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29.10.2019

Des Kaisers teure Wohnung

Majestätischer Preis für die Sanierung des Sommersitzes von Wilhelm II.

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Was ist passiert?

Bad Homburg. Im Königsflügel des Bad Homburger Schlosses befinden sich unter anderem die Wohnräume einer ehemaligen Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. Aufgrund statisch-konstruktiver Mängel mussten die Räume der einstigen Kaiserwohnung im Februar 2011 geschlossen werden. Als das zuständige Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst darüber informierte, teilte es auch mit, dass die Schließung voraussichtlich zwei Jahre dauern werde, da die Schäden in der Wohnung weit schlimmer seien als bisher angenommen. Die damalige Ministerin rechnete in einer ersten groben Schätzung mit Gesamtkosten in Höhe von „bis zu zwei Millionen Euro“.

Im Laufe der Untersuchungen und Arbeiten zeigte sich jedoch eine Vielzahl von Baumängeln, sodass laut Ministerium eine weitergehende, intensive Sanierung des Königsflügels nötig war. Ein Teil davon ist jetzt auch die „Instandsetzung der haustechnischen Installationen und Konservierung der kaiserzeitlichen Haustechnik“. Je weiter die Arbeiten fortschritten, umso mehr sanierungsbedürftige Elemente wurden entdeckt. Dadurch explodierten natürlich die Baukosten: Im Juli 2019 beliefen sie sich schon auf rund 7,7 Mio. Euro. Zur gleichen Zeit wurden aber weitere Mittel zur Fertigstellung bewilligt. Das Gesamtbudget aller Bauabschnitte wird inzwischen auf 10 Mio. Euro beziffert. Darin enthalten ist nun auch eine Instandsetzung der Fassade.

Neben den Baukosten kam das Land Hessen auch für die Restaurierung des mobilen Kunstguts auf. Seit 2015 investierte das Land dafür rund 1,5 Mio. Euro, in denen laut Ministerium auch die Neubeschaffung von Vorhängen enthalten ist. Als Drittmittel konnten durch eine Stiftung immerhin 75.000 Euro eingeworben werden.

Vor der Schließung des Königsflügels besuchten rund 28.000 zahlende Besucher jährlich die Residenz, was einen Gesamterlös von rund 80.000 Euro einbrachte. Selbst wenn man der optimistischen Prognose des Kunstministeriums folgt, dass mittelfristig von 55.000 jährlichen Besuchern mit Gesamteinnahmen von 180.000 Euro auszugehen sei, stellt sich doch die Frage, ob eine so aufwendige Sanierung wirklich notwendig und sinnvoll war.

(Foto: Moritz Venner)

Der Bund der Steuerzahler meint

Bei einem historischen Gebäude sind Überraschungen während des Baus nicht ungewöhnlich. Stetigen Baukostensteigerungen hätte man vorab einen Riegel vorschieben müssen, indem man seriös plant und eine Kostenobergrenze festlegt. Eine wahrhaft kaiserliche Zunahme um Faktor fünf ist nicht zu akzeptieren.

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Autor des Artikels

Clemens Knobloch

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