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29.10.2019

Dauerförderung für Speere-Museum

Politische Versprechen gebrochen, Steuerzahler haften

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Was ist passiert?

Schöningen. Der archäologische Fund von acht mehr als zwei Meter langen Holzspeeren in den 1990er-Jahren im Braunkohletagebau bei Schöningen (Landkreis Helmstedt) war eine Sensation! Denn diese Jagdwaffen lassen Rückschlüsse auf die Lebensverhältnisse vor rund 300.000 Jahren zu. Muss wegen dieses Fundes ein Erlebniszentrum für 15 Mio. Euro an diesem abgelegenen Ort errichtet werden? Die niedersächsische Landesregierung bejahte dies 2009 und stellte die Millionen zur Anschubfinanzierung aus dem Konjunkturpaket II bereit. Die Ausstellung selbst sollte in wirtschaftlicher Hinsicht aber ein Selbstläufer werden, Steuerzuschüsse zu den laufenden Betriebskosten waren nicht vorgesehen. Man rechnete mit 100.000 zahlenden Besuchern im Jahr.

Im Jahr 2013 wurde das „paläon“ feierlich eröffnet. Es steht wie eine Art Raumschiff direkt neben dem Tagebau und gilt als Niedersachsens modernstes Museum. Doch bereits drei Jahre später waren alle politischen Versprechen, keine weiteren Landeszuschüsse leisten zu müssen, wie Seifenblasen zerplatzt: In den Jahren 2017 und 2018 zahlten das Land Niedersachsen, der Landkreis Helmstedt sowie die Stadt Schöningen gemeinsam jährlich rund 1 Mio. Euro für den Betrieb der als „paläon GmbH“ geführten Schöninger Einrichtung. Allein das Land Niedersachsen steuerte 500.000 Euro jährlich bei, um die Vermittlungsaktivitäten des „paläon“ zu unterstützen und weitere Besuchergruppen zu gewinnen. Doch dies ist nicht gelungen.

Im Dezember 2018 entschied der niedersächsische Wissenschaftsminister, das Schöninger Speere Museum unter dem Dach des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege institutionell, also dauerhaft, zu fördern und künftig jährlich 500.000 Euro aus der Landeskasse bereitzustellen. Weitere 200.000 Euro jährlich sollen der Landkreis Helmstedt und die Stadt Schöningen beisteuern.

Seit 1. Juli 2019 steht das bisherige Sorgenkind der niedersächsischen Museumslandschaft nun unter der Regie der Denkmalbehörde. Es trägt seitdem den Namen „Forschungsmuseum Schöningen“. Der Wissenschaftsminister möchte mit der Dauerförderung den Fundplatz in Schöningen entsprechend seiner kulturhistorischen Bedeutung als Anziehungspunkt über die Region hinaus sichern und entwickeln. Mit dieser Umstrukturierung werden jedoch die Kosten des Ausstellungsbetriebes mit denen der archäologischen Forschung vermischt, wodurch die wahren Defizite des Museums kaschiert werden. Wegen der hohen Dauersubventionen bekam der niedersächsische Wissenschaftsminister vom Bund der Steuerzahler im Dezember 2018 den Negativpreis „Fass ohne Boden“.

(Foto: Sebastian Petersen)

Der Bund der Steuerzahler meint

Statt Steuerzahlern die Folgekosten eines abgelegenen Museums aufzubürden, wäre es besser gewesen, die spektakulären archäologischen Funde im Braunschweiger Landesmuseum auszustellen.

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Autor des Artikels

Bernhard Zentgraf

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