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29.10.2019

Fass ohne Boden: Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs

Steigende Baupreise werden für eine weitere Verteuerung des Mammutprojekts sorgen

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Was ist passiert?

Augsburg. Die Stadt Augsburg plant unter anderem einen neuen Straßenbahntunnel unter den Bahngleisen im zweiten Untergeschoss des Hauptbahnhofs. Dabei wird auch eine Verbindung zum neuen Westzugang des Hauptbahnhofs für Straßenbahn und Fußgänger geschaffen. Ziel der Untertunnelung ist es, dass Straßenbahnen künftig unterhalb der Bahngleise verkehren, um so eine direkte Verbindung zwischen Bahn- und Tramverkehr zu schaffen. Zudem werden Aufzüge und Rolltreppen installiert, um für Reisende den Weg zu Trambahn und Zug bequemer zu gestalten. Für Fahrgäste wird es also kürzere Wege geben. Das Tunnelbauwerk wird eine Länge von 220 m und eine Breite von 16 m aufweisen. Die Kosten für dieses ehrgeizige Projekt sind aber davongelaufen, ebenso lässt der Fertigstellungstermin auf sich warten.

2006 ist man noch von Kosten in Höhe von rund 70 Mio. Euro für den Tramtunnel ausgegangen. 2008 war man schon bei Kosten von 94,5 Mio. Euro angelangt. 2015 sind die geschätzten Bau- und Planungskosten auf 143 Mio. Euro gestiegen, plus 5 Mio. Euro für Unvorhergesehenes, plus 12 Mio. Euro Ablöse an die Deutsche Bahn AG, plus 21 Mio. Euro für Projektmanagement durch die Stadtwerke Augsburg – somit: 181 Mio. Euro.

Laut einer aktuellsten Kostenprognose belaufen sich nach Mitteilung der Stadtwerke Augsburg Projektgesellschaft mbH die Planungs- und Baukosten für den Bahnhofsumbau mit komplizierter Untertunnelung des Bahnhofsgebäudes auf 210 Mio. Euro. Darin enthalten ist ein Planungskostenanteil von ca. 36 Mio. Euro. Steigende Baupreise werden für eine weitere Verteuerung des Mammutprojekts sorgen, sodass laut Hochrechnungen von Kosten in Höhe von 230 bis 250 Mio. Euro bis 2023 auszugehen sein dürfte.

„Sowohl die Deutsche Bahn AG als auch die Stadt Augsburg sind mit entsprechenden Millionenbeträgen an der Realisierung zur Barrierefreiheit des Augsburger Hauptbahnhofs beteiligt. Das DB Tochterunternehmen DB Station & Service steuert einen Betrag in Höhe von mindestens 25 Mio. Euro in Form eines Fiktiventwurfes bei, die Stadt Augsburg finanziert einen Teil des westlichen Zugangstunnels und die Bestückung der Bahnsteigaufgänge mit Rolltreppen in Höhe von ca. 7,5 Mio. Euro. Außerdem entstehen bei diesem Projekt Kosten für Projektmanagement, externe Projektsteuerung und Ablöse an die DB AG, die nicht den Investitionskosten zugeordnet werden können.

Die Kosten für Projektmanagement (interne Personalkosten Projektteam Stadtwerke) – und externe Projektsteuerungskosten (externe Ing. Büros), die von den Stadtwerken Augsburg zu tragen sind, werden sich bis zum Ende des Projektes voraussichtlich auf 26 Mio. Euro aufsummieren. Die Ablösekosten an die DB AG für Unterhalt und Erneuerung der Anlage nach Ablauf der theoretischen Nutzungsdauer wurden bislang mit 12 Mio. Euro abgeschätzt“ – so die Mitteilung der Stadtwerke Augsburg Projektgesellschaft mbH.

Auch wenn der Bahnhofstunnel zum überwiegenden Teil (83 Prozent) aus staatlichen Mitteln durch Bund und Land finanziert wird, bedeutet dies wenig Trost für die Steuerzahler. Denn gleich, aus welchem Topf die Finanzierungsmittel fließen, handelt es sich dabei stets um das Geld der Steuerzahler. Diese werden in jedem Falle die gewaltige Kostensteigerung zu schultern haben.

Doch nicht nur die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. Auch die Fertigstellung des Tramtunnels mit unterirdischer Haltestelle zögert sich hinaus. Zunächst sollte der Tunnel im Jahr 2016 fertig sein, dann sollte es 2019 soweit sein. Es werden aber wohl noch einige Jahre vergehen müssen, bis der Tramtunnel im nunmehr anvisierten Jahr 2023 fertig sein wird, was sich wiederum kostenträchtig auswirken wird.

Auch wenn es sich nach Auffassung der Stadtwerke Augsburg Projektgesellschaft mbH bei dem Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs um „ein extrem lang laufendes Projekt (erste Planungsverträge wurden bereits 2004 geschlossen) und somit einen langen Einwirkprozess von Planänderungswünschen, Änderungen in der Normen und Vorschriftenlage, Lohnentwicklungen und nicht zuletzt preisbildenden Marktentwicklungen“ handelt, „die nach letztendlich 20 Jahren Projektlaufzeit auch finanziell in der einen oder anderen Art durchschlagen“, lässt dies nicht über die immense Kostenexplosion über einen zugegebenermaßen langen Zeitraum hinwegtäuschen.

(Foto: Maria Ritch / Michael Stocker)

Der Bund der Steuerzahler meint

Im Schwarzbuch 2009 – als die Kosten für dieses Projekt von 70 auf 94,5 Mio. Euro gestiegen waren – hatte der Bund der Steuerzahler befürchtet, dass „zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Projekts weit über 100 Mio. Euro im Tunnel verschwunden sein werden“. Im Schwarzbuch 2015 – als die Kosten für das Mammutprojekt von 94,5 Mio. Euro auf 181 Mio. Euro explodiert waren – hatte der Bund der Steuerzahler prognostiziert, dass „das ehrgeizige und kostenträchtige Augsburger Tunnelprojekt zu einem ‚Augsburg 22‘ ausarten und am Ende die Steuerzahler mit rund 300 Mio. Euro belasten wird“. Aufgrund der aktuellen Kostenentwicklung im Jahr 2019 nähert man sich unserer seinerzeitigen Prognose. Bleibt zu hoffen, dass am Ende im Jahr 2023 die 300-Millionen-Euro-Marke nicht noch weiter überschritten wird. Auf welch ein finanzielles Abenteuer hat man sich da eingelassen?!

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Maria Ritch

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