
Ein Kilometer Autobahn für fast 60 Mio. Euro
Autobahnteilstück wird zum finanziellen Desaster
Was ist passiert?
Bund/Halle (Saale) (ST). Das letzte Teilstück der Westumfahrung Halles war von Anfang an sehr umstritten. Da konnte man fast schon erwarten, dass nicht alles nach Plan läuft. Das Bauvorhaben wird von Naturschützern argwöhnisch beäugt, Streitigkeiten sind quasi programmiert. Für die Kritiker stand schon immer fest, dass dieser Bau unnötig sei und weitere Folgekosten nach sich ziehen würde. Und: Die Entlastungseffekte für den Stadtverkehr von Halle dürften sich nach Fertigstellung des verbliebenen Lückenschlusses in Grenzen halten.
Geplant war, dass die A143 den Autobahn-Doppelring um Halle und Leipzig schließen und gleichzeitig Halle vom überregionalen Durchgangsverkehr entlasten sollte. Von den 21,6 Kilometern Gesamtlänge sind neun Kilometer zwischen Halle-Süd und Halle-Neustadt bereits seit Oktober 2004 durchgängig befahrbar. Der verbleibende Lückenschluss von der bestehenden Anschlussstelle Halle-Neustadt bis zum künftigen Autobahndreieck Halle-Nord und dem Anschluss zur A14 sollte im Jahr 2004 noch rund 151 Mio. Euro kosten. Der hierfür im Mai 2005 erlassene Planfeststellungsbeschluss war rechtswidrig und musste ergänzt werden. Der Bau wurde gestoppt und es folgte ein Rechtsstreit, der erst im Jahr 2019 mit einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts beendet wurde. Der feierliche Baubeginn für den letzten knapp 13 Kilometer langen Nordabschnitt erfolgte am 3.12.2019.
Diese jahrelangen Verzögerungen hatten ihren Preis: Bereits zu Baubeginn waren mindestens 350 Mio. Euro Gesamtausgaben eingeplant, die Fertigstellung sollte 2025 erfolgen. Der nächste Kostenschock folgte 2022: Jetzt wurden Gesamtausgaben von rund 443 Mio. Euro erwartet – und die geplante Fertigstellung verschob sich auf das Jahr 2028. Wer gedacht hatte, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen könnte, sieht sich im Jahr 2026 eines Besseren belehrt: Die Inbetriebnahme des Nordabschnitts ist nach aktuellem Zeitplan für das Jahr 2030 vorgesehen. Die derzeitigen Gesamtkosten für den Nordabschnitt betragen nun rund 726 Mio. Euro, davon rund 717 Mio. Euro Bundesanteil – so das Bundesverkehrsministerium in einem Schreiben an den Steuerzahlerbund vom 8.5.2026: „Die Kostensteigerungen resultieren im Wesentlichen aus den allgemeinen Baupreissteigerungen – insbesondere im Ingenieurbau, aus erhöhten Aufwendungen für die Altbergbausanierung sowie aus zusätzlichen Anforderungen im Artenschutz, die Anpassungen an mehreren Brückenbauwerken erforderlich machten.“
Dabei war bereits vor Baubeginn bekannt, dass dieser Abschnitt bautechnisch besonders anspruchsvoll ist, denn mehrere Altbergbaugebiete, die Saale und Naturschutzgebiete sind zu überqueren. Auch die Vielzahl der Bauwerke – große Brücken, Tunnel, Grünbrücken – haben bereits bei der Planung die besonderen Herausforderungen erkennen lassen. Baukostensteigerungen und Verzögerungen lassen sich nicht immer verhindern. In diesem Fall haben jedoch unrealistische Planungen zur Steuergeldverschwendung beigetragen.
Für die Steuerzahler ist dieser Autobahnabschnitt insbesondere in finanzieller Hinsicht desaströs. Bundesweit wird man lange suchen müssen, einen Autobahnabschnitt zu finden, bei dem ein Kilometer Autobahn fast 60 Mio. Euro kostet. Da die Aktualisierung der Gesamtkosten mit 726 Mio. Euro durch die DEGES, die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, aus dem Jahr 2023 stammt, ist nicht auszuschließen, dass es noch teurer kommt.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Fertigstellung bis 2030 tatsächlich erfolgt. Sonst wird es noch bitterer für die Steuerzahler.
Foto: Ralf Seibicke
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Dass der Bau eines Autobahnabschnitts mit fast 13 Kilometern Länge insgesamt ein Vierteljahrhundert dauert, ist nicht hinnehmbar. Straßenbauprojekte müssen sich an ihrer Wirtschaftlichkeit messen lassen. Der erwartete Nutzen muss belastbar nachgewiesen sein und nennenswert die erheblichen Kosten übersteigen. Durch die Unterschätzung der tatsächlichen Anforderungen ist die A143 zur Kostenfalle geworden. Die Zeche zahlt der Steuerzahler.
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