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Trierer Hexengeld seit über 400 Jahren

Verpflichtet 430 Jahre alter Schuldschein Trier zu ewigen Zinszahlungen?

Was ist passiert

Trierer Hexengeld seit über 400 Jahren

Seit rund 430 Jahren zahlt die Stadt Trier Zinsen an die Kirchengemeinde Liebfrauen. Grund dafür ist, dass ein wohlhabender Bürger von Trier seinerzeit als „Hexenmeister“ verbrannt wurde, dessen Schuldschein den Besitzer wechselte und Trier zu vermeintlich ewigen Zinszahlungen verpflichtet wurde.

Was war geschehen? Im Trier des 16. Jahrhunderts lebte der vermögende Dietrich Flade, vormals eine hoch angesehene Persönlichkeit. Von Beruf war er Stadtschultheiß, Rektor der Universität und kurfürstlicher Rat. Als Richter soll er selbst zahlreiche Hexenprozesse geleitet und Todesurteile gefällt haben. Bittere Ironie der Geschichte: Im Jahre 1589 wurde Flade selbst als Hexenmeister angeklagt, gefoltert und verbrannt.

Nach seinem Tod ging ein Schuldschein von 4.000 Goldgulden, welche er der Stadt Trier geliehen hatte, an Johann VII. von Schönenberg. Dieser war in Personalunion Trierer Kurfürst und Erzbischof. Er verpflichtete die Stadt wiederum, fortan die Zinsen des Schuldscheines an die örtlichen Pfarreien zu zahlen.

Als Rechtsnachfolger der damaligen kurfürstlichen Verwaltung ist die Stadt Trier nach eigenen Angaben noch heute an die Zahlungspflichten gebunden. Auf Basis des uralten Schuldscheins erhält die katholische Pfarrei Liebfrauen in Trier derzeit Zinsen von rund 360 Euro pro Jahr. Die Stadt würde diesen Posten zwar gerne aus ihrem Haushalt streichen, aber die Kirche beharrt bis heute auf die Zahlungen.

Foto: SBVguenter/Pixabay

Der Bund der Steuerzahler meint

An sich geht es pro Jahr nicht um viel Geld, aber manchmal geht es auch ums Prinzip – und beim makabren Hexengeld stellt sich schon die Frage, ob der ganze Vorgang nach heutigen Maßstäben nicht als sittenwidrig zu betrachten ist. Denn die Zahlungen basieren letztlich auf einem Unrechtsurteil mit Hinrichtung. Insofern ein Vorschlag zur Güte: Wenn es Hexerei nicht gibt – und davon gehen alle Beteiligten doch wohl aus – wäre es für die Kirche nach über vier Jahrhunderten endlich an der Zeit, sich im freiwilligen Verzicht zu üben.

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Autor des Artikels

René Quante

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Kommentare (3)

  • Matthias J. Thömmes
    Matthias J. Thömmes
    am 19.08.2019
    Sehr reißerisch, diese Darstellung des Bundes der Steuerzahler und historisch nicht präzise. Es handelt sich weder um "Blut-" noch um "Hexengeld". Dietrich Flade wurde, wie die allermeisten anderen Opfer der Hexenverfolgung, von einem weltlichen Gericht verurteilt und hingerichtet, nicht von einem kirchlichen. Nach heutigem Verständnis handelt es sich wohl eher um einen Justizmord.
    Desweiteren ist die Stadt Trier nicht Rechtsnachfolger der damaligen kurfürstlichen Verwaltung: Die Stadt Trier ist Rechtsnachfolger des damaligen "Rates, der Schöffen und des Bürgermeisters" der Stadt Trier, wie sie in der Urkunde ausdrücklich genannt werden. Diese wiederum standen aber, Gebietskörperschaften waren anders verfasst als heute, unter Aufsicht eines Schultheißen, der Statthalter des Kurfürsten, also der Landesregierung war. Rechtsnachfolger der kurfürstlichen Verwaltung sind die heutige rheinland-pfälzische Landesregierung und ihre nachgeordneten Behörden (ADD etc.) Das Land führt nicht ohne Grund auch das kurtrierische Kreuz im Wappen.
    Die Urkunde, ausgestellt am 4. März 1590 in Montabaur und gesiegelt vom kurfürstlichen Notar Wilhelm von Biedborg, ist erhalten. Und besagt folgendes:
    "Dieweil wir dan in Doctor Dietherichen Fladens Verlassensehait einen Brieff vier thausent goltgulden Hauptgelts besagent vff Vnserer Stat Trier finden, daruber vnss auss sonderbaren Yrsache n. wie euch vielleicht bewust sein raagh, zu disponiren zustehet, so seindt wir dieselbe in der Pfarren, nemligh zu St. Gangolff, St. Laurentius, vnd St. Paulus ahn ein Jeder orth, einthausent, zu St. Anthonius aber (daselbsen wir vor Jaren auch einen altar zu St. Paulin incorporiert haben) vnd St. Gervasius jedess endts funft'bondert goltgulden zuuerordnen gemeindt, also vnd dergestalt, dass die zur Zeit verordnete Kirchenmeister die Pension hinfuro jarlichs dauon heben, vnd verrechnen sollen, vnd damit die Kirchen dessen woll versichert seien, diese Hauptuerschreibungh inn funf vnderschiedliche Yerschreibungen jeder Kirchen eine verendert, vnd alss dan die andere cassirt werde, welches nit allein zu besserer der Pastoren Ynderhaltungh, sonder auch euch selbst, vnd gemeiner Ynserer Stat zu nutzen gereicht"...
    Was daran sittenwidrig (im juristischen aber auch im ethisch-moralischen Sinne) sein soll, dass eine Landesregierung als Erbe eines Vermögens eine andere Körperschaft dazu verpflichtet, den Ertrag aus einem anzulegenden Vermögen einem Dritten zu überlassen, erschließt sich mir nicht.
    • Rene Quante
      Rene Quante
      am 19.08.2019
      Sehr geehrter Herr Thömmes,

      die pointierten Sachinformationen unseres Artikels entsprechen den Auskünften der Trier Stadtverwaltung. Das Flade von einem weltlichen Gericht verurteilt und hingerichtet wurde, wissen wir. Und wenn Sie den Artikel genauer lesen, erkennen Sie problemlos, dass wir dafür auch keinem kirchlichen Gericht die Schuld geben.

      Doch so oder so wurde Flade wegen „Hexerei“ hingerichtet. Insofern haben wir auch die Bezeichnung „Hexengeld“ für diesen Fall gewählt. Von einem „Blutgeld“ haben wir dagegen nie gesprochen. Bedauerlich, dass Sie uns Fehler vorwerfen, aber selbst reißerische wie falsche Unterstellungen tätigen.

      Was die mögliche Sittenwidrigkeit betrifft: Wie geschrieben, sehen wir den Vorgang als Unrechtsurteil mit Hinrichtung an. Sie sprechen sogar von einem „Justizmord“. Wenn es Hexerei nun nicht gibt – und davon gehen alle Beteiligten heute wohl aus – war Flade offenkundig unschuldig. War er unschuldig, hatte Johann VII. rückblickend kein Recht, Flades Vermögen oder Vermögensansprüche einzuziehen oder an Dritte (dauerhaft) zu verschenken. Entsprechend § 138 BGB sollte diese Verfügung daher null und nichtig sein!

      Um § 138 BGB zu zitieren:

      (1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
      (2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft, durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.

      Sie sehen, dass die „Vermögensvorteile für Dritte“ ausdrücklich miteinbezogen sind.
  • Wolf-D. Hieronymus
    Wolf-D. Hieronymus
    vor 3 Wochen
    Schön, wenn die Leut keine echten Sorgen haben!

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