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Chaos am Theater Trier

Intendant geht für 300.000 Euro Abfindung

Was ist passiert

Chaos am Theater Trier: Intendant geht für 300.000 Euro Abfindung

Millionenschwere Sanierungspläne, gefloppte Veranstaltungen, hohe Zuschauerverluste, immer neue Rekorddefizite und zuletzt die Trennung vom umstrittenen Intendanten Karl Sibelius gegen eine Abfindung von 300.000 Euro – seit Monaten sorgt das Theater Trier immer wieder für Schlagzeilen. Auch Kulturdezernent Thomas Egger wird wohl gehen müssen. Doch wann folgt endlich die geordnete Abwicklung des erfolglosen Skandal-Theaters?

Kultur kann in der Regel nicht kostendeckend arbeiten. Vielfach wird auch eine mangelnde Theater-Finanzierung in Rheinland-Pfalz beklagt. Doch wenn Karl Sibelius, der seit August 2015 tätige Intendant des Theaters Trier, eines bewiesen hat, dann dass mehr Geld nicht zwingend zu mehr Erfolg bei den Zuschauern führt. Ursprünglich trug der Intendant sowohl die künstlerische als auch für die finanzielle Verantwortung. Als sich dann im Frühjahr ein Theater-Defizit von 1,3 Mio. Euro für das Jahr 2016 anbahnte, wurde Sibelius die alleinige Finanzverantwortung wieder entzogen. Ab Juni 2016 war Kulturdezernent Thomas Egger als kommissarischer Verwaltungsdirektor für die Finanzen verantwortlich, im Oktober 2016 wurde dann Herbert Müller für diese Aufgabe eingestellt.

Schon nach kurzer Zeit deckte die Finanzprüfung von Verwaltungsdirektor Müller weitere Missstände auf. Eklatante Fehler und unverbuchte Honorare  erhöhten das voraussichtliche Theater-Defizit für das Jahr 2016 nochmals um rund eine Million Euro auf insgesamt 2,3 Mio. Euro! Auch der Rechnungsprüfungsausschuss der Stadt ging der Misswirtschaft am Theater auf dem Grund und förderte laut Presseberichten ungeheuerliches zu Tage. Beispielweise soll es nahezu täglich Änderungen am Spielplan gegeben haben, die zu Problemen und Mehraufwendungen geführt hätten. Auch hätten in der Spielzeit 2015/2016 mehr als doppelt so viele Aufführungen in Außenspielplätzen stattgefunden. Für deren Bühnenbau, Personal, Technik etc. wären enorme Kosten entstanden. Bei den Honorarkalkulationen hätten wiederholt die Sozialversicherungskosten gefehlt, was zur Explosion der Produktionskosten führte. Auch Vergleichsangebote wären regelmäßig nicht eingeholt und Vergabeverfahren nicht eingehalten worden. Da überrascht es nicht, dass es gleichfalls keine Finanzplanungen und Kostenkalkulationen gegeben haben soll.

 

Goldener Handschlag für Sibelius

 

Angesichts dieses finanziellen Fiaskos wollte die Stadt Trier ihren Theater-Intendanten schnellstens loswerden. Aber das war leichter gesagt als getan. Denn die Stadt hatte Sibelius` Vertrag erst im Juli 2016 bis zum 31. Juli 2020 verlängert, obgleich bereits damals bekannt war, dass es am Theater finanzielle Überschreitungen gab. Dadurch hatte der Intendant eine starke arbeitsrechtliche Position. Eine fristlose Kündigung auszusprechen, hätte einen langwierigen Prozess mit unsicherem Ausgang und hohem Kostenrisiko bedeutet. Die Stadt wollte dies vermeiden und bot Sibelius daher einen goldenen Handschlag für seinen Abgang an. Sein Vertrag wurde zum 30. November 2016 aufgelöst, dafür erhält Sibelius eine Abfindung in Höhe von satten 300.000 Euro. 

Allerdings lastete die Verantwortung für das Finanzdebakel nicht nur auf den Schultern von Karl Sibelius. Auch die Stadtverwaltung hatte bei der Kontrolle ihres Theaters gründlich versagt, allen voran Kulturdezernent Thomas Egger. Deshalb hat die SPD die Abwahl ihres eigenen Dezernenten initiiert – auch kein Vorgang, der sich in der Politik häufig finden lässt. Mit der Abwahl von Egger ist im Dezember 2016 zu rechnen, aber finanziell würde er weich fallen. So bekäme Egger im Abwahlmonat und noch weitere drei Monate lang seine vollen Bezüge von fast 8.000 Euro. Danach würde er bis zum Ende seiner regulären Amtszeit im Januar 2018 monatlich etwa 5.500 Euro erhalten. Und danach hätte Egger Anspruch auf eine lebenslange Pension von rund 2.300 Euro pro Monat.

Einen Lichtblick erhält das angeschlagene Theater zumindest vom Land Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung hat sich auf einen milden Tadel beschränkt und wird ihren Theater-Zuschuss für Trier in Zukunft sogar erhöhen. Waren es im Jahr 2016 noch 5,8 Mio. Euro sollen es in 2017 etwa 6,1 Mio. Euro und in 2018 sogar 6,2 Mio. Euro sein. Wer hätte das gedacht?

 

Copyright des Bildes Stefan Kühn via Creative Commons (CC BY-SA 3.0 ohne Änderungen)

Der Bund der Steuerzahler warnt

Kultur ist wichtig – aber Kulturförderung darf kein Freibrief für Erfolglosigkeit, Unwirtschaftlichkeit und Inkompetenz auf Kosten der Steuerzahler sein! Was sich am Theater Trier ereignet hat, ist wahrlich eine Kategorie für sich. Wer sich fragt, wie Politikverdrossenheit entstehen kann, findet hier ein Lehrbeispiel. Die Stadt Trier versagte gründlich in der Kontrolle des Theaters, lässt ein millionenschweres Defizit zu und erhält nun einen höheren Theater-Zuschuss vom Land. Trotz ihres Missmanagements erhält der unfähige Intendant Sibelius von der Stadt eine Abfindung von 300.000 Euro und der gleichsam unfähige Kulturdezernent Egger darf sich nach seiner Abwahl über eine ordentliche Pension freuen. Irgendwie werden alle Verantwortlichen des Theater-Debakels „belohnt“ – doch für die Zeche kommen die Steuerzahler auf.


Mit dem Neubau bzw. der Sanierung des maroden und erfolglosen Theater Trier droht schon bald das nächste Millionengrab auf die Stadt zuzukommen. Unter 40 Mio. Euro wird wohl keine Lösung zu realisieren sein. Und auch eine Doppelspitze und ein neuer Intendant werden nichts an dem Umstand ändern können, dass das Theater defizitär laufen wird – was sich das hochverschuldete Trier eigentlich nicht leisten kann. Deshalb ist es endlich an der Zeit, das Theater Trier geordnet abzuwickeln.

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Autor des Artikel

René Quante

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