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Rasenheizung – unbenutzt und unbezahlt

Die Stadt Erfurt hat in ihrem Stadion eine völlig nutzlose Rasenheizung eingebaut.

Was ist passiert

Rasenheizung – unbenutzt und unbezahlt

Erfurt. Der Wunsch nach einem modernen Stadion vereinte in Erfurt jahrelang die Führung des Drittligavereins FC Rot-Weiß-Erfurt, die Fans und viele Vertreter der Regionalpolitik und der Wirtschaft. Wenigstens eine Rasenheizung sollte doch machbar sein, um im Winter bei Frostgraden auf einem grünen Platz Fußball zu spielen – ein Traum. Die erwarteten enormen Betriebskosten stellten allerdings bis dato eine hohe Hürde dar.

Nachdem 2009 aber eine Studentin der Fachhochschule Erfurt in ihrer Masterarbeit beschrieben hatte, dass die Rasenheizung mit der Abwärme der naheliegenden Eishalle betrieben werden könne, gab es kein Halten mehr. Die Regionalzeitung berichtete, dass es im November 2009 im Stadtrat zu heftigen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern kam. Eine Rasenheizung sei laut DFB-Vorschriften ohnehin notwendig, und außerdem peile der Fußballclub den Aufstieg in die 2. Bundesliga an, so die Argumente der Befürworter. Die Gegner verwiesen auf Kosten-Nutzen-Bedenken und die Verhältnismäßigkeit gegenüber der Förderung des sonstigen Freizeit- und Breitensports in der Stadt. Die Befürworter setzten sich durch. Der Stadtrat beschloss den Einbau der Rasenheizung. Gut 800.000 Euro sollten investiert werden.

Bei der Detailplanung für die Rasenheizung zeigte sich das Problem, dass die Abwärme der Eishalle nicht bei längerfristig tieferen Temperaturen ausreicht. Es wurde ein zusätzlicher Anschluss an die Fernwärmeversorgung notwendig. Trotz aller Widrigkeiten konnte Ende November 2010 zum ersten Frost die Rasenheizung in Betrieb genommen werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf insgesamt 887.313 Euro netto. Zur Refinanzierung dieser Investition sollte der Fußballclub ein zusätzliches pauschales Nutzungsentgelt von 3.000 Euro pro Heimspiel zahlen, sodass der Erfurter Sportbetrieb nach 16 Jahren seine Vorfinanzierung wiedererstattet bekommen hätte.

Die Jahre gingen ins Land. Im Winter wurden die Fußballspiele derweil bei Frostgraden abgesagt und verschoben, die Rasenheizung blieb ungenutzt. Nachfragen der Stadträte zu den Gründen wurden mit dem Verweis auf die hohen Betriebskosten der Rasenheizung und die angespannte Finanzsituation des Fußballclubs beantwortet.

Mit der Insolvenz des Fußballvereins im März 2018 kommen so langsam weitere Details ans Licht. Eine Rasenheizung war laut DFB-Vorschriften 2009/2010 für die 3. Bundesliga ausschließlich eine Empfehlung. Die weiteren Kosten des Erfurter Eigenbetriebs für die Rasenheizung belaufen sich bis zum 30.06.2018 auf 99.946 Euro für Zinsen und Wartung. Zudem wurden nach Auskunft der Stadt bisher keine Nutzungsentgelte für die Rasenheizung eingenommen.

Auch einen Vertrag oder eine Vereinbarung mit dem Fußballclub über die Zahlung von Nutzungsentgelten gab und gibt es bis heute nicht. Über diese Missstände wurden die zuständigen Gremien der Stadt (Stadtrat, Fachausschüsse und Werkausschüsse) offensichtlich zu keiner Zeit konkret informiert.

Foto: Arena GmbH Erfurt

Der Bund der Steuerzahler meint

Zusätzliche Leistungen für Profifußballvereine sollten auch von diesen bezahlt werden. Die Stadtverwaltung hat es versäumt, einen Nutzungsvertrag mit dem Fußballverein zur Sicherung der Refinanzierung der Investition abzuschließen.

Alternative Investitionen

Für das Geld hätte die Stadt Erfurt die „Kita 11“ am Moskauer Platz sanieren können. Leider müssen die Kinder laut Investitionsprogramm der Stadt auf das Jahr 2021 warten.

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Steffen Peter

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Kommentare (2)

  • Oliver Ruhe
    Oliver Ruhe
    vor 2 Wochen
    Haben Sie eigentlich vor Veröffentlichung geprüft? Bereits in Jahr 2 der 3. LIGa war die Rasenheizung ein Muss, nur mit Ausnahmegenehmigung konnte diese verschoben werden. Auch fielen in Erfurt nach Einbau dieser keine Spiele aus und benutzt wurde dies auch mehrfach im Winter, sonst wären nämlich tatsächlich Spiele ausgefallen. Eins muss aber auch dem Bund der Steuerzahler klar sein, eine Rasenheizung ist nicht dauerhaft an, sondern wird bei Frost eingesetzt um den Rasen langsam zu erwärmen und nutzbar zu machen. Und dient auch nicht dazu, den Schnee auf dem Platz zu schmelzen. Oder wie erklären Sie sich die Meldungen, dass der Verein zum Schneeräumen aufruft, damit die Spiele stattfinden können. Die Rasenheizung ist dafür nicht geeignet. Und nochmal, es wurden hier keine Spiele auf Grund Unbespielbarkeit verschoben seit Einbau. Bitte demnächst besser recherchieren, den Verein anfragen bevor Sie Lügen verbreiten.
    • Steffen Peter
      Steffen Peter
      vor 2 Wochen
      Sehr geehrter Herr Ruhe, vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Hinweise. Als Insider und Mitarbeiter des Fußballvereins RWE haben Sie sicherlich detailliertere Informationen als wir. Leider hat der Verein im Rahmen unserer Recherchen nicht auf unsere Anfragen reagiert, sodass wir viele Informationen auf anderen Wegen beschaffen mussten. Diese wurden jeweils natürlich auch geprüft. So liegen uns z.B. die DFB-Richtlinien mit Gültigkeit bis zum 31.10.2016 (!) vor, die in der Anlage 1 zu den infrastrukturellen Anforderungen für die 3. Liga eindeutig eine "Empfehlung Einbau Rasenheizung" beinhalten. Die DFB-Richtlinien mit Gültigkeit ab 01.11.2016 weisen hingegen "Rasenheizung (soweit im Rahmen des Zulassungsverfahrens keine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde)" als Vorgabe aus. Ein "Muss" zum Zeitpunkt der Entscheidung zum Einbau (2009/2010) ist uns leider nicht bekannt. Des Weiteren liegen uns z. B. Informationen zu Spielabsagen im Februar 2012 und auch im März 2018 vor, die auf Grundlage der Feststellung der Platzkommission wie z.B. "Unbespielbarkeit des vereisten Platzes" bzw. "Unbespielbarkeit des Rasens" verfügt wurden. Für den für solche Situationen notwendigen Betrieb der Rasenheizung mittels Fernwärmeeintrag gab es „seit Inbetriebnahme der Rasenheizung keine Anforderung seitens des Vereins“, hat uns die Stadtverwaltung im Juli 2018 schriftlich mitgeteilt. Dem Bund der Steuerzahler ist natürlich auch bewusst, dass eine Rasenheizung allein schon aus Kostengründen nicht ständig laufen kann und zum Schneeschmelzen sicher kaum geeignet ist. Allerdings würde eine detaillierte Beschreibung und Bewertung der Funktion, Besonderheiten und Kosten dieser speziellen Rasenheizung hier sämtliche Rahmen sprengen - wie auch in unserem Schwarzbuch. Die aus unserer Sicht wesentlichen Fakten und Informationen müssen ausreichen, alles nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, auch wenn es dann ggf. immer noch Ansatzpunkte für vielfältige Diskussionen gibt. Relevant für uns ist, dass wir Steuerzahler für die Rasenheizung viel Geld ausgegeben haben, ohne dass offensichtlich die ursprünglichen Ziele erreicht wurden und/oder eine ursprünglich vorgesehene angemessene Kostenbeteiligung erfolgte. Und das ist aus unserer Sicht zu kritisieren.

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