
Durchsage: „Der geplante Halt Springe-Deisterpforte entfällt auf unbestimmte Zeit“
Steht der Neubau der S-Bahn-Station vor dem Aus?
Was ist passiert?
Springe/Region Hannover (NI). An der Bahnstrecke von Paderborn über Hameln nach Hannover liegt die Stadt Springe. Die Kernstadt zählt rund 13.400 Einwohner und ist somit wahrlich keine Metropole. Dennoch sollte dort nach dem Willen der Region Hannover eine zweite S-Bahn-Haltestelle entstehen. Im Dezember 2019 fasste die Regionsversammlung den Beschluss, mit den Planungen der neuen Haltestelle zu beginnen.
Beim Bund der Steuerzahler stieß das Vorhaben auf erhebliche Kritik, denn der neue Haltepunkt „Springe-Deisterpforte“ läge nur knapp 1.000 Meter bzw. 90 Sekunden Fahrzeit von dem bestehenden Bahnhof „Springe“ entfernt. Kaum wäre der Zug angefahren, müsste er auch schon wieder anhalten. Auf Kritik stieß auch, dass Pkw-Parkmöglichkeiten für Pendler – mit Ausnahme weniger Stellplätze für Menschen mit Mobilitätseinschränkung – nicht vorgesehen waren. Praktischen Nutzen könnte die zusätzliche Bahnstation so fast ausschließlich für die Anwohner entfalten, die die Haltestelle fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichen können.
Die Region Hannover ließ die Einwände nicht gelten und trieb das Planungsverfahren für das Sieben-Millionen-Euro-Projekt weiter voran. Bis zum Frühjahr 2025 konnte die Entwurfsplanung so weit abgeschlossen werden, dass die Planfeststellungsunterlagen durch das Eisenbahn-Bundesamt zur Einsichtnahme ausgelegt werden konnten. Alle rechneten fest damit, dass der Bau der „Deisterpforte“ wie beabsichtigt in den Jahren 2027/2028 erfolgen würde.
Im Mai 2026 dann die große Überraschung: In einer kurzen Mitteilung teilte die Region Hannover mit, dass der Bau der S-Bahn-Station „Springe-Deisterpforte“ bis mindestens 2034 verschoben werden müsse. Hierfür wurden finanzielle Gründe angeführt: Das geltende Haushaltssicherungskonzept der Region Hannover erlaube bis dahin keine zusätzlichen Ausgaben.
Ob sich die Finanzen der Region Hannover in den nächsten acht Jahren so weit erholen, dass zusätzliche Mittel für die Realisierung der Haltestelle bereitstehen, ist fraglich. Zumal damit zu rechnen ist, dass sich die Kosten für die noch ausstehenden Planungsschritte und den Bau der „Deisterpforte“ bis dahin schon aufgrund der allgemeinen Baupreisentwicklung spürbar erhöhen dürften. Zwar soll noch im Laufe des Jahres 2026 das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden; unklar ist jedoch, ob bei einer Wiederaufnahme ab 2034 nicht zumindest Teile der bereits durchlaufenen Planungsschritte wiederholt oder aktualisiert werden müssten. Bisher sind nach Auskunft eines Bahnsprechers bereits rund 913.000 Euro in die Planungen der Haltestelle „Springe-Deisterpforte“ geflossen.
Foto: Bund der Steuerzahler
Alternative Investition
Die noch nicht verausgabten ca. 6,1 Mio. Euro könnten für die Sanierung und den barrierefreien Ausbau bestehender Bahnhaltestellen Verwendung finden.
Der Bund der Steuerzahler meint
Der Bau der „Deisterpforte“ scheint auch für die Region Hannover nicht von höchster Priorität zu sein. Andernfalls hätten sich wohl Wege gefunden, die benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen. Es ist daher mehr als fraglich, ob die „Deisterpforte“ überhaupt noch gebaut wird. Die bereits verausgabten Planungsgelder wären in dem Fall zwar verloren – die mindestens 6,1 Mio. Euro, die bisher noch nicht verausgabt wurden, könnten dafür jedoch eingespart werden.
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