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21.01.2020

Eine Brücke, die niemand braucht

Eine Brücke, die niemand braucht – für 2,47 Mio. Euro

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Aktuelle Entwicklung

Hamburg. Die Kosten für das umstrittene Brücken-Projekt steigen. Ende 2018 hatte das zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord dem Bund der Steuerzahler noch mitgeteilt, dass die Kosten für die Brücke voraussichtlich bei 1,85 Mio. Euro liegen würden. Nun heißt es: „Im Rahmen der Kostenermittlung für die Ausführungsunterlage Bau sind zum jetzigen Zeitpunkt Baukosten inklusive Baunebenkosten in Höhe von 2,468 Mio. Euro veranschlagt worden. Diese Kostensteigerung in Höhe von 618.000 Euro gegenüber der Kostenschätzung folgt aus der vertieften Betrachtungsweise, die einer Kostenermittlung zugrunde liegt.“

Was ist passiert?

Hamburg. Den Satz „Hamburg hat mehr Brücken als Venedig und Amsterdam zusammen“ bekommt man wohl bei so ziemlich jeder touristischen Führung durch die Hansestadt zu hören. In der Tat: Mit über 2.700 Brücken ist Hamburg Europas Brückenhauptstadt. Da an der Elbe nicht gekleckert, sondern geklotzt wird, möchte die Hansestadt ihren Spitzenplatz ausbauen und dem Stadtbild eine weitere Brücke, die Maurienbrücke, hinzufügen. Und das, obwohl 100 Meter östlich und 200 Meter westlich bereits zwei Brücken vorhanden sind.

Pläne zum Wiederaufbau der Maurienbrücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, liegen bereits seit rund 30 Jahren vor. Jedoch: Seit 1945 scheint niemand die Brücke vermisst zu haben. Das Bauwerk soll voraussichtlich 1,85 Mio. Euro kosten, wie das zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord dem Bund der Steuerzahler mitteilte.

Doch es hat sich bereits Widerstand gegen die Brückenpläne formiert: Nicht nur Bezirkspolitiker sehen die Notwendigkeit einer Überquerung nicht. Auch die wenigen Anwohner, die im Umfeld der geplanten Maurienbrücke wohnen, sammeln mittlerweile sogar Unterschriften gegen den Brückenbau.

Hinzu kommt, dass durch den Bau der Brücke bürgerschaftliches Engagement mit Füßen getreten würde. Schließlich befindet sich am südlichen Ufer des Osterbekkanals – genau an der Stelle, an der das Bauwerk entstehen soll –, eine kleine und zum Wasser hin abfallende Grünfläche, die die Stadt an ortsansässige Bürger verpachtet hat, um nicht selbst für die Instandhaltung aufkommen zu müssen. Die Anwohner haben die Fläche auf eigene Kosten wieder vorzeigbar gemacht. Durch das Anrollen der Bagger – Anfang 2020 soll es so weit sein –, würde dieses Werk jedoch zerstört.

(Foto: Christoph Metzner)

Alternative Investition

Unweit der Maurienstraße wird aktuell die Krugkoppelbrücke für 2.876.000 Euro saniert. Würde die Maurienbrücke nicht gebaut, könnten bereits 64 Prozent der Sanierungskosten durch die dann freiwerdenden Mittel ausgeglichen werden.

Der Bund der Steuerzahler meint

Nur weil Geld zur Verfügung steht, muss man es nicht ausgeben. Die 1,85 Mio. Euro sollten besser in die Instandhaltung der bereits vorhandenen Brücken investiert werden. Daher wird sich der Bund der Steuerzahler auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Pläne zum Bau der Maurienbrücke wieder in denjenigen Schubladen verschwinden, aus denen die Stadtplaner sie geholt haben.

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Christoph Metzner

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Bemerkungen :

  • user
    Andreas Frick 17/02/2020 um 10:43
    Ganz richtig, es ist besser bestehende Brücken instand zu halten als neue zu Bauen, sonst hat man am ende nur nur noch kapute Brücken