News Bild 262
  • Niedersachsen
  • Richtig skurril!
29.10.2019

„Brücken-Lifting“: Was nicht passt, wird passend gemacht

Bei der „Schiefen Tille“ in Emden lief etwas ziemlich schief

Scrollenaccordion-icon

Was ist passiert?

Emden. Die Emder Bürger konnten das „Fehntjer Tief “, den Stadtkanal im Herrentorviertel, erstmals 1954 überqueren. Fast 40 Jahre lang verrichtete die Holz-Stahl-Konstruktion erfolgreich ihren Dienst. 1993 musste die Brücke allerdings erstmals erneuert werden, es wurde eine Holz-Leimbinderkonstruktion. Trotz regelmäßiger Brückenprüfungen sowie Ausbesserungen der Mängel war der stetige Verfall der hölzernen Brücke nicht aufzuhalten. Die Stadt Emden beschloss daher im August 2018, die Brücke nach nur 25 Jahren abermals zu ersetzen und zu einer Stahlkonstruktion zurückzukehren. Die Ausschreibung ergab Baukosten von ca. 137.000 Euro.

Schon kurz vor Weihnachten 2018 waren die Brückenbauarbeiten nach einmonatiger Bauzeit abgeschlossen. Zunächst schien auch alles in Ordnung, doch als die Sportbootfahrer der Emder Wassersportvereine Mitte April in die Saison starten wollten, staunten einige von ihnen nicht schlecht: Ihre Boote konnten die „Schiefe Tille“ nicht mehr wie gewohnt passieren. Sie passten einfach nicht mehr darunter hindurch. Und um auf die andere Seite der Brücke zu gelangen, hätten die Bootsführer einen zweistündigen Umweg in Kauf nehmen müssen.

Dass die Durchfahrtshöhe der neuen Brücke im Vergleich zu ihrer Vorgängerin 35 cm niedriger ausgefallen war, musste schließlich auch der verantwortliche Bau- und Entsorgungsbetrieb Emden (BEE) einräumen. In den Ausschreibungsunterlagen und den Ausführungsplanungen sei keine Maßangabe für die einzuhaltende Durchfahrtshöhe enthalten gewesen, weshalb sich das mit der Umsetzung beauftragte Planungsbüro an dem Maß der ersten Brücke von 1954 orientiert habe. Die Höhenveränderungen des ersten Neubaus von 1993 blieben dabei unbeachtet. Dem Bund der Steuerzahler versprach der BEE, derartige Planungen künftig stets mit dem „Vier-Augen- Prinzip“ zu begleiten.

Zumindest konnte der BEE schnell mit einer Problemlösung aufwarten: Im Mai wurde die rund 14 Tonnen schwere Konstruktion mittels hydraulischer Pressen – wie mit einem Wagenheber – angehoben und anschließend unterfüttert. Danach wurden die Pflasterungen auf beiden Uferseiten angepasst, sodass die Brücke weiterhin barrierefrei überquert werden kann. Kosten des vermeidbaren „Brücken-Liftings“: 10.000 Euro.

Alternative Investition

Die 10.000 Euro hätten für Erhalt und Pflege der „Schiefen Tille“ eingesetzt werden können.

Der Bund der Steuerzahler meint

Die schnelle Lösung in allen Ehren: Dennoch wäre das Malheur durch den Einsatz von Zollstock und Maßband wohl zu verhindern gewesen.

Sag uns deine Meinung

Teil uns mit, was du
denkst!

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Akzeptieren der Bedingungen ist erforderlich!

bitte bestätigen

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert