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Millionen für bunte Werbe-Kampagne

Bundesfamilienministerium zahlt 7,2 Millionen Euro für fragwürdige Demokratie-Aktion

Was ist passiert

Millionen für bunte Werbe-Kampagne

„Dieses Plakat wird nichts ändern!“ – mit diesem provokanten Slogan warb eine Plakatkampagne des Bundesfamilienministeriums für demokratisches Engagement. Kostenpunkt: 7,2 Millionen Euro. Dabei kann die demokratiefördernde Wirkung der Aktion bezweifelt werden.

Plakate und eine Website, die damit werben, dass sie nichts ändern werden? Dafür hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Jahr 2017 mehrere Millionen Euro ausgegeben. Dahinter steht die Kampagne "Wer, wenn nicht wir?". Sie lief von März 2017 bis Ende des Jahres 2017 in drei Wellen. Besonders auffällig waren großformatige Plakate, auf denen in schrillen Farben zu lesen war: "Dieses Plakat wird nichts ändern!" oder "Dieses Plakat hängt nur rum!". Darunter war wesentlich kleiner zu lesen: "Aber du kannst es" oder "Aber du kannst mehr". Nach einem ähnlichen Muster ist auch die Kampagnen-Website aufgemacht. Dort ist groß zu lesen: "Diese Website wird nichts ändern". Und kleiner darunter: "Aber du kannst es".

Was steckt dahinter? Die Kampagne will deutlich machen, dass letztlich Menschen und nicht Anzeigen oder Plakate eine Gesellschaft gestalten können, so das Ministerium. Eine Kampagne für demokratisches Engagement! Zudem sollte auf das millionenschwere Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ aufmerksam gemacht werden.

Im Einzelnen standen laut einer Ministeriumssprecherin rund 5,1 Millionen Euro für Außenwerbung, digitale und Kino-Werbung zur Verfügung. Weitere rund 2,1 Millionen Euro wurden für Erstellung und redaktionelle Betreuung der Website, die Ausarbeitung der Motive, die Erstellung eines Kampagnenspots, die Produktion und Verteilung von Werbemitteln sowie die Kampagnenevaluation ausgegeben. Allein die Kosten für die Umsetzung des Projekts durch eine Agentur beliefen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Insgesamt kostete die Kampagne den Steuerzahler rund 7,2 Millionen Euro. 

Dass das Steuergeld in dieser Kampagne gut angelegt war, kann bezweifelt werden. Zugegeben: die knalligen Plakate fielen auf. Ob das aber reicht, tatsächliche Impulse für demokratisches Engagement zu setzen? Auf der Kampagnen-Website gibt es jedenfalls „Denkanstöße“ dafür.  Kostprobe gefällig? So wird empfohlen, sich für den Umweltschutz zu engagieren; zum Beispiel „für eine Froschfamilie im benachbarten Dorfsee“. Weitere Tipps sind, Obst und Gemüse anzubauen oder „mit Harke und Laubbeutel losziehen“, um Grünflächen zu pflegen. Darüber hinaus werden der Besuch im Museum und die Mitgliedschaft im Sportverein nahegelegt. Ein Allgemeinplatz ist auch folgender Tipp: „Bitte lächeln: Eine positive Grundstimmung und ein freundliches Wort bringen uns häufig weiter, als man denkt. So können starke Argumente besser wirken und unser Gegenüber fühlt sich verstanden.“

Dass eine Plakataktion reicht, um demokratisches Engagement zu fördern, bezweifeln Experten. Inwieweit die 7,2 Millionen Euro schwere Kampagne tatsächlich erfolgreich war, wird derzeit im Auftrag des Familienministeriums evaluiert. Klar ist bereits heute: Weil das Ministerium nicht nur für Demokratieförderung, sondern auch für Jugendschutz zuständig ist, überrascht der Kampagnen-Slogan "Wer, wenn nicht wir" und sorgte bereits für ungewollte Lacher! Warum? Mit diesen markigen Worten wirbt ein Unternehmen seit Jahren für seinen bekannten Kräuterlikör.

Foto: Alexander Kraus

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Autor des Artikel

Philipp Behm

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