Es ist Zeit Ihren Browser upzudaten!

Ihre Browserversion ist zu alt und wird von dieser Webseite nicht unterstützt. Es kann deshalb zu fehlerhaften Darstellungen von Inhalten kommen.

Darum sollten Sie updaten:
  • Webseiten laden schneller
  • Webseiten werden korrekt und schöner angezeigt
  • Sie surfen sicherer und sind besser gegen Phishing-Angriffe geschützt
Schließen


Besuchen Sie uns

Ein Angebot vom BDST
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Teure Annehmlichkeiten

Fledermausquartier an der Petersdorfer Brücke

Bau einer teuren Luxusvilla statt Umzug in vorhandenen Wohnungsbestand

Aktuelle Entwicklung

Ergänzung im Nachgang zur Schwarzbuch-Veröffentlichung

Im Schwarzbuch 2017/2018 haben wir kritisiert, dass rund eine halbe Million Euro für den Bau eines Ersatzquartiers für Fledermäuse an der Petersdorfer Brücke aufgewendet wurden, obwohl nur noch acht der vorrangig betrachteten Zwergfledermäuse überhaupt noch das abzureißende Widerlager der Brücke genutzt hatten.

Im Nachgang zur Veröffentlichung des Schwarzbuches und vor dem Hintergrund, dass die Bauarbeiten an dem Ersatzquartier abgeschlossen sind, haben wir bei der DEGES erneut nachgefragt. Tatsächlich sollen nach Auskunft der DEGES schon im Winter 2013/2014 die ersten Tiere das Ersatzquartier bezogen haben. Im Winter 2016/2017 konnten bis zu 71 Tiere, verschiedenster Fledermausarten gezählt werden. Und man hofft auf mehr Zuzug, denn der zweite Teil des nördlichen Widerlagers wurde noch nicht abgerissen. Weitere Tiere, die dieses noch nutzen, sollen auch noch in den Neubau umziehen.

Damit die Fledermäuse aber auch den Weg in ihr neues Zuhause finden, wurde und wird eine automatische Lockeinrichtung eingesetzt. Hierbei handelt es sich um einen speziell eingerichteten Computer, der Ultraschalllaute emittiert. Die Anschaffungs- und Einrichtungskosten betrugen rund 3.800 Euro. Laufende Unterhaltskosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Fazit: Auch wenn im letzten Winter schon 71 Tiere das Quartier genutzt haben, bleibt es bei der Frage, ob rund 500.000 Euro Steuergeld hätten für den Bau des Ersatzquartiers eingesetzt werden mussten. Die jetzt eingesetzten Mittel zur Werbung für die neue Immobilie hätten doch gleichermaßen in einem der in der Umgebung vorhandenen Objekte eingesetzt werden können. Das wäre kostengünstiger, sowohl für die Steuer-, als auch für die Ökobilanz gewesen.

Was ist passiert

Fledermausquartier an der Petersdorfer Brücke

Die Teilsanierung der BAB 19 und ihre tierisch teuren Folgen: Da muss nicht nur eine Brücke über den Petersdorfer See abgerissen und an gleicher Stelle eine neue gebaut werden. Auch Fledermäuse, die an der Brücke heimisch waren, sollten umgesiedelt werden. Für eine knappe halbe Million Euro wurde für die Tierchen ein Ersatzneubau errichtet. Pikant: Selbst Gutachter zweifeln an der erfolgreichen Umsiedlung der Populationen.

Waren (Müritz). Aufgrund ihres maroden Zustands muss die BAB 19 auf einem Teilstück von 1,16 Kilometern Länge von der Anschlussstelle Waren (Müritz) Richtung Norden saniert werden. Deshalb muss die Brücke über den Petersdorfer See abgerissen und an dieser Stelle eine neue Brücke gebaut werden.

Nun hatten sich im nördlichen Widerlager der Brücke schützenswerte Fledermäuse niedergelassen. Insgesamt acht Fledermausarten waren an der Brücke beobachtet worden. Besondere Bedeutung schrieben die Experten dem Widerlager als Winterquartier der Zwergfledermaus zu. 2011 haben immerhin noch neun Zwergfledermäuse die Brücke besiedelt.

Was die kleinen Säuger bei der Wohnungswahl nicht beachtet hatten, stellten glücklicherweise Experten fest: Das Brückenwiderlager bot gar keine guten Wohneigenschaften für die Fledermäuse – so kam es im Winter schon mal zu Frost und es fehlten Sommerschlafplätze. Der wegen des Abrisses der Brücke erforderliche Umzug der Fledermäuse sollte nach Ansicht der Fledermausexperten an diesen unwürdigen Bedingungen dringend etwas ändern.

Für knapp eine halbe Million Euro wurde in unmittelbarer Nähe zum bisherigen Wohnort der Fledermäuse ein Ersatzneubau errichtet. Der äußerlich wenig spektakuläre Bau soll das bisher fehlende Mikroklima bieten können. Dafür mussten spezielle Isolierungen verbaut und hohe bauliche Ausführungsanforderungen erfüllt werden. Sollte es trotz allem im Inneren zu warm werden, bietet das Quartier nun auch Sommerschlafplätze.

Bei eingehender Lektüre des Expertengutachtens aus dem Jahr 2013 muss dann aber doch gefragt werden, ob ein so hoher finanzieller und baulicher Aufwand überhaupt erforderlich war. So geht das Gutachten davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil der Fledermauspopulation durch den Abriss der Brücke und die begleitenden Baumaßnahmen getötet oder doch so nachhaltig gestört wird, dass sich die Tiere Ersatzquartiere außerhalb des Baustellenbereichs suchen werden. Davon gab es in der näheren Umgebung immerhin 83 potenzielle Objekte wie zum Beispiel Kirchen und Scheunen. Wenigstens 28 dieser Objekte wurden sogarschon von Fledermäusen genutzt. Auch wenn noch nicht beobachtet wurde, dass die Zwergfledermaus – eine der acht Fledermausarten– diese Gebäude als Winterquartier brauchte, so hielten die Experten die künftige Nutzung dennoch für sehr wahrscheinlich.Für unwahrscheinlich hingegen hielten sie die Erfolgschancen einer kurzfristigen Umsiedlung der Populationen in den Ersatzneubau. Für den Abendsegler, die Mückenfledermaus und das Braune Langohr wurde der Wegzug in ohnehin schon vorhandene Umgebungsquartiere angenommen.Die Experten sahen in dem Ersatzneubau keine Maßnahme, die mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zum Erhalt der ökologischen Funktion beitragen könnte.

 

Bild: commons.wikimedia.org ; Mehlauge

Der Bund der Steuerzahler meint

Eine halbe Million Euro in einen Ersatzneubau zu stecken, der von den Gutachtern selbst als nicht geeignete Maßnahme beschrieben wird, ist falsch verstandener Naturschutz.Wenn man den kleinen Säugetieren schon nicht zutraut, sich in einem der in der Nähe vorhandenen 83 Gebäude ein neues Zuhause zu suchen, so hätte man zumindest die von einem Vorgutachterer hobene Forderung nach mehr Fledermauskästen ernsthaft in Betracht  ziehen müssen. Für die Umsiedlung der vorhandenen Zwergfledermäuse war das Aufhängen von insgesamt fünf Fledermauskästen in einem Gebiet von nur zwei Hektar Wald für erforderlich, aber eben auch für ausreichend erachtet worden. Denn der Umzug in ein solches Umgebungsquartier ist wahrscheinlicher und hätte eine bessere Ökobilanz gehabt.Stattdessen haben die Steuerzahler eine halbe Million Euro in eine Luxusfledermausvilla investiert, die am Ende vielleicht sogar leer bleibt. Die zusätzlichen CO2-Emissionen,die beim Bau entstanden sind, dürfen die Bürger dann für Klimaschutzziele wieder abbauen – über Steuern.

Fragen an den Autor

Autor des Artikel

Sophie Mennane-Schulze

E-Mail schreiben