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01.10.2026

Fahrradverleihsystem in München – ein Draufzahlgeschäft

Stehen die Kosten für das Fahrradverleihsystem noch im Verhältnis zum Nutzen?

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Was ist passiert?

München (BY). Bereits vor ca. zehn Jahren hat man zur Verkehrsentlastung in der Landeshauptstadt München in Kooperation mit den Landkreisen München und Starnberg sowie der Gemeinde Poing im Landkreis Ebersberg als Pilotprojekt ein „MVG Rad-Stationsnetz“ mit rund 320 Radstationen etabliert. Davon befanden sich mehr als 190 Stationen außerhalb des Münchner Stadtgebiets. Dabei war das „free-floating-System“, bei dem die Mieträder nicht an einer festen Station zurückgegeben werden müssen, sondern überall frei abgestellt werden können, nicht im gesamten Nutzungsgebiet möglich. Nach Mitteilung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München hat „die primäre Ausrichtung an festen Stationen ordnenden Charakter und stellt sicher, dass moderne multimodale Mobilität in Form der unterschiedlichsten Angebote auch die Belange von Fußgängerinnen und mobilitätseingeschränkten Personen berücksichtigt. Die Stationen bieten den Nutzerinnen verlässliche Anlaufstellen, an denen Räder im Normalfall verfügbar sind; zu etwa 95 Prozent sind sie zudem gezielt im unmittelbaren Umgriff der Haltestellen des ÖPNV gelegen […] Hinzu kommt, dass ein „free-floating System“, wie es in Teilen des Münchner Stadtgebiets sowie am Campus in Garching verwirklicht ist, mit einem erheblichen Mehraufwand für das die Räder einsammelnde und verteilende Serviceteam verbunden ist und damit zu einer signifikanten Kostensteigerung führt“. Das öffentliche Mietradsystem „MVG Rad“ wurde von der Stadtwerke München GmbH (SWM), einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Stadt München, und der Münchner Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) betrieben. Um die Wiedererkennbarkeit als Mietradsystem zu gewährleisten, wurde auch ein eigenes „MVG Rad“-Design gestaltet.

Da die MVG-Radstationen wegen des erforderlichen Baubedarfs aufwendig und kostenintensiv waren, hatten sich das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München und die MVG im Laufe der Zeit darauf verständigt, eine Umsetzung von „reduzierten“ MVG-Radstationen zu verfolgen. Nach Mitteilung des Münchner Oberbürgermeisters konnten durch die Errichtung von „Stationen Light“ mit Abstellflächen – statt komplexer Ständermodule – „Investitionskosten gesenkt und die Flexibilität erhöht“ werden. Man erwartete sich von diesem Projekt eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs. Dabei hat man tief in die Tasche gegriffen: Rund sieben Mio. Euro hat die Landeshauptstadt München nach Mitteilung ihres Oberbürgermeisters im Zeitraum von 2014 bis 2020 für Investitionen (Räder, Stationen inkl. Marketing und vorbereitende Studien) ausgegeben. Das Mietradsystem innerhalb der Landeshauptstadt München wurde nicht aus staatlichen Mitteln bezuschusst.

Außerhalb des Stadtgebiets wurde das Projekt nach Mitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit „im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) mit rund 3,1 Mio. Euro gefördert. Es beinhaltet den Aufbau und die Installation von 162 Verleihstationen sowie die Anschaffung von 1.150 Leihrädern, die einen Anschluss an das bestehende Verleihsystem (MVG Rad) der Stadt München sicherstellen sollen. Das Projekt hat eine Laufzeit vom 1. September 2017 bis 31. Oktober 2019“. Die Nutzungsgebühren reichten allerdings nicht aus, um die Betriebskosten zu decken. Das daraus entstandene jährliche Betriebskostendefizit in mutmaßlicher Millionenhöhe musste von der SWM getragen werden.

Im Landkreis München fielen für das Mietradsystem im Zeitraum von 2018 bis 2021 rund 3,9 Mio. Euro an Investitionskosten an, davon Fördermittel in Höhe von 2,4 Mio. Euro. Auch der Landkreis München sowie die dort am Mietradsystem beteiligten Kommunen hatten im Zeitraum von 2018 bis 2024 ein Betriebskostendefizit in Höhe von insgesamt 4,9 Mio. Euro anteilig zu je 50 Prozent zu tragen.

Die Investitionskosten der im Landkreis Starnberg eingeführten Mietradstationen lagen nach Mitteilung des Landrats bei rund 114.000 Euro, wobei keine staatlichen Zuschüsse in Anspruch genommen wurden.

Zur Frage nach dem „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ des Projekts ließ der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München den Bund der Steuerzahler u. a. wissen, dass „das MVG Rad als Mikromobilitätsangebot für uns eine Aufgabe der Daseinsvorsorge ist und zudem ein wesentlicher Baustein zur Erreichung mannigfaltiger Ziele bei der Umsetzung der Verkehrswende, dem Lärmschutz, der Emissionsreduktion, der Gesundheitsförderung und dem Mobilitätsmanagement“.

Der Landkreis München verteidigte das Mietradsystem als „Baustein eines bedarfsgerechten öffentlichen Mobilitätsangebots“, das v. a. dazu dienen sollte, „auch die sogenannte letzte Meile klimafreundlich und gleichzeitig schnell zurücklegen zu können“.

Auch im Landkreis Starnberg wird das Mietradsystem als „Teil der Daseinsvorsorge einer flexiblen, umweltfreundlichen und niederschwelligen Mobilitätsform“ gesehen. Es „leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Mobilität und stellt eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr dar“.

Zu guter Letzt hat auch die Gemeinde Poing im Landkreis Ebersberg drei MVG-Radstationen errichtet. Die hierfür angefallenen Investitionskosten beliefen sich auf rund 70.000 Euro, die vollständig durch die Gemeinde Poing finanziert wurden. „Da die Nutzung des Systems deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, entstand über die gesamte Betriebszeit von Dezember 2021 bis Oktober 2025 ein Defizit, das vollständig von der Gemeinde getragen wurde. […] Die Einnahmen konnten die laufenden Kosten nicht decken. […] Rückblickend fällt das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Gemeinde Poing negativ aus. Mit durchschnittlich 405 Ausleihen pro Jahr blieb die Nutzung sehr gering und stand in keinem angemessenen Verhältnis zu den erforderlichen Investitions- und Betriebskosten“, ließ der Erste Bürgermeister der Gemeinde Poing den Bund der Steuerzahler wissen.

Letztlich endete, aus welchen Gründen auch immer, die Zeit der markanten silber-blauen Mieträder. Nach zehn Jahren hat man einen Schlussstrich gezogen. Das „MVG-Rad-System“ endete zum 30.9.2025. Die Radstationen wurden zurückgebaut und verschwanden aus dem Stadtbild. Eine abschließende Evaluation des Mietradprojekts soll erfolgen.

Trotzdem gibt man sich nicht geschlagen. Auch im Jahr 2026 können Pendler und Bürger in München und in der Region auf ein flächendeckendes Fahrradverleih-Angebot zurückgreifen. Rund 6.800 Leihräder sollen an etwa 1.000 Stationen im gesamten MVV-Verbundraum zur Verfügung stehen. Den Zuschlag hierfür erhielt erneut ein privates Wirtschaftsunternehmen. Das neue Bikesharing-System „MyRadl“ wird nahtlos in das bestehende ÖPNV-Netz integriert. Die Räder können an einer beliebigen Station ausgeliehen und an einer anderen – auch in einer anderen Kommune oder in einem anderen Landkreis – wieder abgegeben werden.

Foto: Maria Ritch / Michael Stocker

Der Bund der Steuerzahler meint

Auch wenn der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München versicherte, dass „die wirtschaftlichen Auswirkungen der städtischen Projekte stets im Auge behalten“ werden, bleibt dennoch zu hoffen, dass „MyRadl“ kein Flop wird.

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Autor des Artikels

Maria Ritch

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