-Schule. Damals wurden Treppengeländer mit einer Höhe von 103 Zentimetern eingebaut. Doch seit vielen Jahren legt die Muster-Schulbau-Richtlinie fest, dass die Geländer 110 Zentimeter hoch sein müssen. In der Theobald-Ziegler-Schule, einer Grundschule, ist die Differenz von sieben Zentimeter bei einer Sonderbaukontrolle des Amts für Bau und Immobilien aufgefallen. Zwar war in den vergangenen 100 Jahren nie etwas passiert, doch bei einem bekannten Mangel muss gehandelt werden, damit niemand haftbar wird.

Im Januar 2026 gab es aus anderen Gründen eine Kontrolle der Unfallkasse Hessen, die darauf hinwies, dass der bisherige Umgang mit dem Treppengeländer-Mangel – organisatorische Maßnahmen und Hinweise – nicht ausreichend sei und haftungsrechtliche Risiken bestünden, sofern keine durchgehende Aufsicht gewährleistet werden könne. Deswegen engagierte die Stadt Frankfurt übergangsweise für vier Wochen einen Sicherheitsdienst für die Überwachung der betroffenen Treppen. Zunächst waren vier, später zwei Sicherheitskräfte im Einsatz, was insgesamt rund 20.000 Euro kostete. Währenddessen begann der Aufbau eines Pressspanprovisoriums für 18.000 Euro, das zumindest bis Redaktionsschluss im Juli 2026 die zu niedrigen Treppengeländer erhöhte. Für eine dauerhafte Lösung befand sich die Stadt noch in Abstimmung mit dem Denkmalamt.

Diese Posse ist leider kein Einzelfall. Auch die 1905 erbaute und nach Kriegsschäden in den 1950er-Jahren wieder aufgebaute Frauenhofschule im Frankfurter Stadtteil Niederrad hat zu niedrige Geländer. Zwar ist in dieser Grundschule in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls nichts passiert, nach Bekanntwerden des Mangels gab es aber auch hier Handlungsbedarf.

Daher gab die Stadt nach eigenen Angaben unverzüglich ein Provisorium in Auftrag. Für die Übergangsphase setzten die Verantwortlichen aber erneut auf einen Sicherheitsdienst. Dieser überwachte die Treppen im Frühjahr 2026 für rund drei Wochen. Täglich waren acht bis 14 Sicherheitsleute im Einsatz. Das kostete insgesamt etwa 28.000 Euro und wurde von der Stadt Frankfurt bezahlt. Kosten konnten dadurch gespart werden, dass in den Osterferien Teile der Treppe nicht gebraucht wurden und deshalb einfach gesperrt werden konnten. Gegen Ende der Ferien wurden dann über vier Etagen Netze gespannt, die dafür sorgen, dass niemand über das Geländer fallen kann. Auch das soll wie das Pressspanprovisorium erst einmal nur eine Übergangslösung sein. Wie das Treppengeländer künftig aussehen soll, konnte die Stadt Frankfurt auf BdSt-Anfrage noch nicht sagen.

Der ganze Treppengeländer-Irrsinn ging natürlich auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Das Geld hätten die betroffenen Grundschulen mit Sicherheit auch für andere Instandhaltungsmaßnahmen oder Unterrichtsmaterialien gut gebrauchen können. Ungewöhnlich seien solche Vorfälle laut Stadt allerdings nicht. Es passiere immer wieder, dass neue technische Richtlinien dafür sorgen, dass in alten Gebäuden nachgebessert werden muss. Vor allem bei Grundschulen habe dann eine schnelle Behebung Priorität. 

Foto: Moritz Venner

Alternative Investition

Andere wichtige Instandhaltungsmaßnahmen oder Materialien zur Unterrichtsverbesserung.

Der Bund der Steuerzahler meint

Deutschland macht in diesem Fall seinem Ruf als Normungsweltmeister wieder alle Ehre. Ein Treppengeländer nach mehr als 100 Jahren wegen fehlender sieben Zentimeter aufwendig schützen zu lassen, erscheint grotesk. Doch aus Haftungsgründen mussten Schule und Stadt Maßnahmen ergreifen. Fraglich bleibt, ob ein Sicherheitsdienst als Übergangslösung wirklich die günstigste Variante war. Weniger enge Vorschriften könnten hier möglicherweise helfen, Kosten einzusparen.

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Autor des Artikels

Portrait Christina Lehr, Redaktion Bund der Steuerzahler Hessen

Christina Lehr

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