
Frankenwaldbrücken - ein teures Prestigeprojekt?
Die Kosten für die „Frankenwaldbrücken“ haben sich schon in der Planungsphase erhöht
Was ist passiert?
Hof (BY). Der Landkreis Hof plant zur Ankurbelung des Tourismus im Naturpark Frankenwald den Bau einer rund 1.000 Meter langen Fußgänger-Seilhängebrücke über das landschaftlich reizvolle Höllental und den Fluss Selbitz sowie eine weitere ca. 400 Meter lange Hängebrücke über das parallel dazu gelegene Lohbachtal. Vorgesehen sind Stahlkonstruktionen mit Geländern aus Edelstahlnetzen. Die beiden Brücken sollen in rund 185 Metern Höhe den Besuchern attraktive Aussichtsmöglichkeiten bieten. Sie sind aber auch nicht unumstritten. Vor Ort stößt das Großprojekt auf geteiltes Echo: „Ein touristisches Highlight und Wirtschaftsmotor für die Region“ meinen die einen, „enorme Kosten und ein untragbarer Eingriff in die Natur mit negativen Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt“ kritisieren die anderen.
Am 24.7.2024 hat nach Mitteilung des Landkreises Hof „der Planungsverband Frankenwaldbrücke den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Frankenwaldbrücke“ als Satzung beschlossen. Der Bebauungsplan ist mit der am 20.12.2024 erfolgten ortsüblichen Bekanntmachung in Kraft getreten. […] In seiner Sitzung am 29.11.2024 hat sich der Kreistag des Landkreises Hof mehrheitlich für die Fortführung des Projekts ausgesprochen. Die nächsten Planungsschritte können daher beauftragt und die Bauantragsstellung vorbereitet werden“.
Das Mammutprojekt wird deutlich teurer als zunächst geplant. Im Jahr 2017 ging man von Kosten in Höhe von rund 12 Mio. Euro aus. 2019 war man im Rahmen der Vorplanung bei Kosten in Höhe von mindestens 22,44 Mio. Euro für die Hängebrücken angelangt. Ursächlich für die Kostenexplosion waren in erster Linie Konkretisierungen der Pläne in naturschutzfachlicher und denkmalschutzrechtlicher Hinsicht, um den Bau der Brücken möglichst schonend für Flora und Fauna auszugestalten. Zum einen wurde durch eine Verlegung des ursprünglich vorgesehenen Ausgangspunkts für die längere der beiden Brücken, die Höllentalbrücke, erreicht, dass der Brückenkopf außerhalb des FFH- und Naturschutzgebietes liegt. Dadurch wird die Brücke aber 1.030 Meter lang sein, anstatt der zunächst beabsichtigten 720 Meter. „Darüber hinaus wurde durch technische Veränderungen sichergestellt, dass die Seilabspannungen minimiert werden konnten. Dies erfolgte, um eine Gefährdung für Vogelarten zu minimieren bzw. auszuschließen. Im Ergebnis konnte durch diese Maßnahmen erreicht werden, dass der Bau der Brücke mit dem Naturschutzrecht vereinbar ist, insbesondere entspricht der Bau der Brücken den artenschutzrechtlichen Anforderungen. Auch an der kleineren der beiden Brücken, der Lohbachtalbrücke, wurden im Rahmen der Planungen Veränderungen vorgenommen. Diese stellen sicher, dass die Burgruine, die Endpunkt der Lohbachtalbrücke ist, weitestgehend geschont wird. […] Die Brückenendpunkte sind nun auf einem niedrigeren Plateau und am Rande der Ruine gelegen. Dadurch konnte erreicht werden, dass das Mastfundament ebenfalls außerhalb der Ruine liegt und die Abspannungen von Tragseil und Unterspannungen sowie die Verankerungen die Ruine nicht berühren und weitestgehend untergehen […]“, so der Landrat des Landkreises Hof.
Nach Konkretisierung der Kostenberechnung war man im Dezember 2022 bei Kosten von insgesamt 40,89 Mio. Euro für die beiden Brücken angelangt. Starke Preissteigerungen im Bausektor sowie massive Preiserhöhungen bei Stahl sind dafür verantwortlich. „Im Hinblick auf die Kostensituation der eigentlichen Brücken sollen im Rahmen der anschließenden Ausführungsplanung Einsparpotenziale untersucht werden […]“, teilte der Landrat des Landkreises Hof dem Bund der Steuerzahler mit. Anfang 2025 aktualisierten sich die Kosten für das Großprojekt auf 42,1 Mio. Euro „unter Einbeziehung aktueller Marktpreise und angefallener bzw. voraussichtlicher Planungskosten“. Der Landkreis Hof geht von 70 Prozent staatlicher Bezuschussung bei den förderfähigen Kosten aus. Das Geld hierfür kommt aus dem sogenannten RÖFE-Topf (Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen des Freistaats Bayern). Doch auch Fördergelder sind Steuergelder!
Mit dem Bau der Hängebrücken wird nach Erteilung der Baugenehmigung wohl im Jahr 2027 begonnen werden. Für die Bauphase rechnet man mit zwei Jahren, sodass im Jahr 2029 die Brücken ihrer Bestimmung übergeben werden könnten. Da der Bund Naturschutz ein Normenkontrollverfahren gegen den Bebauungsplan der Frankenwaldbrücken vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof München angestrengt hat, bleibt abzuwarten, ob es bei dieser zeitlichen Planung bleibt.
Foto: Maria Ritch / Michael Stocker
Der Bund der Steuerzahler meint
Zu hoffen bleibt, dass der Landkreis Hof ein nicht zu großes finanzielles Abenteuer mit dem Mega-Brückenprojekt eingehen wird. Im Interesse der Steuerzahler werden die kostenintensiven Hängebrücken hoffentlich einmal viele Touristen anlocken.
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Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
In Zeiten, wo um Mittel für Bildung, Infrastruktur, Klimaschutzmassnahmen, Grundabsicherung kranker und bedürftiger Menschen und mehr Unabhängigkeit auf dem Wirtschafts-und dem Verteidigungssektor gerungen wird,
ist es geradezu unanständig und ignorant,
ein solches Projekt weiter zu planen.
Das Frankenwald-Höllental mit seinem
viele Jahrzehnte alten Naturschutzgebiet ist ein Paradebeispiel dafür, wie man durch ,,einfach mal in Ruhe lassen" gänzlich kostenlos einen Zugewinn für Mensch und Natur bekommen hat:
Erhalt seltener Tier-und Pflanzenarten,
wertvolle Ruhe- und Wanderbereiche gerade auch für reizüberflutete Menschen, sowie wettbewerbsbefreite körperliche Aktivität für Familien in gesunder Luft, mit ganz nebenbei sich einstellender Andacht und Achtsamkeit für die Natur im Angesicht kathedralenartig sich offenbarender einmaliger Schöpfung, die uns einfach so geschenkt wurde...
All das mit einer geologisch bereits vorhandenen-also auch kostenlosen-Beschränkung der Begehbarkeit, so dass es nicht zu einer
übermäßigen Belastung kommt.
So etwas übertrumpfen zu wollen, ist wie die Geschichte mit dem Goldenen Kalb:
Völlig unnötig, verschwenderisch auf künstliche Selbsterhöhung ausgerichtet, in Ignoranz der gegebenen Naturwunder.
Zur Erinnerung: Woanders verlegt man komplette Autobahnen mit immensem Begleit-Aufwand, um ähnlich beruhigte Gebiete wieder herzustellen!
Das erinnert sehr an die teuren Flurbereinigungen und Moortrockenlegungen früherer Zeiten, die jetzt wiederum mit grossem Aufwand rückgängig gemacht werden müssen, um Umweltschäden zu mildern.
Jetzt noch solche Brücken bauen zu wollen, ist
aus der Zeit gefallen, unnötig, masslos
und leider ein Anzeichen für uneinsichtiges Prestigedenken auf Kosten wesentlich wichtigerer Bedürfnisse nach heutigem Wissensstand.
Ich bin 60 Jahre alt, lebe hier und kenne das Höllental seit meiner frühen Kindheit, als unsere Eltern mit uns Kindern dort den Naturlehrpfad begingen. Jede eingefügte Stahltreppe, Pfaderweiterung, Planierung oder sonstige Touristikerleichterung ist bereits eine überflüssige Ausgabe und Beeinträchtigung des Naturschutzzweckes.
Ich bin trotz woanders bedeutend besserer beruflicher Möglichkeiten nach dem Studium hierher zurückgekommen,
v.a. weil es hier dieses einmalige Naturerlebnis des Frankenwaldes mit seinem unzerstörten Höllental zum Erwandern gab.
Als mein Vater nach dem II.Weltkrieg meine Mutter geheiratet hatte, beruflich im Ausland tätig war und seine Eltern zu Besuch kommen wollten, schärfte er meiner Mutter ein, sie auf jeden Fall ins Höllental zu führen, eins der kostbarsten Erlebnisse, das er sich dafür vorstellen konnte...
Ich hoffe sehr, dass man sich auf höherer Ebene noch besinnt, und auf die Brücken verzichtet-das wäre ein Zeichen von Größe.
Mit freundlichem Gruß!
Theresa Mueller
Gegen Steuerverschwendung und Enteignung. Mind. 28 Mio € für zwei unnötig große Brücke.
Typiisch ,eine Frechheit ,mit anderleute Geld braucht man nicht so genau auf
auf die Erhöhungen achten, Typisch Politiker,alle gleich !!!!