Es ist Zeit Ihren Browser upzudaten!

Ihre Browserversion ist zu alt und wird von dieser Webseite nicht unterstützt. Es kann deshalb zu fehlerhaften Darstellungen von Inhalten kommen.

Darum sollten Sie updaten:
  • Webseiten laden schneller
  • Webseiten werden korrekt und schöner angezeigt
  • Sie surfen sicherer und sind besser gegen Phishing-Angriffe geschützt
Schließen


Besuchen Sie uns

Ein Angebot vom BDST
  • Hessen
  • Richtig skurril!

Luxusunterkunft für Tauben in ruhiger Lage

Teures Domizil am Rande der Fuldaer Innenstadt wird von der gefiederten Zielgruppe kaum angenommen

Was ist passiert

Luxusunterkunft für Tauben in ruhiger Lage

Fulda. Stadttauben finden in vielen Innenstädten ausreichend Nahrung, vermehren sich mitunter rasant und verschmutzen mit ihrem Kot das Stadtbild. Dadurch werden sie oft als Plage empfunden. So auch in Fulda. Im Jahr 2013 entschied sich daher der Magistrat der osthessischen Stadt, mit einem sogenannten Taubenhaus aktiv gegen die „Plagegeister“ vorzugehen. Eine solche Einrichtung ist ein erprobtes und zugleich tiergerechtes Mittel, um die Anzahl der Vögel zu minimieren. Die Stadttauben bekommen dort Futter, Wasser und Nistfläche, in der Hoffnung, dass sie öffentlichen Straßen und Plätzen dann fernbleiben. Die dort gelegten Eier werden regelmäßig durch Gips- oder Kunststoffattrappen ausgetauscht.

Allerdings fanden die Fuldaer Verantwortlichen in innerstädtischer Lage keinen geeigneten Standort. Alternativ wurde deshalb ein Taubenhaus am Rande der Innenstadt, zur Fulda-Aue hin, errichtet. Hinzugezogene Fachleute bewerteten den Standort zwar als nicht optimal, aber gut geeignet. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. Wurden hier bestehende Zweifel nicht ernst genug genommen? Der Deutsche Tierschutzbund, der in Fulda nicht eingebunden war, weist darauf hin, dass die Wahl des Standorts entscheidend für den Erfolg eines Taubenhauses sei. Da Stadttauben Nachkommen entflogener Haustauben sind, ist ihr Leben eng an das des Menschen geknüpft. Als Felsenbrüter nutzen sie am liebsten hochgelegene Balkone, Mauernischen und Simse – deshalb fühlen sich diese Vögel in Innenstädten besonders wohl.

Das im Mai 2015 eröffnete Taubenhaus ist 9 Meter hoch und bietet 196  Nistplätze. Die Baukosten wurden zunächst auf 30.000 bis 40.000  Euro geschätzt, erhöhten sich dann aber auf rund 55.500  Euro. Ursache dafür waren unter anderem ein aufwendiges Fundament sowie der Anschluss an das Stromnetz, der für Innenbeleuchtung und Reinigungsgeräte benötigt wird. Hinzu kamen noch einmalig 15.000  Euro an Personal- und Betriebskosten. Unter dem Strich beläuft sich die Summe auf 70.500  Euro.

Doch der Plan, die Tauben aus der Innenstadt an die Fulda-Aue zu locken, ging nicht auf. Diese grüne Oase entspricht nämlich so gar nicht der urbanen Umgebung, die Stadttauben bevorzugen. So übernachten in Fuldas Taubenhaus durchschnittlich lediglich 60 bis 80  Tiere. Im April 2018 waren nur 12  Brutpaare dort. Dass es besser geht, zeigt der Vergleich mit anderen Städten: In Wiesbaden lagen beispielsweise die Kosten eines Taubenschlags für 200 Tauben bei 5.000  Euro und in Frankfurt wurden 12.000  Euro für ein Taubenhaus ausgegeben. Den Unterschied macht die Lage aus: In Wiesbaden und Frankfurt wurden die neuen Taubenbehausungen in bereits bestehenden Parkhäusern untergebracht, sodass die Herstellungskosten geringer waren. Weil sich die Bauten zudem in der gewohnten Umgebung der Tauben befinden, werden diese Einrichtungen viel besser von den Tieren angenommen: 2017 wurden in Wiesbaden an fünf Standorten insgesamt 2.481  Eier ausgetauscht, in Fulda waren es gerade mal 80. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis fällt daher in Fulda vergleichsweise düster aus.

Das zeigt: Der Bau der Stadttaubenbehausung abseits ihres natürlichen, urbanen Lebensraums war ein Fehler. Doch weil das viele Geld nun einmal an der falschen Stelle ausgegeben ist, bleibt nun wohl nur noch die Hoffnung, dass sich doch noch irgendwie weitere Tauben in das Luxusdomizil an der Fulda-Aue locken lassen.

Foto: Moritz Venner

Der Bund der Steuerzahler meint

Taubenhäuser können eine sinnvolle Sache sein, wenn sie richtig geplant werden. Auf das kaum genutzte Taubenhaus außerhalb des natürlichen Lebensraums der Tiere hätte die Stadt Fulda besser verzichten sollen.

Alternative Investitionen

Für 70.000 Euro hätte Fulda rechnerisch 14 Taubenschläge im „Wiesbadener Stil“ bauen können.

Fragen an den Autor

Autor des Artikels

Eva Kugler

E-Mail schreiben
Sag uns deine Meinung

Teil uns mit, was du denkst!

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Die mit dem (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden. Der Kommentar erscheint unter Angabe Ihres Namens auf unserer Internetseite, die E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.