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29.10.2019

Farbänderung bei Straßenschildern kostet 3 Mio. Euro

Austausch von Straßenschildern – ein echter Luxus!

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Was ist passiert?

Sachsen-Anhalt. Am 1. Januar 2019 ist die bisherige B 6 zur A 36 hochgestuft worden. Mit dieser Statusänderung ist eine Umrüstung der Beschilderung für ca. 750 Schilderstandorte auf rund 100 km Länge verbunden. Statt gelber Schilder soll es nun bis Ende 2020 überall blaue Schilder geben.

Nach einer europaweiten Ausschreibung stehen seit kurzem auch die Kosten für jenen Schildertausch fest: Allein die Kosten für die Bauleistungen betragen 2,849 Mio. Euro. Diese werden vom Land vorfinanziert und vom Bund als Baulastträger erstattet. Hinzu kommen Planungskosten in Höhe von 200.000 Euro und damit zusammenhängende Verwaltungskosten. In den Kosten enthalten sind noch nicht einmal die notwendigen Anpassungen der Umfeldbeschilderungen, die im nachgeordneten Straßennetz bisher auf die B 6 hinweisen.  

Beantragt wurde die Heraufstufung der Bundesstraße zur Autobahn von der Landesregierung Sachsen-Anhalt bereits 2012. Auch der Harzer Tourismusverband und der Landkreis Harz hatten sich für die Umbenennung stark gemacht. Das Bundesverkehrsministerium stimmte dem Vorhaben schließlich im März 2017 zu. Befürworter erhoffen sich davon Imagegewinne und Standortvorteile. Für die Autofahrer ändert sich, abgesehen von den neuen Schildern, nichts. Faktisch handelt es sich damit nur um eine farbliche Änderung.

Aus Sicht der Steuerzahler sind die mit der Umwidmung verbundenen Hoffnungen und erwünschten Effekte aber als äußerst fragwürdig einzustufen: Niemand kommt durch die Umbenennung schneller in den Harz. Es gab auch bisher kein Tempolimit. Beim angeblichen Imagegewinn regiert das Prinzip Hoffnung – genauso wie für die gewünschten Effekte bei der Wirtschaft und beim Tourismus.

Die Argumentation der Befürworter wäre nur dann und grundsätzlich nachvollziehbar, wenn es sich um den Neubau einer Autobahn gehandelt hätte – dies ist jedoch nicht der Fall. Die B 6 wurde ja bereits zwischen 1997 und 2011 als vierspurige, das heißt autobahnähnliche, Bundesstraße errichtet. Insofern werden rund 3 Mio. Euro Steuergelder für erhoffte zusätzliche − und nicht messbare − Effekte ausgegeben.

In Sachen Autobahn-Umbenennung wollte übrigens auch das östliche Niedersachsen nicht nachstehen und setzte beim Bund durch, dass im weiteren Straßenverlauf die bisherige A 395 zwischen Vienenburg im Harz und Braunschweig zur A 36 hochgestuft wird. Allein für den Nummern-Tausch auf den vorhandenen Schildern fallen rund 1 Mio. Euro an.

Foto: BdSt Sachsen-Anhalt

Video zum Fall

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Alternative Investition

3 Mio. Euro hätten ausgereicht, um den Bau von rund 10 km Radwegen an Bundes- und Landesstraßen in Sachsen- Anhalt im Jahr 2018 zu finanzieren.  

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Schilderaustausch bedeutet in erster Linie eine irrwitzige Geldverschwendung. Positive Effekte werden kaum eintreten, zumal die autobahnähnliche Bundesstraße schon vor dem Schildertausch bestand. Der jetzt anstehende Schilderaustausch wäre auch nicht nötig gewesen, wäre die vierspurige Straße von Anfang an als Autobahn konzipiert worden. So muss mal wieder der Steuerzahler die Zeche zahlen.

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Autor des Artikels

Ralf Seibicke

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Bemerkungen :

  • user
    Huth, Winfried 29/10/2019 um 17:14

    "Farbwechsel bei Straßenschildern"


    Ich wundere mich nicht


    Ich würde gern wissen, wer diesen Unfug für die B 6 geplant hat und wer die Änderung veranlasste.


    Ich bin momentan einem anderen Vorgang auf der Spur, der die


    B 187n im Bereich Coswig, Griebo, Nordumfahrung Wittenberg bis zum Anschluss an die Trasse nach Mühlanger/Jessen/Holzdorf.



    Ich stelle das Material, was ich habe gegenwärtig zusammen und würde Ihnen das als Grundlage für Ihre Recherche zukommen lassen.



    Es wäre freundlich. wenn ich von Ihnen erfahren könnte, wer der Planer der B 6 war und wer die Änderung festgelegt hat.


    Ich vermute das sich die Landesstraßenbaubehörde LSBB), Sachsen-Anhalt dahinter verbergen könnte. Insbesondere LSBB-Ost in Dessau, LSBB -Süd in Halle, LSBB W in Halle, unter der Stabführung der Zentrale der LSBB in Magdeburg.


    Mit freundlichen Grüßen


    Winfried Huth, Dessauer Straße 88, 06886 Lutherstadt Wittenberg

  • user
    Gerhard Fenzl 29/10/2019 um 13:58

    "Für die Autofahrer ändert sich, abgesehen von den neuen Schildern, nichts.", heißt es im Artikel, und: "Es gab auch bisher kein Tempolimit". Trotzdem ist das ein Riesenunterschied für flotte Autofahrer. Auf der Bundesstraße durfte man bisher 100 km/h fahren (es sei denn, es wäre abweichend eine höhere Geschwindigkeit per Beschilderung zulässig gewesen), auf der Autobahn darf man jetzt beliebig schnell fahren (es sei denn, es gäbe Geschwindigkeitsbeschränkungen per Beschilderung).


    Auch der Satz: "Niemand kommt ... schneller in den Harz." stimmt so nicht.

    • user
      Jan 08/11/2019 um 13:40

      "Auf autobahnähnlichen Bundesstraßen (mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Fahrtrichtung oder wenn die Richtungsfahrbahnen baulich getrennt sind) gilt in Deutschland lediglich eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h (eine „Gelbe Autobahn“)."


      - https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesstra%C3%9Fe