Newsletter

Der Schutz Ihrer Daten ist uns wichtig. Diese Hinweise zum Datenschutz finden Sie in unseren Datenschutzrichtlinien. Diesen stimme ich zu.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder


Besuchen Sie uns

News Bild 1601
  • Bund
  • Teure Annehmlichkeiten
02.03.2026

Bundespräsidialamt 2.0

Wegen Sanierung: Bundespräsidialamt bekommt ganz neue Bleibe

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Bund. Der Sitz des Bundespräsidenten ist marode und muss dringend saniert werden – dies betrifft das Schloss Bellevue sowie das dazugehörige Verwaltungsgebäude des Bundespräsidialamts plus Hauptwache und Parkanlage. Da es in den Vorjahren weder grundlegende bauliche, technische noch energetische Sanierungen gab, wird nun eine Komplettsanierung nötig, die nicht während des Dienstbetriebs möglich ist. Seit 2020 laufen die Planungen – und es wird eifrig gerechnet, was die Sanierung am Ende kosten wird. Fakt ist, dass im Bundesetat allein für die Honorare der Planungsbüros und einen Planungswett­bewerb 2023 mehr als 10 Mio. Euro zur Verfügung stehen, 2024 sollen weitere 7 Mio. Euro dazukommen. Für die Sanierungsarbeiten selbst sieht der Etat bisher 18,5 Mio. Euro vor. Doch das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn die Kostenkalkulationen laufen derzeit heiß.

In diesem Zusammenhang stellt sich eine zentrale Frage: Wohin mit dem Bundespräsidenten und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern während der Sanierung? Ganz einfach: Man nehme ein rund ein Kilometer entferntes, bundeseigenes rund 4.000 qm großes Grundstück (geschätzter Marktwert mehr als 55 Mio. Euro) gleich neben dem Kanzleramt und dem Bundesinnenministerium und setze ein Bundespräsidialamt 2.0 darauf. Baukosten: rund 205 Mio. Euro. Für das Vorhaben stehe nur „ein sehr begrenztes Zeitfenster zur Verfügung“, so das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), das dieses Projekt managt. Denn: Spätestens 2026 sollen die umfangreichen Arbeiten am sanierungsbedürftigen Bestands-Verwaltungsgebäude beginnen. Somit muss bereits 2025 der Ersatzneubau für den Bundespräsidenten und seinen Stab fertiggestellt sein – der dann von ihnen ab dem Frühjahr 2026 für vorerst 5 Jahre genutzt werden soll.

Der Öffentlichkeit wird der moderne Neubau in exklusiver Berlin-Lage indes als „Bürogebäude für Bundesbehörden“ präsentiert. Das amtliche Wording lautet: Der Bau solle grundsätzlich – nach dem Bundespräsidialamt als erstem Nutzer – anderen Bundesministerien zur „Nachnutzung“ offenstehen. Allerdings: Welche das sein werden und in welchem Umfang sie den Bürokomplex werden nutzen können, steht noch gar nicht fest.

Im Kern ist der Büro-Neubau allerdings eine Lex Bundespräsidialamt! Auffällig ist nämlich nicht nur die enge zeitliche Synchronisation der Sanierung des Bundespräsidialamts mit dem Neubauprojekt an der Spree, sondern auch die funktionalen Eckdaten des teuren Prestigebaus stechen ins Auge: Das Bundespräsidialamt 2.0 soll nämlich nicht nur 160 Büros für 240 Arbeitsplätze und eine Cafeteria für die Beschäftigten erhalten. Es soll auch mit einer Vollküche für die Bewirtung von Staatsgästen ausgestattet werden, repräsentative Empfangs- und Veranstaltungsräume beherbergen und rundherum allerhöchsten Sicherheitsanforderungen genügen. Warum? Um den„verfassungsrechtlich gebotenen Repräsentationsanforderungen“ des Bundespräsidenten gerecht zu werden, so das Bundespräsidialamt. Und: Die geplante Grund- und Nutzfläche des Neubaus entpuppt sich als Duplikat des bisherigen Verwaltungsgebäudes.

Um den „erheblichen Zeitdruck“ bis zum Umzug in den Ersatzneubau zu meistern, forderte das BBR vom Bauunternehmen „innovative Lösungen“, damit „Störungen im Bauprozess vermieden und so die Qualität und Terminsicherheit erhöht werden“.

Bauherr des neuen Bürogebäudes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Sie teilte mit, dass nur dieser eine Standort möglich sei, um den Bundespräsidenten samt Mitarbeiter und Schutzpersonal in repräsentativer und zentraler Lage sowie im gegebenen Zeitrahmen unterzubringen. Eine mögliche Aufteilung des Präsidialamtspersonals, das einen geringeren Sicherheits- und Schutzbedarf als das Staatsoberhaupt hat, scheint bei der Objektauswahl und -planung ebenso wenig eine Rolle gespielt zu haben wie ein kleinerer Neubau im Zeitalter des mobilen Arbeitens – obwohl das Bundespräsidialamt selbst betonte, dass „sich das mobile Arbeiten (Homeoffice) als fester Bestandteil der Arbeitsabläufe etabliert und bewährt hat“.

Schließlich bleibt noch festzuhalten, dass das Bundespräsidialamt 2.0 bereits jetzt schon einen deutlichen Kostenschub erfahren hat. Im Frühjahr 2023 taxierte die BImA die Baukosten noch auf 113 Mio. Euro. Im August standen schon 178 Mio. Euro im Raum – zuzüglich eines Risikopuffers von 27 Mio. Euro, unter anderem für zwischenzeitliche Baupreissteigerungen. Kurzum: Dieses Neuprojekt ist wieder ein Vorhaben, das mit heißer Nadel gestrickt ist.

Foto: Sebastian Panknin

Aktuelle Entwicklung

Im Frühjahr 2026 kommt nun endlich Bewegung in das Großprojekt Bellevue-Sanierung. Erstmals legt das Bundespräsidialamt eine Kostenprognose vor: 601 Millionen Euro sollen die Sanierung des Schlosses selbst, die Erneuerung des Verwaltungsgebäudes, ein Neubau für Hauptwache und Technikzentrale sowie umfangreiche Arbeiten an Außenanlagen und Infrastruktur insgesamt kosten. Hinzu kommen eine gesetzlich vorgeschriebene Risikoreserve von 188 Millionen Euro und weitere 71 Millionen Euro für mögliche Baupreissteigerungen. Insgesamt summiert sich der Finanzrahmen damit bereits auf rund 860 Millionen Euro – und die Kosten für das eigens errichtete Interimsgebäude, das „Bundespräsidialamt 2.0“, kommen mit 205 Millionen Euro noch obendrauf. 

Zwar wurde das Projekt laut den Verantwortlichen fortlaufend auf Wirtschaftlichkeit geprüft und zum Teil bereits „abgespeckt“, doch der Umzug in den Ersatzbau ist für den Sommer 2026 vorgesehen und die Bauzeit für die Sanierung aktuell mit etwa acht Jahren angegeben.

Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler droht angesichts dieser Dimensionen durchaus ein weiterer Kostenanstieg: Denn schon jetzt sprengt das Gesamtprojekt die Milliardenmarke! Angesichts wachsender Defizite im Bundeshaushalt stellt sich die Frage, ob beim Bundesbau – und ganz besonders bei Bauten für die Politik – ausreichend auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit geachtet wird.

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Neben teuren Bundestagsbauten und der geplanten Erweiterung des Bundeskanzleramts schafft sich die Politik im Herzen Berlins mit dem Bundespräsidialamt 2.0 einen weiteren repräsentativen Prestigebau, der lediglich für 5 Jahre seine anvisierte Hauptfunktion – die Unterbringung des Bundespräsidenten samt Personal – erfüllen soll. In Anbetracht der enormen Finanznöte des Bundes zeigt dieser Eifer abermals keinen souveränen Umgang mit Steuergeld, zumal eine konkrete Anschlussnutzung des Büroneubaus bisher ungeklärt ist.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Sebastian Panknin

Spenden Sie für unsere Arbeit!

Als gemeinnützige Organisation sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen um Steuergeldverschwendungen wie diese aufzudecken. Unterstützen Sie uns mit einer kleinen Spende damit wir weiterhin Steuergeldverschwendung aufdecken können.

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Thomas Beyer 05/03/2026 um 10:54

    Soll die Wirtschaft/ Clans spenden oder lassen sie den Bau verfallen. Es ist kein Geld für Machtgierige da.
  • user
    Herbert Dirksen 04/03/2026 um 21:10

    Ich erlebte im Garten des Schloß Bellevue eine Ausstellung, die von der Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück organisiert wurde.
    Der Verein hat 60 Mio. € Rücklagen, bekommt alljährlich aus dem Bundestopf viele Millionen, die dann auf die Gruppen BUND, NABU und Weitere verteilt werden.
    Kann denn solcher Verein nicht mal Gutes tun?
  • user
    Wolfgang Wind 04/03/2026 um 18:41

    Welche rechtlichen Möglichkeiten haben die Bürger um diese Wahnsinn zustoppen?
    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Wolfgang Wind
  • user
    Bea Wölting 04/03/2026 um 18:37

    Wer für 800 Millionen nicht rechtfertigen muss, wofür die Steuereinnahmen verwendet werden, hat in keiner Weise eine moralische Verpflichtung dem arbeitenden Volk gegenüber. Es ist letztendlich ja nicht sein erarbeitetes Geld. Ich plädiere für plebiszit.
  • user
    Reinhard Hahnel 04/03/2026 um 15:08

    Was soll man dazu noch sagen und vor allem was nutzt es, wenn laufend auf solche Geldverschwendungen hingewiesen wird?( Ein weiteres Beispiel ist ja der Neubau des Kanzleramtes.) Letztlich ändert sich ja doch nichts, weil die Macht des Bundes der Steuerzahler und auch anderer Institutionen einfach nicht ausreichen, um unsere Politiker vom Geldausgeben abzuhalten. Da wundere ich mich nicht, wenn das Volk in seiner Ohnmacht zur AfD überlaufen.
  • user
    Hartmut Werner 04/03/2026 um 14:23

    wie können wir Bürger solche Maßnahmen stoppen. Immer alles akzeptieren? Noch mehr Schulden machen. Diese Entscheidungen
    kommen der AfD nur recht. Bund der Steuerzahler informiert ändert aber auch wenig. Frust über Frust.
  • Herbert Zenzes 04/03/2026 um 13:50

    Haaaalt! Stopp.
    Wenn denn eine Nachnutzung implementiert ist, wie teuer wird dann die Nutzbarmachung des Bundespresidialamts nach der 5-jährigen Nutzung. Sprich: Herrichtung für die Nachfolger, da kommen bestimmt nochmal so eben einige Milliönchen zusammen, alles andere würde mich wundern.
  • user
    Thomas Hein 04/03/2026 um 12:39

    Die SPD, CDU, FDP und Grüne Regierungen die solche Protzbauen haben wollen, sind nicht anders wie Friedrich der Große mit seinen Protzbauten, zahlen tun es ja die Untertanen.