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Die Goldene Stunde der Charité

Teure Kunst am Bau trotz Sanierungsstau in Milliardenhöhe

Was ist passiert

Die Goldene Stunde der Charité

An der Brandwand gegenüber dem Haupteingang des sanierten Bettenhochhauses an der Berliner Luisenstraße hängt seit Dezember 2017 ein 8,5­ m großes, abstrahiertes, goldenes Zifferblatt mit ausgesparten Stunden- und Minutenstrichen. An der Wand im Innenhof des Charité-Baus erscheint das Zifferblatt in inverser Weise.

Laut Berliner Senatsverwaltung für Kultur dient diese Kunst am Bau dem Ziel, sich mit zeitgenössischen Mitteln sowohl inhaltlich als auch räumlich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Lehre, Forschung und Geschichte mit dem Standort auseinanderzusetzen. Frontal gegenüber dem Charité-Haupteingang platziert wirke die Arbeit wie eine goldene Sonne, ein stimulierendes, positives Signal für Patienten und Besucher. Als magische Form sei sie ein Eyecatcher weit in die Luisenstraße hinein. Positiv- und Negativform würden sich in der räumlichen Vorstellung des Betrachters zur gefüllten Kreisform komplettieren. Der Kreis schließe sich im wahrsten Sinne des Wortes: etwas werde „rund“. Auch der Begriff der Vanitas – der Vergänglichkeit – spiele in die Installationen hinein, werde jedoch in Gold sogleich positiv in einen Bestandteil des Lebens, gerade auch eines Krankenhauses, verwandelt.

Zumindest wird das 450.000 Euro teure goldene Zifferblatt voraussichtlich weniger vergänglich als manches andere Irdische sein: Der 3 mm starke Edelstahl ist industrie-spiegelpoliert, PVD-beschichtet und soll extrem dauerhaft, wetterfest, farbstabil und damit für den Außenbereich prädestiniert sein.

Zunächst veröffentlicht war in der Wettbewerbsauslobung jedoch nur ein Kostenrahmen von 280.000 Euro für die Realisierung und 44.000 Euro für Preisgelder und Aufwandsentschädigungen. Der zunächst nicht veröffentlichte Differenzbetrag von weiteren 126.000 Euro ergab sich für Verfahrenskosten des Wettbewerbs und die Bezahlung der Juroren. 

Die „Goldene Stunde“ bezeichnet in der Notfallmedizin den Zeitraum, in der Patienten gerettet werden können und steht hier laut Preisträger im erweiterten Sinne auch als Metapher für den „goldenen“ Moment der Heilung. Für die finanzielle Genesung der Berliner Kliniken steht es allerdings auf fünf vor zwölf. Denn diese schieben einen Sanierungsstau in Milliardenhöhe vor sich her.

Foto: Alexander Kraus

Video zum Fall

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Angesichts des immensen Sanierungsstaus an den Berliner Kliniken wäre eine transparente Darstellung der Gesamtkosten für die Kunst am Bau angebracht gewesen. Ebenso eine Abwägung, wieviel lebensrettende Medizintechnik mit diesem Geld angeschafft werden könnte.

Alternative Investitionen

Alternativ hätte mehr Geld in bessere Arbeitsbedingungen an der Charité investiert werden können.

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Autor des Artikels

Alexander Kraus

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Kommentare (6)

  • Dr. P. Helmbold
    Dr. P. Helmbold
    am 06.11.2018
    Kunst am Bau ist eine wichtige Sache und in D-Land unterrepräsentiert. Ich denke, wenn Sie da den Neid wecken, ist das nicht gut. Die Summe sollte in guter Relation zu den Baukosten stehen. Leider ist das hier nicht berücksichtigt.Künstlerverbände fordern hier gute relationen. Mal ehrlich, es wird och fast nur noch Zweckbau betrieben. Das ist schade. ich finde die Uhr o.k. und im Vergleich zu Baukosten Peanuts.
    • Alexander Kraus
      Alexander Kraus
      am 07.11.2018
      Kunst am Bau und Kunst im Stadtbild sind in Berlin in der Verwaltungsvorschrift ABau mit 1-2 Prozent und gewissen Obergrenzen vorgeschrieben. Die 450.000 Euro liegen nach Angaben der Verwaltung gemessen an den gesamten Baukosten für die Charité-Sanierung wohl in diesen Grenzen. Nach den Auslobungsunterlagen konnte man das aber kaum anders verstehen, dass die dortige Auflistung mit 324.000 Euro abschließend war. Erst auf Nachfrage von uns wurde mitgeteilt, dass es noch weitere Kosten gab. Unser Vorwurf ist, dass das nicht transparent kommuniziert wird und die wahren Kosten für Kunst am Bau verschleiert werden sollten, um damit auch Kritik klein zu halten.

      Kritik von einem Künsterverband haben wir auch schon erfahren. Aber das ist natürlich deren Interessenlage. Ärzte in der Charité hätten sich lieber bessere Ausstattung gewünscht. Das ist deren Interessenlage. Die Frage ist, ob Kunst am Bau wirklich eine wichtigere Sache ist, als die Beseitigung von einem gefährdenden Investitionsrückstau.

      Ein weiterer Punkt ist, dass Kunst am Bau historisch ein sozialpolitisches Instrument war, um notleidenden Künstlern ein Auskommen zu sichern. Das ist heutzutage wegen der bestehenden Sozialsysteme natürlich nicht mehr notwendig.

      Also als Fazit: Unsere Kritik an Kunst am Bau ist insbesondere auch ein Vehikel, plakativ auf die bestehenden Mißstände in vielen Politikbereichen hinzuweisen: Straße, Brücken, Gehwege, Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude und Krankenhäuser sind stark sanierungsbedürftig, aber es immer noch Geld da, um Kunst dranzuhängen! So ungefähr soll unsere Argumentation verstanden werden.

      Viele Grüße
      Alexander Kraus
      Vorsitzender Bund der Steuerzahler Berlin e.V.
  • Dembkowski Dietmar
    Dembkowski Dietmar
    am 07.11.2018
    Ich finde es erst mal richtig das solche Missstände aufgedeckt werden.Vermisse jedoch die Konsequenzen für die Verursacher.So hat die Sache keinen Sinn.Setzen Sie sich für mehr Gerechtigkeit ein und verlangen sie, das das aufführen von Steuerverschwendung zu Konsequenzen fürt
    • Alexander Kraus
      Alexander Kraus
      am 08.11.2018
      Vielen Dank, Herr Dembkowski, der Bund der Steuersteuerzahler setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Steuergeldverschwendung ebenso zu strafrechtlichen Konsequenzen führt, wie Steuerhinterziehung. Beides schädigt das Gemeinwohl in gleicher Weise. Die politische Bereitschaft hierzu ist aber offenbar nicht ausgeprägt genug. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Aber steter Tropfen höhlt den Stein...

      Unsere Vorschläge hierzu finden Sie auch auf unserer Seite unter folgendem Link:

      https://www.steuerzahler.de/Verschwendung-von-Steuergeld-bestrafen/41447c49920i2p1702/index.html

      Viele Grüße
      Alexander Kraus
      Vorsitzender Bund der Steuerzahler Berlin e.V.
  • C. Trossler
    C. Trossler
    am 10.11.2018
    Ich verstehe, dass man sich über die immensen Kosten für EIN Kunstwerk aufregt. Dass man es ausgerechnet an einem Krankenhaus ausgibt, welches sicherlich kein Geld übrig hat um selbst etwas für Optik auszugeben, finde ich aber nicht falsch. Der Punkt ist doch der, dass man von dem Geld eben nicht das Krankenhaus hätte sanieren können sondern nur anderswo in Kunst hätte investieren können. Die Budgets für Krankenhaussanierung, Krankenhausausstattung oder die Gehälter der dort Arbeitenden haben absolut nichts mit dem Budget für Kunst zu tun. Man darf sich also höchstens darüber aufregen, dass es letzteres überhaupt gesetzlich gibt, und sich dafür einsetzen, dass es Kunst höchstens im Museum zu sehen gibt. Ob das erstrebenswert ist, darf jeder für sich entscheiden.
    • Alexander Kraus
      Alexander Kraus
      am 13.11.2018
      Worum es in dem Text eigentlich geht ist der Umstand, dass es an den Kliniken in der Hauptstadt einer der reichsten Industriestaaten überhaupt einen Sanierungsrückstau von über einer Milliarde Euro gibt. Und die Kliniklandschaft ist dabei auch nicht die einzige Baustelle. Auch die Straßen, Gehwege, Brücken, öffentliche Gebäude incl. Feuerwachen, Polizeiwachen, Kitas, Schulen und Verwaltung sind ebenfalls in Teilen marode.

      Was aber immer funktioniert: Kunst am Bau und Kunst im Stadtbild. So war z.B. am BER die Kunst ab Bau schon vor Jahren fertig!!!

      Ihr Einwand mit den Budgets ist vordergründig nach dem Haushaltsrecht natürlich richtig. Ökonomisch ist es dann aber eben doch ein Topf. Der Euro für die Kunst kann nicht mehr anderweitig ausgegeben werden.

      Dabei könnte auf Kunst am Bau ganz einfach verzichtet werden. Wenn auch Kulturförderung oftmals als Verfassungsauftrag angesehen wird, bestünde wohl kaum das Risiko, das jemand den Staat auf Schadenersatz verklagt, wenn es mal KEINE Kunst am Bau gibt. Ganz anders sieht es aus, wenn der Staat seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachkommt (s. Urteil bzgl. Unfällen auf Gehwegen). Meine Meinung: Erst die Pflicht, dann die Kür!!!

      Bei der "goldenen Stunde" war zudem ärgerlich, dass die Gesamtkosten in den Wettbewerbsunterlagen den Eindruck erweckt haben, dass das deutlich weniger Kosten verursacht. Hier wäre dann vom Bauherrn wenigstens Transparenz über die Verwendung von Steuergeld wünschenswert gewesen.

      Ein weiterer Punkt ist, dass Kunst am Bau historisch ein sozialpolitisches Instrument war, um notleidenden Künstlern ein Auskommen zu sichern. Das ist heutzutage wegen der bestehenden Sozialsysteme natürlich nicht mehr notwendig.

      Viele Grüße
      Alexander Kraus
      Vorsitzender Bund der Steuerzahler Berlin e.V.

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