Fall aus dem Schwarzbuch 2014

Moabiter Kissen – teure, aber wirkungslose Verkehrsberuhigung

 

Im Berliner Ortsteil Moabit versucht der Bezirk Mitte seit November 2013, den Verkehr mit sogenannten „Moabiter Kissen“ zu beruhigen. Die Fahrbahnschwellen aus grobem Kopfsteinpflaster sollen in der Quitzow- und Lehrter Straße die Einhaltung von Tempo 30 erzwingen. Nach Testfahrten bezweifelt der Bund der Steuerzahler allerdings ihre Wirksamkeit. Stattdessen befürchtet er Steuergeldverschwendung und unnötige Lärmbelas­tungen für die Anwohner.

So setzte der Bezirk in der Quitzowstraße auf Quadrate mit einer Kantenlänge von jeweils knapp 4,60 Metern, die mittig in die Fahrbahn eingelassen wurden. Beim Überfahren ist allerdings kaum mehr als das typische Abrollgeräusch von Reifen auf Kopfsteinpflaster zu vernehmen. Mit Video­aufnahmen dokumentierte der Bund der Steuerzahler, wie flach die meisten dieser 20 Aufpflasterungen in den Asphalt eingelassen sind. Beim Überfahren mit einem Pkw ist von den Erhöhungen daher auch nur wenig zu spüren. Noch sinnlosere Fahrbahnschwellen sind allerdings in der Lehrter Straße zu finden. Diese mussten wegen des Busverkehrs nämlich so schmal gebaut werden, dass selbst Fahrer von Mittelklassefahrzeugen die Aufpflasterungen leicht zwischen die Räder nehmen können. Die Reifen überfahren dann lediglich die abgeflachten Kanten. Damit wird auch hier kaum eine nennenswerte Wirkung erzielt. Bereits kurz nach Beginn der Bauarbeiten hatte der Bund der Steuerzahler daher den zuständigen Baustadtrat angeschrieben. Die Bitte, sich der Angelegenheit persönlich anzunehmen, bevor alle Bremsschwellen fertig gebaut sind, ignorierte er aber genauso wie die Frage nach den Baukosten. Nach zwei Monaten vergeblichen Wartens stellte der Bund der Steuerzahler daher im November beim zuständigen Bezirksamt einen Antrag auf Aktenauskunft. Diese ergab schließlich, dass jedes der jeweils 21 Quadratmeter großen „Moabiter Kissen“ in der Quitzowstraße 3.445 Euro gekostet hat. Die 20 Aufpflas­terungen schlagen also mit insgesamt 68.900 Euro zu Buche. Deutlich günstiger fielen die 20 schmalen „Moabiter Kissen“ in der Lehrter Straße aus. Jeweils nur 4,5 Quadratmeter groß kosteten diese pro Stück 630 Euro, zusammen also 12.600 Euro. Generell sind Fahrbahnschwellen umstritten. Eine umfangreiche Rechtsprechung beschäftigt sich mit Unfällen und Schäden an Fahrzeugen, auf die die Verwaltung hier auch richtigerweise hinweist. Der Bund der Steuerzahler meint: Allerdings stellt sich damit auch die Frage, warum in Berlin dann überhaupt intakter Asphalt gegen weitestgehend wirkungslose Fahrbahnschwellen ausgetauscht wird. Schließlich fehlt in Berlin gleichzeitig das Geld, um an anderer Stelle der Erhaltung des Straßennetzes nachzukommen. Mit den zusammen 81.500 Euro für die „Moabiter Kissen“ in den beiden Straßen hätten alternativ auch rund 1.800 Schlaglöcher gestopft werden können.

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Liebe Steuerzahler, Als Bewohner der Quitzowstraße kann ich sagen, dass die Kissen ausreichen hoch sind, um ein Ruckeln zu verursachen. Ziel war es, den Verkehr durch die Quitzowstraße unattraktiv zu machen, da selbiger die hiesige Bausubstanz schädigte. Dies ist durchaus als gelungen zu bezeichnen. Allerdings kann man die Kissen mit kleineren Autos sehr einfach umfahren, den breiten Radwegen sei Dank. Trotzdem ist dies nicht das beste Beispiel für Steuerverachwendung.

Einige der Kissen merkt man schon. Daher haben wir ja auch geschrieben, die MEISTEN der Kissen sehr flach ist. Gestern wurde in der Berliner Abendschau auch gezeigt - wie Sie ja auch beschreiben - dass viele Autofahrer auf dem Radfahrerstreifen die Kissen umfahren. Fahrer größerer Autos z.B. SUV, würden beim Überfahren wahrscheinlich nicht mal den Kaffee verschütten. Da reduzierte Verkehr dürfte aber vor allem daher rühren, dass ja jetzt parallel die große Ellen-Epstein-Straße über das alte Bahnhofsgelände fertig und sowieso viel bequemer ist. Fazit: Wir sind nicht gegen Verkehrsberuhigung. Aber es muss dann auch für´s Geld wirken.

Dieser Blödsinn beginnt direkt vor meiner Haustür und ich habe es wochenlang in einer Fotoserie dokumentiert, die ich dem BdSt gerne zur Verfügung stellen kann. Diese idiotischen Berliner Verkehrsplaner haben noch einen draufgelegt. Sie fordern nämlich die Radfahrer auf, sich in den Schwerlastverkehr der in der Quitzowstraße überwiegend erfolgt einzureihen. Dabei hat die Quitzowstraße zwei Radwege die bei vernünftiger Wartung sogar Sinn machen würden, man hat sich in Berlin aber lieber für Schwachsinn und Lebensgefahr für Radfahrer entscheiden. Diese "Kissen" machen eine Radfahrt bei Schnee in jedem Fall, bei Herbstlaub bedingt zu einer Art russischem Roulett

Es mag ja sein, dass solche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen von denen, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten wollen, nicht gemocht werden (wozu, wenn man sich die Schwarzbücher der letzten Jahre anschaut, ofensichtlich auch die Autoren der Schwarzbücher gehören). In der Verkehrsplanung sind sie aber nicht im geringsten umstritten, die positive Wirkung derartiger Kissen ist (sofern korrekt ausgeführt) umfangreich in Studien dokumentiert worden. Nur weil offensichtlich auch die Autoren des Schwarzbuches gerne in 30er Zonen keine 30 fahren sind Maßnahmen, die dies erzwingen, keine Geldverschwenidung - ganz im Gegenteil, dies zeigen, wie notwendig solche Maßnahmen sind.