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  • Nordrhein-Westfalen
  • Kostenexplosion
17.12.2019

Bonn leistet sich ein teures Fass ohne Boden – die Sanierung der Beethovenhalle

Unfassbar: Geplant waren 60 Mio. Euro. Nun kostet die Sanierung 166 Mio. Euro!

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Aktuelle Entwicklung

Beethovens Halle, die auf ewig Unvollendete

Soll man lachen, weinen oder sich die Haare raufen? Auch im neuen Jahr reißen die Hiobsbotschaften aus Bonn nicht ab. Die Beethovenhalle wird uns noch mindestens bis 2024 beschäftigen.

Die „denkmalgerechte Instandsetzung und Modernisierung der Beethovenhalle Bonn“ - so der offizielle Arbeitstitel - verzögert sich noch einmal. Zuletzt nannte die Stadt 2022 als Fertigstellungstermin, und ursprünglich sollte die Sanierung sogar schon 2018 abgeschlossen sein. Nun aber prognostiziert man das zweite Halbjahr 2024.

Dass zusätzliche zwei Jahre Bauzeit sich auch in den Kosten niederschlagen werden, ist höchstwahrscheinlich. Die zuletzt ge­nannten Zahlen sehen eine Bausumme von 166 Millionen Euro vor. Auch hier stand einmal eine deutlich niedigere Zahl: 61 Millionen Euro.

Besonders ärgerlich ist, dass die Stadt mauert und die ursprünglich für November vorgesehene Sitzung absagte. Erst durch eine von der SPD beantragte Sondersitzung des Projektrates im Dezember kam der neue Terminplan und ein detailierter Sachlagebericht an die Öffentlichkeit. Einen finalen Terminplan will die Stadt nun im März 2020 vorlegen.

Was ist passiert?

Bonn. Die denkmalgerechte Instandsetzung und Modernisierung der Beethovenhalle ist das größte Bauprojekt der Stadt. Ende 2016 wurde das Gebäude geschlossen, und die Bauarbeiten begannen. Für die grundlegende Sanierung waren ursprünglich rund 60 Mio. Euro geplant, und bereits nach zwei Jahren sollte der Bau beendet sein − pünktlich zum Beethovenjahr 2020.

Schnell wurde klar, dass hier weder der Zeitplan noch das Budget gehalten werden können. Es zeigte sich, dass Bauen im Bestand mit allerlei Unvorhersehbarkeiten verbunden ist: So wurde in Lüftungsrohren Asbest entdeckt, der Baugrund verursachte massive Statikprobleme – und bei der Kampfmittelsondierung stieß man auf ein undefinierbares Metall, das aufwendige Spezialuntersuchungen nach sich zog. Dass der ehrgeizige Plan, das Gebäude bis zum Beethovenjahr fertigzustellen, bekannt war, brachte die Stadt zudem in keine gute Verhandlungsposition mit den Bauunternehmen. Die Kosten stiegen immer weiter.

Seit Sommer 2019 liegt endlich eine verbindliche Kostenprognose auf dem Tisch, und sie sieht düster aus. „Diese durch den Projektsteuerer ermittelte Zahl entspricht weitestgehend einer durch den Objektpla106   ner eigenständig vorgenommenen Prognose. Die Stadtverwaltung schätzt die Kostenprognose daher im Ergebnis als valide ein und wird mit dieser Zahl für die Zukunft als Worst-Case-Szenario bzw. Kostenobergrenze arbeiten“, erläutert die Stadtverwaltung.

Die Summe des Worst-Case-Szenarios beläuft sich auf 166,2 Mio. Euro brutto. Sie beinhaltet neben den bekannten Faktoren Geld für „Risiken bei den in Bearbeitung befindlichen Planänderungsanträgen, für Projektrisiken, die noch nicht abschließend ermittelt werden können, für Risiken in Zusammenhang mit den erfolgten Kündigungen von Gewerken der Technischen Gebäude-Ausstattung und abstrakt angenommenen Risiken“.

Und die Schreckensmeldungen aus Bonn nehmen kein Ende: Den Fertigstellungstermin kann die Stadt aktuell nicht gesichert prognostizieren, da kein belastbarer Terminplan vorliegt. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die Beethovenhalle nicht vor Mitte 2022 fertig wird.

(Foto: Janine Bergendahl)

Der Bund der Steuerzahler meint

Der Zeitdruck, den die Stadt sich in den ersten zwei Jahren der Sanierung selbst gemacht hat, führte zu einer Kostenexplosion. Bei Mehrkosten in Höhe von 100 Mio. Euro sollte man endlich an personelle Konsequenzen denken.

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Autor des Artikels

Janine Bergendahl

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Bemerkungen :

  • user
    Harmanna Zevenberg 18/12/2019 um 13:52

    Es ist überall das gleiche. Es werden von den Firmen Kosten angegeben die dazu führen daß man den Auftrag bekommt und gibt es da irgendwelche Probleme, wo angeblich vorher keiner daran gedacht hat und da der Bau ja schon halbwegs fertig ist, wird einfach mal millionen dazu gebuttert. Wir haben es ja.


    Es ist kein Geld für die Rentner, für die Schulen und Kindergärten da aber für solche Protzbauten die eh keiner braucht, da es keine Auslastung erfolgt. Die Firmen die solche Kostenvoranschläge abgeben, die sollten für die Mehrkosten herangezogen werden und nicht der Steuerzahler.


    Ich könnte jeden Tag bei so viel Steuerverschwendung kotzen.