
Eine Mio. Euro für 370 Meter Radweg
Der Umbau eines Radwegs sorgt für Kopfschütteln
Was ist passiert?
Kreis Böblingen (BW). Die „Aidlinger Kehle“ führte bislang ein eher ruhiges Dasein. Damit war es im Herbst 2025 plötzlich vorbei, denn da beschloss der Böblinger Kreistag nach vielen Diskussionen, den Radweg zwischen den Orten Aidlingen und Dagersheim an dieser Steigung umzubauen. So soll es für Radfahrer statt mit 17 Prozent Steigung fortan nur noch mit sieben Prozent bergauf gehen. Im Frühjahr 2026 rollten die Bagger an.
Für den neuen Radweg, der statt über eine Kuppe nun entlang der Straße führt, waren Einschnitte in die Böschung sowie deren Sicherung durch eine Spritzbetonschale und 300 Mikropfähle notwendig – Bauarbeiten auf lediglich rund 370 Metern! Teuer war es dennoch: Insgesamt eine Mio. Euro war für die Entschärfung der Steigung notwendig.
Dass diese Summe aus Sicht vieler Radfahrer in keinem Verhältnis steht, wurde in der Berichterstattung der Lokalzeitungen deutlich. So stellten die meisten befragten Radler klar, dass der massive Eingriff in die Böschung nicht nur aus umwelttechnischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf die erheblichen Kosten nicht nötig gewesen sei. Ein Großteil der Radfahrer sei mittlerweile mit dem E-Bike unterwegs. Und für nicht elektrisch unterstützte Radler würde das Schieben einer kurzen Wegstrecke bergauf kein großes Problem darstellen – so lautete der Tenor zahlreicher Radler vor Ort.
Den teuren Eingriff in die Landschaft hatte vorab auch der Böblinger Kreistag diskutiert. Weil für Fördergelder für den Radweg-Umbau das Vorhaben bis Ende 2025 ausgeschrieben werden musste und der Landkreis auf bereits gezahlten Planungskosten sitzen geblieben wäre, falls er das Projekt nicht umsetzt, stimmte der Kreistag der Baumaßnahme schließlich zu. Für den Löwenanteil der Umbau-Kosten von rund einer Mio. Euro kommen das Land Baden-Württemberg mit etwas mehr als 550.000 Euro und der Bund mit gut 412.000 Euro auf.
Foto: Daniel Bilaniuk
Der Bund der Steuerzahler meint
Dieser Radweg ist ein klassisches Beispiel für Fehlanreize durch Mischfinanzierungen. Wenn nicht einmal zehn Prozent der Investitionskosten selbst getragen werden müssen, fällt es leicht, den Umbau eines Radwegs auf kurzer Strecke für eine Mio. Euro zu beschließen. Am Ende werden allerdings immer die Steuerzahler zur Kasse gebeten – egal, ob dafür Kreis, Land oder Bund bezahlen.
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