
Fass ohne Boden: Sanierung des Augsburger Staatstheaters
Zu einem Dauerthema im Schwarzbuch wird die kostenintensive Generalsanierung des Augsburger Staatstheaters
Was ist passiert?
Augsburg (BY). Zu einem Dauerbrenner in den Schwarzbüchern des Bundes der Steuerzahler wird die kostspielige Sanierung des denkmalgeschützten Augsburger Staatstheaters. Die Generalsanierung des Theaters ist nicht nur politisch ein umstrittenes Großprojekt, sondern auch ein Kraftakt, sowohl in bautechnischer wie auch in finanzieller Hinsicht. Sie verteuert sich erneut. Rund 417 Mio. Euro kostet die Theatersanierung nach aktuellem Stand bei Redaktionsschluss des Schwarzbuchs – weit mehr als doppelt so teuer, als im Jahr 2016 mit Kosten von rund 186 Mio. Euro veranschlagt wurde. Seitdem stiegen die Kosten in mehreren Sprüngen zunächst auf bis zu 321 Mio. Euro, dann auf 340 Mio. Euro bis aktuell auf 417 Mio. Euro.
Eine Kostensteigerung von rund 125 Prozent muss den Augsburgern erst mal einer nachmachen. Die erneute Kostenexplosion wird vorwiegend mit Lieferengpässen, gestiegenen Baupreisen und bauseitigen Erschwernissen begründet. Folge: Weitere Schulden müssen aufgenommen werden. Bei einer derartigen Kostenexplosion wäre jeder private Bauherr schon längst pleite. Hat man etwa die Komplexität dieses Mammutprojekts unterschätzt?
Noch während der laufenden Arbeiten an der Großbaustelle hat die Stadt Augsburg im August 2024 fristlos – mit sofortiger Wirkung – im Zuge einer dringlichen Anordnung, d. h. ohne den Stadtrat vorab zu informieren, dem Architekturbüro, das die Sanierung des Theaterkomplexes koordinierte, gekündigt, und zwar bzgl. des Bauteils II, also des Neubaus des „Kleinen Hauses“.
Trotz des öffentlichen Interesses schwieg die Stadt Augsburg zunächst. Zu den konkreten Kündigungsgründen versteckte man sich hinter dem Datenschutz. Hintergrund des Streits war dem Vernehmen nach eine fünfstellige Honorarforderung des Architekten, dem offenbar wegen der insolvenzbedingten Neubesetzung eines Fachplaners Mehrarbeit entstanden sein soll. Auch sei in diesem Zusammenhang von einem drohenden Planungsstillstand die Rede gewesen. Da das betroffene Architekturbüro die fristlose Kündigung nicht akzeptiert hat, spitzte sich die Lage zu. Ein so komplexes Bauprojekt wie die Generalsanierung des Augsburger Staatstheaters kann nur funktionieren, wenn zwischen der Stadt Augsburg und dem Architekturbüro Vertrauen besteht. Dieses ist aber spätestens seit der fristlosen Kündigung betreffend den Bauteil II – Erweiterungsneubau – zerstört. Beide Parteien arbeiteten zunächst zwar an einer einvernehmlichen und konstruktiven Lösung, die jedoch scheiterte. Eine komplette Trennung zwischen der Stadt Augsburg und dem Architekturbüro ließ daher nicht lange auf sich warten. Die Stadt Augsburg hat dem beauftragten Theaterarchitekten im April 2025 schließlich auch für den anderen Projektteil, Sanierung des historischen Theatergebäudes „Großes Haus“, die fristlose Kündigung ausgesprochen. Auf unschöne Art und Weise mussten daraufhin Mitarbeiter der Bauleitung die Baustelle verlassen. Ob sich die Stadt Augsburg und das Architekturbüro doch noch außergerichtlich einigen werden oder ob am Ende Gerichte über die Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigungen urteilen, wird man sehen. Die Leidtragenden werden in jedem Fall die Steuerzahler sein, die die gewaltige Kostensteigerung schultern müssen.
Dabei bedarf es keiner großen Fantasie, dass die dadurch notwendige EU-weite Neuausschreibung von Planungsleistungen und Bauleitung für das Mammutprojekt zu einer weiteren kostenträchtigen Bauverzögerung führen wird. Den Planerwechsel gibt es mit Sicherheit nicht zum Nulltarif.
Nach Einschätzung des Bundes der Steuerzahler steht zu befürchten, dass trotz Einsparungen, etwa durch eine abgespeckte Unterkellerung beim Erweiterungsneubau, die Gesamtkosten für das Großprojekt auf über 600 Mio. Euro steigen werden, wozu auch Inflation, Lieferengpässe, Baupreiserhöhungen und steigende Kreditzinsen ihren Teil beitragen werden.
Auch wenn die Sanierung des Augsburger Staatstheaters in Höhe von rund 50 Prozent aus staatlichen Mitteln bezuschusst wird, bedeutet das wenig Trost für die Steuerzahler. Auch Fördergelder sind Steuergelder!
Das Großprojekt ist aber nicht nur bei den Kosten, sondern auch beim Zeitplan aus dem Ruder gelaufen. So verzögert sich die Wiedereröffnung des Staatstheaters von Jahr zu Jahr. Aktuell geht man davon aus, dass das ehrgeizige Projekt im Jahr 2030 fertiggestellt sein wird. Erste Aufführungen werden aber voraussichtlich erst Ende 2031 über die Bühne gehen. Ein Drama, bei dem es den Augsburger Steuerzahlern schwindlig wird!
Foto: Maria Ritch / Michael Stocker
Der Bund der Steuerzahler meint
Auch wenn Augsburg im Vergleich zu anderen deutschen Städten mit der immensen Kostenexplosion nicht alleine dasteht, ist das nur ein schwacher Trost. Zu hoffen bleibt, dass am Ende nicht gar 600 Mio. Euro verspielt sein werden. Im wahrsten Sinne des Wortes: „Was für ein Theater!“
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