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Trauerspiel Gorch Fock

Seit 2010 hat die Bundeswehr mehr als 150 Mio. Euro für Reparaturen an der Gorch Fock ausgegeben

Aktuelle Entwicklung

Marode Schiffsreste müssen jetzt verschrottet werden!

Katastrophale Situation für das einst stolze Segelschulschiff Gorch Fock: Offenbar wusste die Führung der Marine schon lange über den maroden Zustand des Schiffs Bescheid, ohne die Ministerin und die Öffentlichkeit darüber informiert zu haben. Dies geht aus einem geheimen Bericht des Bundesrechnungshofs über die Sanierung des Schiffs hervor, aus dem SPIEGEL online vorab zitiert hat.

Im Einzelnen: Nach der Berichterstattung des Nachrichtenportals soll Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit falschen und unvollständigen Vorlagen dazu bewegt worden sein, zusätzliche Millionen für die Sanierung zu bewilligen. Und: Der für Unfallermittlungen zuständige Havariekommissar der Marine soll bereits 2011 erhebliche Zweifel an der Seetüchtigkeit des Schiffs in einem Bericht geäußert haben. Dennoch sei das Segelschulschiff Gorch Fock zu Ausbildungsfahrten in den Nordatlantik geschickt worden. Als Bund der Steuerzahler fordern wir: Die Verantwortlichen müssen Erklärungen liefern! Wenn sich die skandalösen Zustände bewahrheiten, muss dies personelle Konsequenzen haben.

Indes laufen gegen Mitarbeiter der Bundeswehr und der am Bau beteiligten Firmen staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts. Deshalb hat Ministerin von der Leyen zunächst alle Zahlungen an die Werft gestoppt. Wir sagen: Richtig so, denn bis zur vollständigen Aufklärung der Bestechungsvorwürfe – bis zum Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen und der Aufarbeitung der Vorwürfe des Bundesrechnungshofs werden vielleicht Jahre vergehen – sollte kein Geld der Steuerzahler mehr fließen! Generell dürfen weitere Millionen für die Sanierung eines schrottreifen Schiffs nicht mehr bewilligt werden!

Jetzt bleibt nur ein Ende mit Schrecken: Die Reste der einstmals als Stolz der Bundesmarine bezeichneten Gorch Fock müssen verschrottet werden! Apropos Stolz: Wenn sich die Verantwortlichen als unfähig erweisen, das Aushängeschild der Marine ordnungsgemäß zu unterhalten und systematisch instand zu setzen, dann taugt dieses Schiff auch nicht mehr als Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland. Vom positiven Image bleibt wohl nur die Erinnerung an ein Pleiten-, Pech- und Pannenschiff, das sich zum Millionengrab der Steuerzahler entwickelt hat. 

Was ist passiert

Trauerspiel Gorch Fock

Kiel. Die heutige Gorch Fock wurde 1958 als Segelschulschiff für die Bundesmarine gebaut. Neben der seemännischen Grundausbildung für den Offiziersnachwuchs diente sie immer auch repräsentativen Zwecken. Die weiße Dreimastbark war ein Sympathieträger nach innen und außen.

Zwei Todesfälle auf Ausbildungsfahrten 2008 und 2010 beschädigten das Image. Seit dieser Zeit lassen auch die Hiobsbotschaften über den Zustand des Schiffes nicht nach. Immer wieder wird eine Werft mit überschaubaren Instandsetzungsarbeiten beauftragt, die sich anschließend als Fass ohne Boden erweisen. So gab es 2010 eine Generalüberholung, die 4,8  Mio. Euro kosten sollte. Schlussrechnung: 7,5  Mio. Euro. 2012 musste das Schiff schon wieder in die Werft, weil unerwartete Rostschäden am Rumpf entdeckt wurden. Aus der ursprünglichen Auftragssumme von 2  Mio. Euro wurden am Ende 9,6  Mio. Euro. 2013 sollten die durchgeführten Instandsetzungsarbeiten noch einmal überprüft werden; hier wurden aus 0,4  Mio.  Euro am Ende 1,2  Mio. Euro. 2016 wurde schon wieder eine Grundinstandsetzung fällig. Hierfür rechnete die Bundeswehr anfangs mit 10  Mio. Euro Kosten. Heute wissen wir, dass die Arbeiten insgesamt mindestens 135  Mio. Euro verschlingen und das Schiff für 2 ½  Jahre nicht einsatzbereit ist. Rechnet man nur die Werftaufenthalte seit 2010 zusammen – in immer derselben Werft –, so hat die Bundeswehr Aufträge von 17,2  Mio.  Euro erteilt und die Werft am Ende über 150  Mio.  Euro abgerechnet.

Der Bund der Steuerzahler hatte schon beim Auftreten der außergewöhnlichen Rostschäden am Rumpf gefordert, das Schiff aufzugeben und neu zu bauen. Dieses wäre sicherlich die günstigere Lösung gewesen. So ist die aus der Fernsehwerbung bekannte Alexander von Humboldt II im Jahr 2011 für gerade einmal 15  Mio. Euro in Bremen neu gebaut worden. In Presseberichten ist zu lesen, dass andere Marinestreitkräfte neue Segelschulschiffe für 20 bis 40  Mio.  Euro haben bauen lassen.

Doch die Bundeswehr rechnet anders: Sie ging zunächst davon aus, dass ein Neubau 100  Mio. Euro kosten würde. Ende des Jahres 2017 wurde der dafür berechnete Finanzbedarf plötzlich auf 170  Mio. Euro erhöht. Damit glaubte man, die Fortsetzung der Reparaturarbeiten rechtfertigen zu können. Und während ursprünglich der Neubau des Schiffes für 2025 angestrebt war, soll dieser jetzt erst 2040 in Angriff genommen werden.

Für den Laien stellt sich außerdem eine andere Frage: Wie kann ein Schiff, das rund um die Uhr von einer Stammbesatzung mit Fachleuten und schiffstechnischen Offizieren betreut wird, innerhalb kürzester Zeit so marode sein, dass es praktisch komplett erneuert werden muss? Die rumänische Mircea, die zeitweise als Ersatz für die Gorch Fock von der Bundeswehr genutzt wurde, und die portugiesische Sagres wurden 1938 als Schwesterschiffe der damaligen Gorch Fock (heute ist sie ein Museumsschiff in Stralsund) in Hamburg gebaut. Sie sind nach wie vor als Segelschulschiffe im Einsatz, ohne dass vergleichbare Instandsetzungsarbeiten notwendig geworden sind.

Foto: Bundeswehr

Der Bund der Steuerzahler kritisiert

Wir kritisieren, dass so viel Geld in einen rostigen alten Kahn gesteckt wurde, obwohl ein Neubau deutlich günstiger gewesen wäre. Außerdem muss die Bundesmarine die Qualität bei Wartung und Pflege ihrer Schiffe deutlich verbessern.

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Autor des Artikels

Rainer Kersten

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Kommentare (2)

  • Kevin
    Kevin
    am 09.11.2018
    Bei allem Respekt für den Autor des Artikels die Mircea lässt sich in keinster Weise mit der Gorch Fock vergleichen. Es gibt bedeutende bauliche Unterschiede und gerade die Sicherheits Standards an Bord der Mircea sind katastrophal. Der Grund weshalb das Schiff nicht genauso überholt wird die Fock ist schlicht das der Rumänischen Marine das Geld fehlt.
  • Christian
    Christian
    vor 1 Woche
    Toller Bericht. Bitte vor Verschrottung zum Verkauf anbieten. Hätte Interesse oder Investoren.

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