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29.10.2019

Doch kein künstliches Schlagloch für fast 50.000 Euro

Hanau verzichtet nach BdSt-Nachfrage auf elektrisch absenkbare Stahlplatte

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Was ist passiert?

Hanau. Die Brüder-Grimm-Stadt Hanau wollte als bundesweit erste Kommune ein sogenanntes Actibump-System testen. Es sollte Auto-Poser und -Raser in einer Tempo- 20-Zone zu langsamerem Fahren animieren. Die Stadt erhoffte sich dadurch eine niedrigere Durchschnittsgeschwindigkeit und weniger Gefährdungssituationen. Allein die Ankündigung verschaffte Hanau eine bundesweite mediale Aufmerksamkeit.

Prinzipiell funktioniert das System folgendermaßen: Nähert sich ein Fahrzeug mit erhöhter Geschwindigkeit, wird es mit einem Radarmessgerät erfasst, und eine Stahlplatte senkt sich um vier Zentimeter ab. So entsteht kurzfristig ein künstliches Schlagloch, und der Fahrer vernimmt beim Passieren ein unschönes Poltern. Dabei hat die Stahlplatte höchstens eine erzieherische Wirkung, denn ein Bußgeldbescheid folgt nicht. Hanau wäre der Versuch einiges wert gewesen: Die Kosten für ein solches System liegen bei 47.000 Euro.

Doch der Bund der Steuerzahler Hessen hatte Bedenken und wandte sich mit einem Fragenkatalog an die Stadt. Die Kritik bezog sich nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Sinnhaftigkeit. Eine Bodenschwelle hätte die Stadt nur 7.000 Euro gekostet. Selbst eine Blitzeranlage für 100.000 Euro hätte über Bußgeldbescheide wieder Geld eingebracht. Bei beiden wäre das Kosten- Nutzen-Verhältnis wohl höher gewesen als beim neuen System. Angesichts zahlreicher baufälliger Straßen braucht es keine teuren künstlichen Schlaglöcher. Zumal äußerst fraglich ist, ob Raser allein durch das System tatsächlich zu einem angepassten Fahren erzogen werden können.

Um einen besseren Eindruck von der Lage vor Ort zu bekommen, schaute sich der BdSt die Sache in Hanau genauer an. Der Ortstermin bestätigte die Bedenken: Die betroffene Straße kreuzt mehrere Fußgängerzonen, wobei die Querungen jedes Mal durch Erhebungen mit Kopfsteinpflaster erschwert werden. Rasen ist dort fast unmöglich, dennoch entsteht natürlich Konfliktpotenzial mit Fußgängern. Den BdSt-Mitarbeitern war sofort klar, dass eine Fußgängerzone die deutlich bessere Alternative wäre.

Zunächst hielt Hanau an seinen Plänen fest, visierte eine Installation im Spätsommer an und ließ die Zulässigkeit des neuen Systems von den zuständigen Behörden prüfen. Im September gab die Stadt Hanau in einer Pressemitteilung bekannt, dass auf das künstliche Schlagloch in der Langstraße nun doch verzichtet werden soll. Stattdessen soll ein Abschnitt der Straße zur Fußgängerzone umgewidmet werden. Der Bund der Steuerzahler wird die Sache weiter kritisch beobachten, denn ganz vom Tisch ist der Traum vom künstlichen Schlagloch in Hanau offenbar noch nicht.

Foto: Moritz Venner

Alternative Investition

Für 47.000 Euro könnten sechs Bodenschwellen gebaut werden.  

Der Bund der Steuerzahler meint

Anscheinend hat das hartnäckige Nachfragen des BdSt die Stadt zum Umdenken bewegt. Es zeigt sich also: Dranbleiben und Bedenken äußern lohnt sich und spart Steuergeld.

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Bemerkungen :

  • user
    Nordmeier 05/11/2019 um 09:22

    Den Kommunalpolitikern in Hanau schein langweilig im Amt zu sein. Auf so eine blöde Idee zu kommen? Unfaßbar