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20.03.2020

Eine Utopie wird baden gehen

Flussbad im Spreekanal ab 2035

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Was ist passiert?

Der Berliner Senat hat im Dezember 2019 das Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ beschlossen. In den Medien war in dem Zusammenhang hauptsächlich über die geplante Ufertreppe vor dem Humboldt-Forum berichtet worden. Schon allein dafür wollen der Bund und das Land Berlin knapp 6,5 Millionen Euro bereitstellen. Doch damit nicht genug.

Mega-Projekt Flussbad

Schließlich gehört zum Komplex auch das Mega-Projekt eines Flussbades mitten in der Stadt. Die Idee dafür gibt es bereits seit 20 Jahren. Zum Jahreswechsel ist nun erstmals eine Kostenschätzung für das gesamte Stadtumbauprojekt von rund 77 Mio. Euro aufgetaucht. Die Komplexität und die lange Laufzeit des Vorhabens lassen den Bund der Steuerzahler Schlimmes befürchten – und fragen: Nimmt das Projekt einen ähnlichen Verlauf wie die Staatsoper Unter den Linden? 

Deshalb haben wir uns das Mammut-Projekt Schritt für Schritt angeschaut: Der gesamte Bereich des 1,9 Kilometer langen Spreekanals in Berlins Mitte soll neugestaltet werden. Vom Zulauf im Osten auf Höhe des Märkischen Museums soll bis zur Gertraudenbrücke zunächst ein naturnaher Wasserlauf mit einer Auenlandschaft angelegt werden. Daran schließt sich dann entlang der Friedrichsgracht ein 300 Meter langer Abschnitt mit einem biologischen Filter an. In diesem soll das mit Fäkalien belastete Spreewasser auf Badewasserqualität gereinigt werden. Dafür müsste der Spreekanal über einen längeren Zeitraum trockengelegt werden. Zur Sicherung der bestehenden Böschungen sollen auf einer Länge von 300 Metern auf beiden Seiten neue Uferwände eingesetzt werden. Dann ist geplant, den Grund des Kanals auszubaggern und – über die ganze Breite von 18 Meter hinweg – zeinen halben Meter tief zu betonieren. Auf dieser Fläche soll dann ein sogenannter Düker aus Betonfertigteilen erreichtet werden, der im Kanal wie eine Art doppelter Boden funktioniert. Oben, auf dem Düker, wird schließlich der Bio-Wasserfilter aus Kies und Schilf aufgebracht.

Damit das Bauwerk bei Starkregen nicht wie ein Staudamm wirkt und sich die Fäkalienbrühe aus der überquellenden Mischwasserkanalisation nicht über den Filter ergießt, öffnen sich dann – eine Etage tiefer – Klappen je nach Bedarf und leiten das Spreewasser unter dem Filter durch. Bei schönem Wetter sind die Klappen des doppelten Bodes also geschlossen, sodass man in dem folgenden Kanalabschnitt auf einer Länge von über 800 Metern bis zum Bode-Museum in dem biogefilterten Abwasser schwimmen könnte.

Kritik am Projekt

Kritiker des Projekts bezweifeln indes die technische Wirksamkeit des Biofilters und stellen die Frage, warum die Mittel nicht besser für die Beseitigung der Fäkalienbelastung an ihrer Quelle eingesetzt werden. Bedenken werden auch unter Denkmalschutzgesichtspunkten geäußert. Denn die angrenzende Museumsinsel ist als UNESCO-Welterbestätte in seiner jetzigen Form ein einzigartiges kulturelles und städtebauliches Denkmalensemble.

Angst davor, mit dem Projekt noch selbst baden zu gehen, müssen die aktuell Verantwortlichen in Senat und Abgeordnetenhaus allerdings nicht haben. In der Abgeordnetenhausdrucksache wird von einem Umsetzungszeitraum von 15 Jahren ausgegangen. Bis die Berliner dann wirklich am Humboldt-Forum in die Fluten springen dürfen, könnte also noch einiges an Wasser die Spree herabgeflossen sein.

Foto: Alexander Kraus; Original: Flussbad Berlin e.V., realities:united

Projektdarstellung

Alternative Investition

Von den prognostizierten Gesamtkosten in Höhe von 77 Mio. Euro könnte fast die Hälfte des Sanierungsrückstaus bei den Berliner Bäderbetrieben von 170 Mio. Euro beseitigt werden.

Der Bund der Steuerzahler meint

Statt für diese Luxus-Utopie sollten die Mittel besser für ein konkretes Projekt verwendet werden – und zwar für die Beseitigung des Sanierungsrückstaus bei den Berliner Bäderbetrieben, der 2019 mit 170 Millionen Euro beziffert wurde. Dem Schul- und Vereinsschwimmen wäre so mehr gedient.

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Alexander Kraus

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  • user
    Heinz-Peter Reyer 01/04/2020 um 12:00
    Hier handelt es sich wahrscheinlich mal wieder um ein politisches Prestigeobjekt der lokalen Politiker. Dieses Projekt wird eine Never-Ending-Story geben. Die Kosten sind unüberschaubar und werden ein vielfaches der Schätzung übersteigen. Gerade diese Bio-Filteranlage mit der Klappenumstellung. Hier befürchte ich einen Kostengau der alles bisherige übertreffen wird. Eine grosse Unbekannte. Theoretisch nicht zu ende gedacht und in der Praxis das nächste Kostendebakel und die Befürchtung dass bei Fehlfunktion keiner dort baden geht. Deshalb bitte dafür sorgen, dass dieses Projekt besser baden geht.