Fall aus dem Schwarzbuch 2014

Perlenkette aus Licht – massive Kosten­überschreitung bei Kunstinstallation

 

Unter dem Motto „Perlenkette aus Licht“ hatte der Berliner Senat 2011 ein übergreifendes Lichtkonzept für die City West geplant. Aufgabe des Wettbewerbs war es u. a., Brücken durch Licht zu inszenieren und die Barrierewirkung von Tunnelräumen abzumildern. Schon damals hatte die Wettbewerbsjury auf die baulich anspruchsvolle Ausführung des Siegerentwurfs hingewiesen. Der Bund der Steuerzahler warnte daraufhin bereits in seinem Schwarzbuch 2012 vor drohenden Baukostenüberschreitungen.

Im Herbst 2013 ist nun an der S-Bahnbrücke in der Bleibtreustraße die erste von insgesamt acht geplanten Lichtinstallationen in Betrieb genommen worden. Gekostet hat sie mit 202.906 Euro 56 Prozent mehr als geplant. Dies hat ein Antrag des Bundes der Steuerzahler auf Aktenauskunft beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ergeben. Vorgesehen waren „einer ersten groben Schätzung nach“ nur 130.000 Euro. Dabei ist die Umsetzung nicht nur teurer, sondern auch gröber ausgefallen. Rund 35 Prozent weniger Leucht­elemente zählte der Bund der Steuerzahler im Vergleich zum Siegerentwurf aus dem Computer. So verwundert es auch nicht, dass die alte Straßenlaterne unter der Brücke heller leuchtet als die Lichtinstallation selbst. Der Bund der Steuerzahler fragte nach, ob das Projekt angesichts dieser Baukostenüberschreitung gestoppt würde. Während der Stadtentwicklungssenator überhaupt nicht reagierte, ließ der Bezirksbürgermeister erst auf mehrfache Nachfrage schriftlich mitteilen, dass von seiner Seite keine gesonderte Stellungnahme erfolgen wird. Ob die ursprünglich für die Illumination der ersten drei Brücken eingeplanten 440.000 Euro jetzt reichen werden, muss sich zeigen. Die eigentlich schon längst für Spätherbst 2013 bzw. Frühjahr 2014 angekündigten Lichtinstallationen an den Brücken in der Kant- und der Hardenbergstraße waren bis Redaktionsschluss jedenfalls noch nicht fertiggestellt. Die Realisierung des Siegerentwurfs erfolgte aus Mitteln des Bund-Länder-Förderprogramms „Aktive Stadtzentren“, 25.000 Euro kamen von der „Stiftung Lebendige Stadt“. Der Bezirk übernimmt zusätzlich die Kosten für die externe Projektsteuerung, da kein eigenes Personal für diese Aufgabe zur Verfügung steht.

 

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202906€ ? Das sind ja vier volle und gut bezahlte Pflegestellen in Krankenhäusern! Ich fasse es nicht! Wie wäre es, wenn man ein paar Elektroniker-Azubis dran setzt und diese installieren die ganze Sache? Dann hätten die Azubis was gelernt, die könnten sich mit ihrer Arbeit identifizieren und es wäre wahrscheinlich 190000€ günstiger geworden!