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29.10.2019

Campus Hohenzollerndamm – später und teurer

Bauprojekte der Rentenversicherung 45 Mio. Euro teurer als geplant

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Was ist passiert?

Berlin. „In Berlin erwacht langsam der Campus Hohenzollerndamm“ – soll die Direktorin bei der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) im Dezember 2018 über die Bauprojekte der Versicherung in Berlin berichtet haben.

Der besagte Campus Hohenzollerndamm umfasst zwei der größten Bauprojekte der DRV Bund der vergangenen Jahre: die Sanierung eines Hochhauses am Hohenzollerndamm und der Neubau eines Dienstgebäudes in der angrenzenden Eisenzahnstraße. Die Mittel für die Bauprojekte kommen aus dem Haushalt der Rentenversicherung, wie die DRV Bund auf Anfrage des Bundes der Steuerzahler mitteilte. Durch die Bauprojekte sollten u. a. Funktionen gebündelt werden, die früher an verschiedenen Standorten untergebracht waren. Das Hochhaus, das bereits Mitte der 1970er Jahre gebaut wurde und somit in die Jahre gekommen ist, sollte grundlegend saniert werden.

Insgesamt waren für die Turmsanierung und den Neubau 241,5 Mio. Euro vorgesehen; Recherchen des BdSt haben nun jedoch ergeben, dass die Kosten für beide Bauprojekte deutlich gestiegen sind: Der Neubau, ursprünglich mit 74,5 Mio. Euro veranschlagt, soll jetzt mit 90,5 Mio. Euro abgerechnet werden, wie die DRV Bund dem BdSt mitteilte. Damit stiegen die Kosten um 16 Mio. Euro gegenüber der Planung. Die Sanierung des Turms hat sich um 29 Mio. Euro auf 196 Mio. Euro verteuert. Damit sind die beiden Baumaßnahmen mit 286,5 Mio. Euro um insgesamt 45 Mio. Euro teurer ausgefallen als geplant.

Die tatsächlichen Mehrkosten dürften sogar noch darüber liegen. Denn auf unsere Nachfrage zu den Mehrkosten durch die Bauverzögerung teilt die DRV Bund mit: infolge „der Bauzeitverlängerung kommt es z. B. zu Forderungen von Firmen für verlängerte Vorhaltung der Baustelleneinrichtung“. Zudem mussten die Beschäftigten während der verzögerten Baumaßnahmen in anderen Gebäuden untergebracht werden. Dies sei zwar „überwiegend in eigenen Gebäuden“ geschehen, doch musste „deren Nutzungsdauer verlängert werden“. Über die zusätzlichen Kosten für diese Unterbringung schweigt die DRV Bund – trotz wiederholter Nachfragen.

Warum sind die Kosten derart gestiegen? Anfang 2016 sollten die Gebäude in Betrieb genommen werden – doch das Bauprojekt verzögerte sich erheblich. Erst im Sommer 2018 konnte der Neubau bezogen werden, während die Sanierung des Hochhauses auch im August 2019 immer noch nicht komplett abgeschlossen war. Nun sollen die ersten Beschäftigten im Herbst 2019 einziehen können, im ersten Quartal 2020 sollen die Umzüge dann abgeschlossen sein. Somit wurde der Neubau mehr als drei Jahre später fertig, die Sanierung des Turms verzögerte sich um rund vier Jahre. Als Gründe für die Verzögerungen nennt ein Sprecher der DRV Bund eingetretene Insolvenzen sowie „Einsprüche[…] von Unternehmen, die keinen Zuschlag erhalten haben“.

(Foto: Philipp Behm)

Der Bund der Steuerzahler meint

Verzögerungen im Vergabeverfahren sind ein häufiger Grund dafür, dass öffentliche Bauten später als geplant fertig werden und die Kosten steigen. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, dem Problem ausufernder Nachprüfungsklagen einen Riegel vorzuschieben.

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Philipp Behm

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Bemerkungen :

  • user
    Wilhelm Semmler 01/11/2019 um 20:39

    Campus reiht sich würdig in die anderen Kostenpannen, wie BER, "Gorch Fock", Beraterhonorare etc. ein.Makaber nur, dass mit "Gutachtern" der DRV behinderte Bürger wegprozessiert werden. Wenn man die Kosten für eine teilweise gezahlte Erwerbsminderungsrente ins Verhältnis zu den Kostenexplosionen aus "Haushaltsmitteln" der DRV , also den verschleuderten Beiträgen, setzt, dann komm tin einem das Gefühl der engen Verbindung mit der OK/"Klein Corleone", auf. meine Frau ist noch zeitweise im Nebenerwerb als Präparatorin (mit Zöliakie, drei Bandscheibenvorfällen) tätig. Wir prozessieren seit 2010, aber auch das LSG Potsdam-Berlin will es sich nicht mit der DRV verderben-welch ein "Sozialstaat" und was für eine Verschwendergesellschaft!