
Toleranz auf Tour
Bildungsprojekt mit Tunnelblick
Was ist passiert?
Bund. „ToleranzRäume“ – diese mobile Ausstellung tourt durch deutsche Städte und lädt Bürgerinnen und Bürger ein, über Toleranz, Respekt und gesellschaftliches Zusammenleben ins Gespräch zu kommen. Seit 2023 wurden 88 Ausstellungen umgesetzt und mehr als 300.000 Besucher gezählt, für 2026 sind weitere 47 geplant. Interessierte Kommunen können die Ausstellung anfordern, die aus einem begehbaren Container und einem vorgelagerten, mit regenbogenfarbigen Bändern bestückten Gestell besteht.
Der Veranstalter Toleranz-Tunnel e.V. will mit den teils als Outdoor-, teils als Indoor-Version konzipierten „ToleranzRäumen“ niedrigschwellig politische Bildung vermitteln. Gegenüber dem Bund der Steuerzahler betont er, dass die Ausstellungen dank eigens entwickelter, umfangreicher Bildungsmaterialien „weit über eine klassische Ausstellung hinausgehen und als dialogorientiertes Bildungsformat wirksam“ seien. Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat das Projekt zwischen 2021 und 2025 mit insgesamt 9,23 Mio. Euro gefördert. Für 2026 sind weitere rund zwei Mio. Euro vorgesehen. Ein dauerhaft angelegtes Bundesprojekt zur Förderung von Respekt und Toleranz also. Was kann daran falsch sein?
Da wäre zum einen die Frage der Zuständigkeit. Bildung, auch politische Bildung, ist Ländersache. Dennoch existieren bereits jetzt auf Bundesebene zusätzliche Strukturen, die genau diesen Auftrag erfüllen und ebenfalls aus Steuermitteln finanziert werden. Im Bildungs- und Familienministerium stehen allein 2026 knapp 205 Mio. Euro für Demokratieförderung zur Verfügung. Und im BMI fließen jährlich über 100 Mio. Euro in die hauseigene Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Deren Aufgabe liest sich wie eine exakte Beschreibung der „ToleranzRäume“ – es gibt sogar einen eigenen Haushaltstitel zur „Förderung von Projekten für demokratische Teilhabe und gegen Extremismus“. Dort standen für 2025 und 2026 jeweils 17 Mio. Euro bereit, und ausgerechnet hier blieben 2025 Ausgabereste von 3,599 Mio. Euro.
Schon das vorhandene Geld für Anti-Extremismus-Projekte wird also nicht auf die Straße gebracht, stattdessen existieren im selben Etat zusätzliche millionenschwere Projekte. Vor diesem Hintergrund sind die „ToleranzRäume“ ein gut gemeintes „Nice-to-have“, aber ganz sicher keine Kernaufgabe des Innenministeriums, dessen Prioritäten bei der Inneren Sicherheit – inklusive Polizei und Schutz im Cyberraum – liegen sollten.
Und noch etwas ist kritisch zu betrachten: die Evaluation des Projekts. Die erfolgt durch ein wissenschaftliches Team der Universität Bielefeld, das sich selbst als „organischer Bestandteil“ des Projekts versteht und es beratend während der gesamten Laufzeit begleitet. Mit anderen Worten: Die Bewertung erfolgt durch Akteure, die eng in das Projekt eingebunden sind und von dessen Fortführung auch selbst profitieren. Wissenschaftliche Unabhängigkeit scheint da nicht wirklich gegeben zu sein.
Foto: BdSt/Jahoda
Der Bund der Steuerzahler meint
Toleranz und Respekt sind wichtige Werte. Doch ihre Vermittlung ist keine Kernaufgabe des Innenministeriums – erst recht nicht zusätzlich zu vorhandenen Projekten. Die „ToleranzRäume“ mögen gut gemeint sein, sind aber vor allem ein Beispiel für fehlende Priorisierung und Transparenz im Bundeshaushalt.
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