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27.10.2020

Die Tücken der Digitalisierung

Nun doch keine digitale Fahrgastinformation in Eningen

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Was ist passiert?

Eningen (BW). Die Stadt Reutlingen hat 2018 bei ihrem Stadtverkehr die digitale Fahrgastinformation (DFI) ausgebaut. Die DFI informiert an Bushaltestellen auf großen Monitoren in Echtzeit über die Anund Abfahrtszeiten. Dieser Service sollte ab 2019 auch auf die Umlandgemeinden unter anderem in Eningen unter Achalm erweitert werden.

Im April 2019 wurde in Eningen der Baubeschluss gefasst: An sieben Standorten sollten acht DFI installiert werden. Eingeplant waren dafür Kosten in Höhe von 127.000 Euro; 50 Prozent sollten vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur kommen. Zu der positiven Entscheidung für das Projekt hat vermutlich auch die Aussicht auf Fördergeld beigetragen. Erfreulich war im Mai 2019, dass das Ergebnis der Ausschreibung für die technischen Anlagen deutlich unter der Kostenberechnung lag (rund 75.200 Euro statt 95.200 Euro). Es sah also nicht schlecht aus für den nächsten Schritt in Sachen Digitalisierung. Bis die Sache mit der Stromversorgung kam!

Ursprünglich war vorgesehen, die Fahrgastanzeigen kostengünstig mit dem Strom der Straßenbeleuchtung zu versorgen, weil die Versorgungsleitung im Gehweg ohne größeren Aufwand hätte abgenommen werden können; es stellte sich jedoch heraus, dass das so nicht machbar war. Daher musste technisch und damit finanziell deutlich aufwendiger vorgegangen und der Strom aus dem allgemeinen Stromnetz bezogen werden. Außerdem war für jede Anzeigetafel ein eigener Stromanschlusskasten mit Zähleinrichtung erforderlich. Als „Krönung“ stellte sich heraus, dass die Verteilerkästen öfter in reichlich Distanz zu den Bushaltestellen lagen. So wurden aus ursprünglich rund 127.000 Euro schlagartig rund 215.000 Euro Gesamtkosten.

Es begann die Suche nach kostengünstigeren Lösungen, wie einer Stromversorgung per Solaranlagen. Allerdings konnten die geplanten 32-Zoll-Monitore nicht solarbetrieben werden; möglich wäre dies nur bei sehr viel kleineren Monitoren im Format 13,3 Zoll. Weder der Gemeinderat noch die potenziellen Nutzer waren von so einer Schrumpfkur begeistert. Diskutiert wurden dann verschiedene Varianten. Das Ende vom Lied war, dass keine einzige in den Augen des Gemeinderats Gnade fand. Auch die Notwendigkeit der Installation wurde mehr und mehr angezweifelt, so der Bürgermeister auf unsere Anfrage. Und somit wurde das Projekt im Dezember 2019 ganz eingestampft.

Die Gemeinde hatte am Ende kein DFI – und trotzdem Kosten in Höhe von rund 36.000 Euro für bereits erbrachte Planungs- und Arbeitsleistungen. Was für die Gemeinde natürlich ärgerlich ist, wie der Bürgermeister zugibt, aber man habe aus den Fehlern gelernt: „Als Erkenntnis werden wir künftig prozentual hoch geförderte Maßnahmen nun noch kritischer hinterfragen“.

Foto (Symbolbild): Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Der Bund der Steuerzahler meint

Bessere Planungen im Vorfeld hätten der Gemeinde Kosten erspart. Aber: Erfreulich ist, dass sich die Gemeinde entschlossen hat, das Projekt lieber zu beenden, als blind daran festzuhalten. Denn wer weiß, ob es wirklich bei den 215.000 Euro geblieben wäre?

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Autor des Artikels

Michael Weiss

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Bemerkungen :

  • user
    Simon A. 07/11/2020 um 23:11
    Ich finde das Vorgehen positiv. In der Wirtschaft haben wir bessere Entscheidungsstrukturen und in unserem Unternehmen passieren immer wieder größere Fehler (teilweise auch mir selbst)

    Sich selbstala politische Entscheidungsgruppe einen Fehler einzugestehen und sich dann dagegen zu entscheiden finde ich sehr löblich!

    Ich würde das eher auf eine weiße Liste als Positives Beispiel aufnehmen. Der Betrag ist auch nicht sonderlich hoch...

    Ich war selbst bei einem 200.000 € DIN Normungsgremium der Bundeswehr dabei, welches für die Kernziele nicht erfüllt. (Kostete Zeit und Geld von Wirtschaft und Bundeswehr)