Fall aus dem Schwarzbuch 2014

Wie viele Sitzkiesel braucht man, um Identität zu stiften?

 

Mitte Dezember 2013 war in Berlin-Moabit nach dem angrenzenden Ottopark auch die Umgestaltung des für seine Trinker- und Drogenszene berüchtigten Kleinen Tiergartens West abgeschlossen. Ziel war die Aufwertung der Turmstraße als Stadtteilzentrum und Geschäftsstraße. Auffälligstes Merkmal, wohl aber auch größter Streitpunkt mit den Anwohnern, sind die sogenannten Sitzkiesel.

Das Stadtplanungsbüro sieht in ihnen wiederkehrende, identitätsstiftende Elemente, „die sich in Dimension und Form den Heckenkörpern annähern“, aber auch „praktische, bespielbare und nutzbare Sitzmöbel“. Kritiker lehnen die Sitzkiesel hingegen entschieden als „graue, monströse und bombenförmige Betonklötze“ ab. Für den Bund der Steuerzahler stellt sich allerdings die Frage, ob es angesichts der drängenden Probleme im Kiez nicht auch normale Parkbänke getan hätten. Denn bei den Kosten wurde nicht gekleckert, sondern im wahrsten Sinne des Wortes geklotzt. Ein Antrag des Bundes der Steuerzahler auf Aktenauskunft beim Bezirksamt Mitte hat nämlich ergeben, dass die insgesamt elf Sitzkiesel in den beiden Parkteilen zusammen 279.905 Euro gekostet haben. Das macht im Durchschnitt immerhin 25.445 Euro pro Sitzkiesel. Damit ist aber längst noch nicht Schluss. Mit dem Auftrag für weitere Sitzkiesel auch im Ost-Teil des Parks steigen die Gesamtkosten auf voraussichtlich 360.000 Euro. Damit hätte man alternativ auch einige hundert Parkbänke aufstellen oder die Schließung von Spielplätzen verhindern können.

 

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Die Betonklötze im Kleinen Tiergarten, auch Sitzkiesel genannt, waren nicht die einzigen Kosten, die entstanden sind. Der Otto-Park war ein schöner Park mit altem Baumbestand. Ein Großteil der Bäume wurde gefällt, um diese Betonklötze zu installieren, die nun als Hundeklo dienen. Interessant wäre noch zu erfahren, von welcher Firma diese Betonklötze geliefert wurden zu einem Stückpreis von über 25.000 Euro. Gab es eine Ausschreibung oder ist das nicht vorgesehen? Im übrigen gab es keine Drogenscene in diesem Teil des Ottoparks, sondern an der U-Bahn Haltestelle Turmstrasse. Eine Ausbreitung weiterer Betonklötze im Ottopark sollte auf jeden Fall verhindert werden.