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29.10.2019

Aus dem Ruder gelaufen

Völlig überfordert! Bauprojekt gerät außer Kontrolle

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Was ist passiert?

Landkreis Lüneburg. Zunächst sollte die Arena „Lüneburger Land“ gemeinsam mit einem örtlichen Bauunternehmer als öffentlich- private Partnerschaft realisiert werden. Letztlich entschied der Landkreis Lüneburg jedoch, den Bau in Eigenregie durchzuführen und die Arena anschließend an einen Betreiber zu verpachten. Dieser schien im Juli 2017 auch gefunden, doch die Vertragsverhandlungen mit einem renommierten Konzertveranstalter gestalteten sich schwierig. Obwohl bereits verschiedene Änderungswünsche des potenziellen Betreibers in die Bauplanungen eingeflossen waren, brachen die Verhandlungen im April 2018 ab. Der Veranstalter gab an, die Arena sei unter den zugrundeliegenden Rahmenbedingungen nicht wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb setzte der Landkreis für den Betrieb der Arena im Anschluss auf einen Lüneburger Veranstalter.

Die Baukosten schnellten unterdessen in die Höhe. Innerhalb von knapp drei Jahren haben sich die Baukosten von zunächst 10,2 Mio. Euro im April 2017 bis zum Baubeginn im Januar 2019 auf knapp 20 Mio. Euro verdoppelt. Nur zwei Monate später war sogar schon von bis zu 25,8 Mio. Euro die Rede. Zu dem Zeitpunkt waren allerdings bereits Aufträge in Höhe von 10,2 Mio. Euro vergeben worden, sodass ein Abrücken von dem Bauvorhaben nur mit einem millionenschweren Verlust möglich gewesen wäre. Um weitere Kostensteigerungen zu verhindern, forderte der Bund der Steuerzahler eine umfassende Aufarbeitung der Hintergründe und regte auch eine Prüfung durch das Niedersächsische Innenministerium an. Das Ministerium folgte der BdSt-Empfehlung und bat den Landkreis im April 2019 um Stellungnahme in der Angelegenheit. Zusätzlich nahm das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises die Vorgänge rund um die Arena genauer unter die Lupe.

Die Liste der dabei aufgedeckten Versäumnisse ist lang: Mangelnde Fachkompetenz der Projektleitung, verbunden mit zu wenig Personal und selbstauferlegtem Zeitdruck, schlechte Kommunikation und Intransparenz hatten zu dem Arena-Chaos geführt. Demnach fehlte schon von Anfang an eine Präzisierung des gewünschten Leistungsumfangs sowie der technischen Anforderungen an die Arena, weshalb die Planungsunterlagen lückenhaft waren. Fehlerhafte Ausschreibungen sowie ein Verzicht auf Vergleichsangebote taten ihr Übriges. Wer behauptet, der Landkreis habe einfach mal drauflosgebaut, dürfte nicht falsch liegen. Nur ein kurioses Beispiel dafür: Bis heute gibt es kein belastbares Verkehrskonzept für die Arena. Dabei verfügt sie über nur rund 270 Parkplätze. Völlig unklar ist also, wie die bis zu 3.500 Arena-Besucher zu den Veranstaltungen an- und abreisen sollen. Am 30. August 2019 beschloss der Kreistag trotz Kostenexplosion am Bau der Arena festzuhalten. Vermutlich weil auch ein Arena-Ausstieg wegen Schadenersatzforderungen seitens der Bauunternehmen und des designierten Betreibers Kosten von über 10 Mio. Euro nach sich gezogen hätte.

Foto: Hans-Herbert Jenckel

Der Bund der Steuerzahler meint

Bei der Arena wurde eine Reihe häufiger Fehler beim öffentlichen Bauen begangen. Der Landkreis Lüneburg muss schnellstmöglich die nötigen strukturellen und personellen Konsequenzen aus dem Versagen auf der Arena-Baustelle ziehen.

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Autor des Artikels

Jan Vermöhlen

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