
15.000 Euro für ein Grünpflanzen-Projekt ohne Besucher
Parkdeck aufwendig begrünt, aber für Besucher gesperrt
Was ist passiert?
Stuttgart (BW). Die Passanten staunten im Juli des vergangenen Jahres nicht schlecht, als mitten in Stuttgart 30 mediterrane Pflanzen auf das oberste Deck eines Parkhauses an der Steinstraße gebracht wurden. Nach drei Monaten hatte die grüne, aber nicht winterfeste Pracht in luftiger Höhe ihren Dienst bereits getan und schwebte im Oktober wieder Box um Box nach unten.
Umsonst hatte es die fliegenden Stuttgarter Pflanzen allerdings nicht gegeben. Laut Auskunft der Stuttgarter Stadtverwaltung auf Bund der Steuerzahler-Anfrage beliefen sich die Kosten für das Hinaufbringen der Pflanzen auf 10.000 Euro, für das Herunterbringen auf 5.000 Euro. Nach dem Herunterbringen der Pflanzen stellte sich heraus, dass kein einziger Besucher die Pflanzen über den Dächern Stuttgarts je zu Gesicht bekommen hatte. Die 15.000 Euro waren somit ohne jeglichen Nutzen investiert worden.
Auf Anfrage des BdSt, wie es dazu kommen konnte, dass die grüne Oase nicht, wie ursprünglich geplant, für Besucher geöffnet hatte und die Pflanzen somit ein einsames Dasein in luftiger Höhe gefristet hatten, hieß es dazu Mitte November aus dem Rathaus: „Nachdem klar war, dass aus baurechtlichen Gründen 2024 niemand mehr das Parkdeck mit den Pflanzkübeln würde betreten dürfen, stieß Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper im Ältestenrat am 11. Juli erneut eine Diskussion zum Thema an. Trotz der Hinweise der Verwaltung, dass es widersinnig sei, ein Parkhausdeck als ,Pocket Park‘ zu bepflanzen, wenn niemand es betreten könne, blieb die Mehrheit des Ältestenrats der Meinung, dass die Pflanzen aufs Dach zu bringen seien.“
Eines lässt sich bei der Posse um die fliegenden Stuttgarter Pflanzen festhalten: Beim Projekt „Pocket Park“ ist im Sommer 2024 ziemlich viel schiefgelaufen. Dennoch wollte die Stadt Stuttgart im Frühjahr 2025 einen erneuten Versuch wagen, das oberste Parkdeck zu begrünen. Die dafür vorgesehenen Kosten inklusive des für die abendliche Schließung verantwortlichen und laut Stadt notwendigen Wachdienstes: 80.000 Euro.
Erst Ende vergangenen Jahres kam dann, wohl auch durch medial geäußerte Kritik – unter anderem vom BdSt Baden-Württemberg – Bewegung in die Angelegenheit. Die Fortsetzung des „Pocket Parks“ wurde immer fraglicher. Im Februar 2025 lehnten die Stadträte eine Fortsetzung des Projekts dann mit knapper Mehrheit ab; ein mitentscheidender Faktor bei der Abstimmung war auch die Stimme von Stuttgarts OB Frank Nopper, der sich gegen das Projekt aussprach.
Foto: Daniel Bilaniuk
Alternative Investition
Für 15.000 Euro hätte man ca. 25 Parkbänke in Stuttgarter Grünanlagen aufstellen können.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert
In Stuttgart wurden 15.000 Euro an Steuergeldern für das Hin- und Hertransportieren von Pflanzen auf einem Parkhausdeck ausgegeben, die die Besucher nie zu sehen bekamen.
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