Fall aus dem Schwarzbuch 2014

Aussichtspunkte ohne besondere Aussicht

 

Das Strukturprogramm „Regionale 2010“ schafft Aussichten – zum Beispiel mit Aussichtstürmen und -plattformen in Köln. Mehr als insgesamt 240.000 Euro haben die EU, der Bund, das Land NRW und die Stadt dafür locker gemacht. Bedauerlich, dass die mühsam inszenierten Aussichten bei näherem Hinsehen gar keine sind.

Wer im Kölner Landschaftspark Belvedere steht, die A1 im Rücken, blickt über Felder und Bäume und sieht am Horizont den Kölner Dom. Mit diesem Pfund wollte man wuchern – und so entstand unter Initiative des „Freundeskreises zur Vollendung des Äußeren Grüngürtels“ der Plan, im Zuge der „Regionale 2010“ die Felder und Bäume zu erhalten und den Blick auf Köln zu unterstreichen, statt einen Gewerbepark zu errichten. Das Konzept sah einen Aussichtsturm vor. 8,60 Meter hoch, 90.000 Euro teuer, mit dem vielversprechenden Namen „Domblick“. Von dort blickt man dann über Felder und Bäume und sieht am Horizont – den Kölner Dom. Wie vorher auch. Nur teurer. Die „Regionale 2010“ macht’s möglich. Aus ihren Fördertöpfen zahlen EU, Bund und Land NRW 80 Prozent der Kosten. Die Gelegenheit war also günstig. So günstig, dass das Konzept gleich noch drei weitere Aussichtsplattformen vorsah: den „Ausblick“, 5,80 Meter hoch und 62.000 Euro teuer. Den „Blickfang“, drei Meter hoch und 52.500 Euro teuer – und den sagenhaften „Fel­derblick“, der, wie der Name schon sagt, „nach allen vier Seiten einen schönen Ausblick auf die Tier- und Pflanzenwelt gibt“, so die Stadt Köln – und das aus spektakulären 80 Zentimetern Höhe. Kos­ten: 13.500 Euro. Damit sei diese Plattform als „Ausrufezeichen“ zu verstehen. Aus alten Zeiten gibt es in der Nachbarschaft einen gleichnamigen ehemaligen Bahnhof, der wegen des Blicks auf das Kölner Stadtpanorama ein beliebtes Ausflugsziel war. Beliebt deshalb, weil es im „weitgehend flachen Kölner Stadtgebiet“ keine „vergleichbare Aussicht“ gebe, erklärt die Stadt Köln und liefert die Begründung: die topografische Lage auf der sogenannten Mittelterrasse und die landwirtschaftliche Nutzung des Gebiets, „die den freien Blick erlaubt“. Stellt sich die Frage, warum dieser freie Blick nun mit 218.000 Euro teuren Aussichtsplattformen „inszeniert“ werden muss? Kleinlich mutet da die Summe an, die zwei Plattformen am Escher See in Köln gekostet haben. Für 23.000 Euro bieten sie Interessierten einen Blick über den Zaun, um den südlichen Teil des Escher Sees sehen zu können, der den Anglern und dem Naturschutz vorbehalten ist. Auch dies ein Projekt der „Regionale 2010“. Der Bund der Steuerzahler meint: Auch wenn es sehr schön ist, dass die „Regionale 2010“ so viele Ein- und Ausblicke finanziert, wie schön wäre es, wenn die Steuerzahler endlich mal ausgeglichene Haushalte und einen Schuldenabbau bewundern dürften?

Bewerten Sie diesen Fall: