
Das Flötenteich-Fiasko
Schwimmbadneubau in Oldenburg droht 100-Mio.-Euro-Marke zu reißen
Was ist passiert?
Oldenburg (NI). Im Jahr 2019 fasste der Oldenburger Stadtrat den Grundsatzbeschluss, das aus den 1960er-Jahren stammende Freibad am Flötenteich durch den Neubau eines ganzjährig nutzbaren Sport- und Gesundheitsbads zu ersetzen. Vorgesehen waren mehrere Indoor-Becken, ein Außenbecken, ein Sauna- und Physiotherapiebereich, Gastronomie sowie ein Servicegebäude für den benachbarten Campingplatz. Besonderes Schmankerl: Mithilfe eines Cabriodaches sollte eines der Indoor-Becken zum Freiluftbecken umfunktioniert werden können, um den bisherigen Freibadcharakter des Flötenteichbads in den Sommermonaten zu erhalten. Die Kosten für den Neubau wurden seinerzeit vorerst auf 20,56 Mio. Euro geschätzt. Mit dessen Planung und Umsetzung wurde der Bäderbetrieb der Stadt Oldenburg (BBO) beauftragt. Im April 2021 beschloss die Stadtpolitik zudem, dass die Stadt Oldenburg bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein soll, was nicht ohne Folgen für die weiteren Planungen des Flötenteichbads bleiben sollte.
Der konkretisierte Planungsentwurf, welcher der Stadtpolitik im Sommer 2022 vorgestellt wurde, trug dem Wunsch nach Klimaneutralität Rechnung, indem das zunächst geplante Cabriodach einem festen Dach mit Photovoltaikanlage wich. Im Gegenzug wurde ein zusätzliches Sommer-Außenbecken eingeplant. Wegen der Umplanungen und unter Berücksichtigung zwischenzeitlicher Baupreisentwicklungen stiegen die Projektkosten auf 29,3 Mio. Euro.
Im Oktober 2023 beschloss der Stadtrat weitere Planungsänderungen zugunsten der Klimaneutralität: Neben kleineren Energiesparmaßnahmen zeichneten sich diese v. a. durch die beabsichtigte Errichtung einer schwimmenden Photovoltaikanlage auf dem Flötenteich und die Wärmegewinnung mittels Tiefengeothermie aus. Für dieses erweiterte Energiekonzept rechnete die Stadt mit zusätzlichen Kosten von zwölf Mio. Euro – verbunden mit der Hoffnung, dass sich diese durch niedrigere Energiekosten im Laufe der Zeit amortisieren würden.
Doch noch ehe im Februar 2024 der erste Spatenstich erfolgen konnte, musste die Stadt ihre Kostenschätzung erneut nach oben korrigieren; inkl. des erweiterten Energiekonzepts sei nun mit 47 Mio. Euro zu rechnen, teilte die Stadtverwaltung mit. Doch auch damit sollte das Ende der Kostenspirale noch längst nicht erreicht sein!
Knüppeldick kam es Anfang des Jahres 2025, als sich herausstellte, dass die BBO in der funktionalen Leistungsbeschreibung des Bades zahlreiche Leistungen einfach gar nicht eingepreist hatte. Die nicht berücksichtigten Leistungen mussten nachträglich teuer beauftragt und Kalkulationen angepasst werden. Die Kosten des Flötenteichbads explodierten regelrecht auf 82 Mio. Euro. In dieser Summe ist die Umsetzung der schwimmenden Photovoltaikanlage und der Geothermie nicht mal mehr enthalten! Beide Projekte sind nach Bekanntwerden der Kostenexplosion vorerst gestoppt worden.
Der Fokus liegt nun allein auf Fertigstellung und der Eröffnung des Bads. Diese kann wegen der Verzögerungen im Bauablauf voraussichtlich erst 2028 erfolgen.
Es ist daher keineswegs auszuschließen, dass das Flötenteichbad noch die 100-Mio.-Euro-Marke reißen wird.
Foto: Nico Steinert
Alternative Investition
Die entstandenen Mehrkosten würden rechnerisch ausreichen, um einer halben Mio. Kindern die Teilnahme an einem Gruppen-Schwimmkursus zu ermöglichen.
(Annahme: Teilnahmegebühr 100-150 Euro, verifiziert u. a. bei der DLRG)
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
Die Stadt sieht die Schuld allein bei dem inzwischen entlassenen Geschäftsführer des städtischen Bäderbetriebs. Doch damit macht sie es sich zu einfach! Die Stadt ist für die Besetzung der Geschäftsführung verantwortlich und sitzt zudem in sämtlichen Aufsichtsgremien. Ohnehin hätten die Planungen der Gesellschaft, die nicht auf den Bau, sondern die Verwaltung von Bädern spezialisiert ist, engmaschig von den Baufachleuten der Stadtverwaltung überwacht und auf Plausibilität geprüft werden müssen.
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