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29.10.2019

Experiment Begegnungszone wird bereits nach drei Monaten beendet

Begegnungszone nach Monaten durch Ampel ersetzt

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Was ist passiert?

Flensburg. In Flensburg kreuzt die viel befahrene Rathausstraße die Haupteinkaufsmeile Große Straße/Holm, eine Fußgängerzone. An der Ampel mussten abwechselnd Autos und Fußgänger längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Im Rahmen eines Mobilitätskonzepts empfahlen Gutachter eine sogenannte Begegnungszone: Ohne Verkehrsregeln sollten sich Autofahrer und Fußgänger mit gegenseitigem Respekt auf Augenhöhe begegnen und untereinander über die Vorfahrt einigen. Um den Bereich der Begegnungszone optisch zu kennzeichnen, wurden blaue und rote Punkte auf die Kreuzung gemalt. Tatsächlich: Der Verkehr wurde flüssiger.

Viele − vor allem auswärtige − Verkehrsteilnehmer waren jedoch sehr verunsichert wegen der fehlenden Vorfahrtsregelungen. Eine offizielle Beschilderung einer Begegnungszone gibt es in der Straßenverkehrsordnung nämlich nicht. Der Grundsatz, dass derjenige schuld ist, der es an Rücksicht fehlen lässt, reichte vor allem mit Blick auf Kinder und Menschen mit Behinderungen nicht aus. Auch die Polizei zeigte sich unzufrieden mit dem Versuch.

Deshalb beschloss der Planungsausschuss der Stadt Flensburg, die Begegnungszone aufzulösen und wieder die alte Ampelanlage in Betrieb zu nehmen. Kosten für den fehlgeschlagenen Versuch: 8.400 Euro.

Foto: Stadt Flensburg

Der Bund der Steuerzahler meint

Schon vor dem Versuch war bekannt, dass die Menschen in belebten Fußgängerzonen sicher vor dem Autoverkehr sein wollen. Die mangelnde Akzeptanz der Begegnungszone kann daher niemanden überraschen.

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Autor des Artikels

Rainer Kersten

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Bemerkungen :

  • user
    Martin Jahn 08/11/2019 um 21:54

    An dem Beitrag sind gleich mehrere Dinge falsch:


    1) In einer Begegnunszone gelten mitnichten "keine Verkehrsregeln", sondern v. a. die wichtigste: gegenseitige Rücksichtnahme nach §1 der StVO! Die sollten alle Autofahrer in der ersten Fahrstunden beigebracht bekommen haben. Die "vor allem auswärtige[n] Verkehrsteilnehmer" waren wahrscheinlich deshalb so verunsichert, weil ihnen diese Regel nicht mehr bekannt war. Schließlich ist dem Autoverkehr überall sonst i. d. R. durch entsprechende Regelungen Vorfahrt eingeräumt.


    2) "Auch die Polizei zeigte sich unzufrieden mit dem Versuch." stimmt nicht! Alle von der Stadtverwaltung befragten Institutionen waren mit der Begegnunszone zufrieden, auch die Polizei. Diese registrierte im dreimonatigen Zeitraum keine Vorfälle.


    3) Der Zeitraum war von vornherein als temporärer Versuch angelegt. Eine Beendigung war also erstmal nicht überraschend. (Eher schon die Entscheidung, die Begegnunszone anschließend mit baulichen Maßnahmen permanent einzurichten.) Grundsätzlich kann ein Versuch eben auch schiefgehen, das ist schließlich auch ein Ergebnis (wenn auch vielleicht nicht das erwünschte). Hinterher ist man immer schlauer - vergeudetes Geld ist es daher meiner Meinung nach nicht. (Zumal 8.400 € verglichen mit anderen Ausgaben einer Stadt wie Flensburg nun wirklich kaum ins Gewicht fallen.)


    4) "Schon vor dem Versuch war bekannt, dass die Menschen in belebten Fußgängerzonen sicher vor dem Autoverkehr sein wollen." Eben genau deshalb wollte man ja eine Zone schaffen, in der Autos nicht bei Grün vorbei rauschen!


    5) "Die mangelnde Akzeptanz [...] kann daher niemanden überraschen." Es gab keine mangelnde Akzeptanz bei allen befragten Akteuren - bei Polizei, Busgesellschaft, Rettungsdienst und auch der Passanten vor Ort! Die mangelnde Akzeptanz gab es nur beim (nicht repräsentativen) wütenden Facebook-Mob - nach dem sich leider wider besseren Wissens (s. o.) schlussendlich die entscheidenden Fraktionen im Ausschuss gerichtet haben und eine vernünftig gekennzeichnete Fortsetzung der Begegnunszone verhinderten.

  • user
    Stephan Eder 29/10/2019 um 22:32

    Die Kritik ist zu kurz gedacht,


    Das Ergebnis ist, daß die Fußgänger viel zu oft nachgegeben haben. Was deutlich zeigt, der Autoverkehr muss eingeschränkt werden. Hatte man sich natürlich auch ohne die Punkte denken können. So ist es aber, für Beobachter, belegbar geworden.