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  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Verschwendung droht
01.10.2026

Blühende Fantasien trotz Finanznot

Schwerin plant die Landesgartenschau 2035 – mit 83 Mio. Euro Kostenrisiko

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Was ist passiert?

Schwerin (MV). Schwerin plant, die Landesgartenschau (LaGa) 2035 auszurichten. Im Juni hat die Stadtvertretung dafür die Durchführung einer Machbarkeitsstudie beschlossen. Kurz vor der Landtagswahl im September hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihrer Heimatstadt die Unterstützung des Landes fest zugesagt – unter einer Voraussetzung: Das geplante Hauptausstellungsgelände muss in der Nachnutzung auch Flächen für sozialen Wohnungsbau vorsehen. Doch ohne feste Zusagen und Verträge ist dies womöglich nicht mehr als ein Wahlversprechen. Die Kosten für die Umsetzung der jetzigen Pläne werden auf 73 Mio. Euro geschätzt. Für die Durchführung der Gartenschau werden – Stand heute – weitere zehn Mio. Euro fällig.

Schwerin kann Gartenschau: 2009 hat die Stadt erfolgreich eine Bundesgartenschau durchgeführt. Mit rund 440.000 Gästen rechnet man laut Projektskizze für die LaGa 2035 und zieht dafür andere Gartenschauen zum Vergleich heran. Doch auch wenn Schwerin die Bundesgartenschau 2009 mit einem rechnerischen Plus beendet hat, ist dies kein Garant für den Erfolg einer Landesgartenschau im Jahr 2035. Die geopolitischen Vorzeichen haben sich ebenso verändert wie die Wirtschafts- und Zinslage.

Die LaGa in Bad Gandersheim 2023 meldete mit einem Minus von 1,5 Mio. Euro Insolvenz an. In der Projektskizze wird auch die LaGa 2016 in Eutin wegen ihrer Besucherzahlen zum Vergleich herangezogen. Sie schrieb einen Verlust von 3,3 Mio. Euro. In Bad Kreuznach zog man 2025 eine Bewerbung zurück, nachdem ein zweistelliges Millionenrisiko prognostiziert worden war. Bei der IGA 2003 in Rostock entstand ein Defizit von 20 Mio. Euro. Die Buga 2025 hatte die Hansestadt Rostock wegen aus dem Ruder laufender Kosten vorsorglich absagen müssen.

Zudem war das nun ins Visier genommene Areal für die Gartenschau schon Teil der ursprünglichen Planungen für die Bundesgartenschau, bevor die ausufernden Vorhaben aus Kostengründen eingedampft wurden.

Auch dieses Mal sind die Visionen groß. Zu groß? Die zentral gelegene alte Industriebrache auf Vordermann zu bringen, ist nur mit massiver öffentlicher Förderung möglich. Andere Investoren ließen sich bislang nicht finden. Gartenschau, das ist immer auch Stadtentwicklung. Und um die soll es gehen, ebenso wie um eine Einbindung in die Vermarktungsstrategie für das Welterbe.

Ebenfalls im Juni nahm Schwerin am bundesweiten Protesttag „Kommunen am Limit“ teil, bei dem Kommunen auf ihre prekäre finanzielle Lage aufmerksam machten. Die Landeshauptstadt steht seit Jahren unter Aufsicht des Innenministeriums, muss ihren Haushalt konsolidieren und hat immer größere Probleme, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen.

Angesichts geschätzter Gesamtkosten von bereits 83 Mio. Euro muss die Frage erlaubt sein, ob sich Schwerin dieses Großprojekt leisten kann – und leisten sollte. Die Landeshauptstadt muss ihren Haushalt konsolidieren und hat zunehmend Schwierigkeiten, ihre Pflichtaufgaben zu finanzieren. Trotzdem setzt sie auf eine Landesgartenschau, deren wirtschaftlicher Erfolg keineswegs garantiert ist.

Auch das Versprechen nachhaltiger Stadtentwicklung rechtfertigt nicht jedes finanzielle Risiko. Die Entwicklung einer Industriebrache ist eine langfristige kommunale Aufgabe und darf nicht davon abhängen, ob ein Großereignis ausreichend Fördermittel mobilisiert und Hunderttausende Gäste anzieht. Gleichzeitig drohen andere notwendige Investitionen hinter den Plänen für die Landesgartenschau zurückzustehen.

Schwerin darf sich von großen Besucherzahlen, Förderzusagen und der Erinnerung an die erfolgreiche Bundesgartenschau 2009 nicht blenden lassen. Denn am Ende trägt die Stadt das Risiko. Jeder Euro, der in einem Defizit verschwindet, fehlt dort, wo die Kommune schon heute kaum noch finanziellen Spielraum hat. Eine Landesgartenschau kann vieles zum Blühen bringen – ein maroder Haushalt gehört nicht dazu.

Foto: Michaela Skott

Der Bund der Steuerzahler fordert

Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Pläne für ein finanziell riskantes Großprojekt in einer Stadt unter Haushaltsaufsicht. Wir fordern: Pflichtaufgaben und notwendige Investitionen müssen Vorrang haben. Schwerin sollte auf die Landesgartenschau 2035 verzichten.

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Autor des Artikels

Michaela Skott

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