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  • Kostenexplosion
29.10.2019

Bei der Entwicklung eines neuen Schulverwaltungsprogramms sind die Kosten explodiert

Wie Digitalisierung besser nicht läuft!

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Was ist passiert?

Stuttgart. Das Kultusministerium scheint derzeit kein glückliches Händchen zu haben, was die Digitalisierung der Schulen betrifft. Nachdem bereits die Elektronische Lehrund Lernassistenz (ELLA) vorerst gescheitert ist, tut sich ein neues Millionengrab in der Schulverwaltung auf: das Amtliche Schulverwaltungsprogramm Baden-Württemberg (ASV-BW). Ziel war eine Software, die es ermöglichen sollte, die amtliche Schulstatistik elektronisch abzugeben, die Schüler- und Lehrerverwaltung zu organisieren und Formulare, Listen und amtlich vorgegebene Zeugnisvorlagen bereitzustellen.

Bereits 2006 wurde das Projekt zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie zwischen den Ländern Baden-Württemberg und Bayern vereinbart. Im darauffolgenden Jahr wurde der Projektvertrag unterschrieben. Die geplante Projektlaufzeit war 2007 bis 2008/2009 mit Option auf Verlängerung, und im Jahr 2008 wurden zur Finanzierung des Projekts 3,9 Mio. Euro bereitgestellt.

2008 begann dann schon das, was Softwareentwicklern Schweißperlen auf die Stirn und regelmäßig Kosten in die Höhe treibt: Die Anforderungen an die Software wurden durch das Land erweitert, z. B. sollte die Fremdsprachenabfolge im Land stärker berücksichtigt werden, 2009 folgte die nächste Erweiterung des Anforderungsprofils. Dazu gehörten Schülerdaten, die Optimierung der Programmoberflächen und die Anbindung an das zentrale Verwaltungsverfahren ASD-BW (Amtliche Schuldaten Baden-Württemberg).

2010 wurde als neuer Endtermin für das Vorhaben das Jahr 2011 bestimmt − aber nicht, ohne neue Anforderungen ins Pflichtenheft zu schreiben, wie z. B. eine erneute Anpassung der Programmoberfläche und zusätzliche Schnittstellen zu weiterer Software und Datenbanken. In jenem Jahr nun musste wegen der neuen Anforderungen die Finanzierung um weitere 4,7 Mio. Euro angehoben werden. Es wurde auch entschieden, eine stärker auf Baden-Württemberg ausgerichtete Version des Verwaltungsverfahrens zu ordern.

Als 2012 die Gemeinschaftsschule neu eingeführt wurde, hatte dies auch Auswirkungen auf die ASV. Die Programmierung der Oberstufenmodule für baden-württembergische Gymnasien und berufliche Schulen wurde 2013 durchgeführt. In jenem Jahre wurde die Projektfinanzierung erneut erweitert, diesmal um 3,8 Mio. Euro.

Ab 2015 konnten die Schulen ASV freiwillig nutzen. Der Erfolg war jedoch überschaubar. In einer Pilotgruppe nutzten gerade einmal 30 Schulen in Baden-Württemberg die Zwischenlösung SVP-BW. Erstmals abgegeben werden konnten Statistiken mit ASV-BW 2016. Diese Möglichkeiten nutzten 70 Schulen. Zum Vergleich: Laut amtlicher Statistik gab es in diesem Schuljahr rund 3.600 öffentliche allgemeinbildende Schulen im Land. Ein Jahr später wurde ASV-BW in 100 Schulen genutzt. Damit ASV-BW an allen Schulen genutzt werden konnte, wurden die Mittel erneut aufgestockt − jetzt um 6,1 Mio. Euro, eingepreist im Haushalt 2018.

2019 war es endlich soweit: Die amtliche Schulstatistik ist programmiert und wird seit Mai 2019 pilotiert. Läuft der Pilotversuch erfolgreich, soll ab Herbst der Echteinsatz für alle Schulen auf freiwilliger Basis erfolgen.

13 Jahre hat es gedauert, bis ASV-BW endlich einsatzfähig war − wenn auch nur auf freiwilliger Basis an mittlerweile rund 500 Schulen. Für die Steuerzahler besonders erschreckend: Die Kostensteigerung dieses Projekts erinnert an so manche Großbaustelle der öffentlichen Hand. Ursprünglich war von Kosten in Höhe von rund 4 Mio. Euro ausgegangen worden, schließlich haben sich die Kosten auf 18,5 Mio. Euro erhöht. Wenn man, wie der Rechnungshof, zusätzlich noch die Personalkosten für die Beteiligten an den Schulen, der Schulaufsicht und bei der IT Baden- Württemberg berücksichtigt, ergeben sich sogar Gesamtkosten in Höhe von rund 47 Mio. Euro – also fast eine Verzwölffachung des Kostenansatzes!

(Foto: Michael Weiss)

Alternative Investition

Für 47 Mio. Euro hätten 235.000 Tablets für die Digitalisierung in den Schulen zum Preis von je 200 Euro gekauft werden können.

Der Bund der Steuerzahler meint

Änderungen am laufenden Projekt führen nicht nur bei Bauwerken zu steigenden Kosten – das gilt auch für die EDV.

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Michael Weiss

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Bemerkungen :

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    Martin Gruber 01/11/2019 um 07:40

    In Bayern funktioniert die ASV bis heute nicht.